Freiburger Coup gegen Favorit Dortmund

Freiburg (mi) – Der südbadische Bundesligist SC Freiburg lieferte Favorit Borussia Dortmund einen heroischen Kampf. Auch nach dem zweiten Bundesligaspieltag bleiben die Freiburger weiter ungeschlagen.

Überflieger: Freistoßspezialist Vincenzo Grifo feiert sein Traumtor zur SC-Führung. Foto: Thomas Kienzle/AFP

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Überflieger: Freistoßspezialist Vincenzo Grifo feiert sein Traumtor zur SC-Führung. Foto: Thomas Kienzle/AFP

Diese überbordenden Gefühle, diese Gesänge, diese Jubelarien, dieses Siegesgefühl: Wie sehr hatten die Fans des Sport-Club Freiburg ihr geliebtes „Wohnzimmer“ in den eineinhalb Jahren Zwangsausschluss vermisst. Umso frenetischer feierten die zugelassenen 10.100 Zuschauer den 2:1-Sieg gegen Borussia Dortmund, weil er ebenso überraschend daherkam wie beim Triumph mit selbigem Ergebnis Anfang Februar, und wohl auch deshalb, weil er die drei Spiele umfassende kleine Abschiedstour aus dem idyllischen Dreisamstadion perfekt einläutete, ehe Mitte Oktober dann der Umzug in die Hightech-Arena im Wolfswinkel ansteht.

So waren die lange feierentwöhnten SC-Fans emotional mindestens so sehr aufgeladen wie ihre Helden auf dem Rasen. Minutenlang gab die Mannschaft unter Anleitung von Vincenzo Grifo mit ihren Hardcore-Fans das „Humba, humba, Tätärätä“ zum besten. Die Spieler tanzten freudetrunken umher, aus der Nordkurve ertönten immer neue Anfeuerungen. Was dem Sport-Club zehn Jahre lang keine zweimal im Dreisamstadion um Bundesliga-Punkte gelang, klappte jetzt schon zum zweiten Mal innerhalb von sechs Monaten: Drei Punkte gegen Borussia Dortmund.

Trainer Streich: „Mit Glück und Geschick haben wir es hingekriegt“

Es war der perfekte Mix aus leidenschaftlich um jeden Meter Boden rackernde und gleichzeitig mit schnellem Umschaltspiel spielerisch überzeugende Südbadener, die dem Favoriten gnadenlos zusetzten. Dazu verfügt der Sport-Club in Grifo über ein Freistoßgenie, was er mit seinem Donnerhall aus 25 Metern ins frühe Glück (6.) dokumentierte.

„Vor der Trinkpause sah es so aus, als ob Dortmund uns auseinander spielt. Nach der Trinkpause haben wir es besser gemacht. Wir haben uns gut auf die erste, zweite und dritte Welle des BVB vorbereitet. Ich sagte meinen Jungs: ‚Hört nicht auf zu verteidigen.‘ Mit Glück und Geschick haben wir es hingekriegt“, freute sich Erfolgstrainer Christian Streich über das effiziente Anlaufen und zumeist auch Hinterherlaufen gegen einen spielerisch stärkeren Gegner. 70 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent Zweikampfquote, 19:8 Torschüsse, 10:0 Ecken zugunsten des BVB sprachen eine deutliche Sprache. Streich: „Wir haben uns das Glück erarbeitet.“

Selbst Erling Haaland unter Kontrolle gebracht

Dass Ausnahmekönner Erling Haaland blass blieb, lag natürlich auch am starken Abwehrverhalten des von Streich von Dreier- auf Viererkette umgestellten Defensivverbunds. Zumeist Innenverteidiger Nico Schlotterbeck, aber auch Kollege Philipp Lienhart ließen den Hünen nie zur Entfaltung kommen.

Nach dem 2:0, als der ungarische EM-Teilnehmer Roland Sallai eine blitzsaubere Kombination über Jeong und Höler im Konter veredelte (53.), glich das Dreisamstadion einem Tollhaus. Selbst nach dem Anschlusstor, als der starke 21-jährige zentrale Mittelfeldspieler Yannik Keitel mit seiner Fußspitze seinen Torwart Mark Flekken überwand (59.), konnte sich der SC aus der Umklammerung stets befreien.

Der Sport-Club steht nach zwei Spieltagen dort, wo gewöhnlich der BVB zu finden ist. Den flüchtigen Premiumplatz nimmt man freilich nicht allzu ernst. Für die Fans wären zwei weitere Siege in den Heimspielen gegen Köln und Augsburg vielmehr das perfekte Abschiedsgeschenk aus der seit fünf Jahrzehnten ans Herz gewachsenen Heimstätte.

Ihr Autor

BT-Redakteur Michael Ihringer

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Erstellt:
23. August 2021, 07:30 Uhr
Lesedauer:
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