Freier Zugang und viel Spaß auf Kunstweg

Gernsbach (vgk) – Der Kunstweg am Reichenbach hat am Sonntag einen Besucheransturm erlebt. Sechs neue Werke schrauben die Gesamtzahl der Ausstellungsstücke auf nunmehr 45.

Kunst soll auch Spaß machen: Georg Schweitzer (Mitte) lebt dies bei der Vernissage und im Beisein von Kuratorin Rita Burster und Kunstweg-Initiator Rüdiger Seidt vor. Foto: Gareus-Kugel

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Kunst soll auch Spaß machen: Georg Schweitzer (Mitte) lebt dies bei der Vernissage und im Beisein von Kuratorin Rita Burster und Kunstweg-Initiator Rüdiger Seidt vor. Foto: Gareus-Kugel

Mit Schrecken erinnert sich Rüdiger Seidt an die Anfänge seines inzwischen erfolgreichen Projekts. Vor 15 Jahren hatte der Vater des Kunstwegs am Reichenbach einige dicke Bretter zu bohren, bis alle Genehmigungen eingeholt, Sponsoren gewonnen und die ersten Kunstwerke aufgestellt werden konnten.

Seitdem ist der Weg zwischen Hilpertsau und Reichental in puncto Kunst längst den Kinderschuhen entwachsen und weit über die Grenzen des Murgtals hinaus bekannt. Der Besucheransturm anlässlich der Eröffnung der neuen Ausstellung verdeutlichte dies am Sonntag eindrucksvoll. Selbst Kuratorin Rita Burster zeigte sich überrascht von der Menge der Besucher, die sich auf den Weg machten, um sich neue und alte Kunstwerke anzuschauen. „Kunst findet statt“, kommentierte Burster zu Beginn der Vernissage erfreut.

Bei ihrer zweiten Ausstellung am Reichenbach hob die Kuratorin auf den Unterschied zu herkömmlichen Museen und Galerien ab. In diesen ist zu Corona-Zeiten der Kunstgenuss nur mit Auflagen möglich. Dagegen biete die Kunst im öffentlichen Raum einen freien Zugang. Burster durfte deshalb zufrieden feststellen: „So mussten die Kunstwerke am Reichenbach zu keiner Zeit ins virtuelle Netz ausweichen.“

Mit den neuen Künstlern steigt die Gesamtzahl der entlang des Kunstwegs gezeigten Werke auf insgesamt 45 an. Bürgermeister Julian Christ freute sich entsprechend. „Wir werden dies als Stadt gerne weiter unterstützen.“ Die Kunst soll auch Spaß machen. Damit dies gelingt, dafür sorgte der Künstler Georg Schweitzer mit seinem intelligenten, gnadenlos unverblümten und charmanten Witz, dem selbst Christ nicht entging. Seine Einlassungen zur Kunst, mit denen der Komiker die Besucher der Vernissage konfrontierte, zeugten nicht nur von Humor, sondern offenbarten auch fundiertes künstlerisches Wissen.

Für Bildhauer und Maler ist eine Präsentation ihrer Kunst in der Natur Herausforderung und Inspiration zugleich. Die sechs neuen Kunstwerke können in die Rubriken klassisch und plastisch eingeordnet werden. Von der Natur im Reichental ließ sich die Karlsruherin Gundula Bleckmann inspirieren, die ihre Arbeit „Fischtreppe“, ein Klettergerüst für Fische, nennt: eine klassische Malerei, präsentiert an ungewöhnlichem Ort, in einer Heuhütte.

Einer der Granitfelsen weckte das Interesse der Japanerin Peco Kawashima. Dessen exponierte Lage und die von ihm ausgehende Mystik unterstreicht die fröhliche Asiatin mit blauer Farbe. Wenngleich für Gary Schlingheider die von ihm fünf aufgestellten farbigen Stahlrahmen Ausdruck seines durchlebten Abstraktionsprozesses sind, sorgen diese nun in der Landschaft für neue Perspektiven.

Auch die von Seidt als „Modulfalter“ bezeichneten vierteiligen Stahlobjekte bergen Besonderheiten. Linien und Schnitte sind so gesetzt, dass sie nahtlos ineinandergreifen. Lukas Schneeweiss arbeitet hingegen gerne mit Schriften und Zeichen. Mit seinem Schild „Mars is boring“ – aufgestellt gleich neben einer Sitzbank am Wegesrand – weist er dieser und ihrer Umgebung eine neu interpretierbare Bedeutung zu.


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