Freispruch im Prozess um Förcher Eiche

Rastatt (up) – Dem angeklagten Anwohner, der eine Eiche in Förch angesägt und vergiftet haben soll, ist „nichts nachzuweisen“. Der Prozess vor dem Amtsgericht endete mit einem Freispruch.

Plakativ machte der NABU auf die Zerstörung der Eiche aufmerksam. Foto: Archiv

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Plakativ machte der NABU auf die Zerstörung der Eiche aufmerksam. Foto: Archiv

Im Januar musste in der Favoritestraße im Stadtteil Förch eine 40-Jahre alte Eiche gefällt werden, die mutwillig beschädigt und daraufhin abgestorben war (das BT berichtete). Jetzt sprach das Amtsgericht Rastatt einen Anwohner vom Vorwurf der gemeinschädlichen Sachbeschädigung frei. Die Staatsanwaltschaft hatte den 60-Jährigen beschuldigt, den Baum angesägt und an der Wunde eine giftige Flüssigkeit angebracht zu haben.

Schattenwurf auf Fotovoltaikanlage als Motiv?

Als Motiv hatte die Staatsanwaltschaft vermutet, der Angeklagte habe die Leistungsfähigkeit einer Fotovoltaikanlage auf einem seiner Gebäude verbessern wollen. Durch den Schattenwurf der Eiche sei diese beeinträchtigt gewesen.

Dem widersprach der Beschuldigte in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Rastatt. Die Fotovoltaikanlage gehöre nicht ihm, sondern seiner Ehefrau. Am 29. April 2020, der Tag, an dem er den Baum angesägt haben soll, sei ihm abends eingefallen, dass noch Batterien an einem Ladegerät hingen, die sich in einer Garage nahe dem Baum befanden. Als er daraufhin dorthin gefahren sei, habe unter dem Baum ein Pkw mit geöffneter Motorhaube gestanden. Unter dem nicht zugelassenen Wagen sei eine große Öllache zu sehen gewesen. Bevor er wieder zu seinem Wohnhaus in etwa 400 Meter Entfernung gefahren sei, habe er den Baum noch gegossen.

Zeuge hat Ansägen nicht beobachtet

Ein Zeuge, der gegenüber der Garage des Angeklagten wohnt, berichtete vor Gericht, an besagtem Tag habe gegen 22 Uhr in der Garage noch Licht gebrannt. „Das hat es die letzten zehn Jahre davor nicht gegeben“, so der Zeuge. Er habe auch gesehen, wie der Beschuldigte eine Flüssigkeit an dem Baum ausgeschüttet habe. Dass er die Eiche ansägte, habe er jedoch nicht gesehen, „das habe ich nie gesagt“, stellte er klar. Allerdings habe der Angeklagte vor drei Jahren mit einer Hebebühne Äste an ihr entfernt, obwohl sie auf einem städtischen Grundstück steht.

Polizist: Ältere Verletzungen erkennbar

Der ermittelnde Polizeibeamte berichtete, er habe den Baum nach der Anzeige durch die Stadt Anfang Mai in Augenschein genommen. Es seien ältere Verletzungen zu erkennen gewesen und die Rinde sei kreisförmig angesägt worden. Eine Probe der Flüssigkeit habe man nicht mehr nehmen können, „das hätte keinen Sinn mehr gemacht“, so der Beamte. Die Staatsanwältin forderte in ihrem Plädoyer eine Strafe von 90 Tagessätzen zu je 70 Euro. Die Grasnarbe um den Baum wäre durch eine Öllache nicht kreisförmig abgestorben, für sie stehe die Tat fest. Dem folgte Richter Christoph Schaust in seiner Urteilsbegründung nicht. Der Zeuge habe die Tat nicht beobachten können. Zwar spreche vieles dafür, dass es der Angeklagte war, „es ist ihm aber nichts nachzuweisen“, so der Richter.

NABU stellt „Todesanzeige“ auf

Der Naturschutzbund (NABU) hatte nach der Baumfällung öffentlichkeitswirksam eine „Todesanzeige“ neben dem Baumstumpf in den Boden gesteckt. Die Naturschützer beklagten die mutwillige Zerstörung und sprachen von einer Beerdigung der Umwelt. Ludwig Matt, der Vorsitzende der NABU-Ortsgruppe Rastatt, hatte gegenüber dem Badischen Tagblatt erklärt, er habe seit 2013 immer wieder Sägespuren an der Eiche entdeckt; außerdem seien Chemikalien in die Wunden eingebracht worden. Bei der Stadtverwaltung habe er wiederholt angeregt, ein Schutzgitter anzubringen, was jedoch abgelehnt worden sei. Dies sei bei Bäumen dieser Größe nicht üblich.

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28. März 2021, 15:00 Uhr
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