Freundeskreis Festspielhaus feiert 25-jähriges Bestehen

Baden-Baden (sr) – Mehr als 14 Millionen Euro haben die 1590 Mitglieder des Freundeskreises schon dem Festspielhaus gespendet – die enge Verbundenheit wird in Corona-Zeiten besonders wichtig.

Auf die ersten 25 Jahre: Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa (rechts) mit Petra Gerstner-Schröder und John Feldmann vom Freundeskreis. Foto: Andrea Kremper/Festspielhaus

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Auf die ersten 25 Jahre: Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa (rechts) mit Petra Gerstner-Schröder und John Feldmann vom Freundeskreis. Foto: Andrea Kremper/Festspielhaus

Eigentlich hätte das ein rauschendes Jubiläum werden können: Am 23. September 1995 wurde der Freundeskreis Festspielhaus gegründet – noch bevor das Haus überhaupt stand. Aus den anfänglich 40 Mitgliedern wurde für kulturelle Verhältnisse geradezu eine Massenbewegung: 1 590 Mitglieder sind es aktuell, davon die Hälfte aus der Region, 80 Prozent aus Baden-Württemberg, etliche aus dem europäischen Ausland und einige sogar aus Übersee.

Doch die Feierlaune ist gedämpft. Eine große Party wird es nicht geben, und die aktuelle Entwicklung der Corona-Pandemie macht auch die am 8. Oktober anlaufende Saison im Festspielhaus zu einer Herausforderung, die jeden Tag neu bestanden sein will.

Trotzdem und mit Recht blickten die Verantwortlichen gestern zufrieden auf das bisher Erreichte zurück, aus Berlin war kurzzeitig sogar „Gottvater“ zugeschaltet, wie Intendant Benedikt Stampa den ersten Vorsitzenden des Freundeskreises, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble bezeichnete. Vor gut 15 Jahren hat Schäuble das Amt von Lothar Späth übernommen, und es war ihm wichtig, all jenen zu danken, die „in der schwierigen Anfangsphase“ das Haus auf den Weg brachten und es seither stützen. Als wesentliche Aufgabe führen Schäuble wie auch der zweite Vorsitzende, John Feldmann, nun die Herausforderung an, jüngere Menschen in dieses bürgerschaftliche Engagement mit einzubinden, damit der Schwung auch in die nächsten Generationen weitergetragen wird. Feldmann sagt, es sei auch wichtig, jüngere Firmenchefs als künftige Sponsoren anzusprechen.

Baden-Baden ist der ideale Standort

Der Freundeskreis hat 2019 mehr als eine Million Euro gespendet, im laufenden Jahr liegen Mitgliedsbeiträge und Spenden schon weit darüber – obwohl es seit März kein Programm mehr gibt. Die Unterstützung sei aber ungebrochen, so John Feldmann, man habe sogar Mitglieder neu anwerben können. Viele haben den Gegenwert bereits bestellter Tickets gespendet, nachdem wegen der Corona-Krise die Veranstaltungen abgesagt werden mussten.

Für den Mitgliedsbeitrag von 520 Euro (780 Euro für Paare) hat man den Vorzug, früher Tickets ordern zu können als die Allgemeinheit, man kann außerdem Proben und Seminare besuchen. Viele Mitglieder schätzen auch die Kunstreisen, die den Freundeskreis zu anderen großen Konzert- und Opernhäusern führen. Eine erhebliche Zahl von Mitgliedern spendet über den Jahresbeitrag hinaus weitere Summen, einige Freundeskreis-Mitglieder wurden später auch Stifter.

Ins Geschäft der künstlerischen Leitung mische man sich nicht ein, betont John Feldmann. „Wir haben unsere eigene Meinung zu den einzelnen Veranstaltungen, die wir auch äußern, aber zwischen unseren Aufgaben gibt es eine saubere Trennung.“

Was das Festspielhaus für Baden-Baden bedeutet, dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein, eine Studie der Universität St. Gallen kam schon 2014 auf die Summe von knapp 50 Millionen Euro, die die Stadt – Gastronomie, Handel und Hotellerie – an Wertzuwachs verbuchen könne. Aber Baden-Baden ist umgekehrt auch der ideale Standort für dieses mit 2 500 Plätzen überdurchschnittlich groß dimensionierte Haus. Das reiche musikalische Erbe der Stadt wolle man in Zukunft noch deutlicher herausstellen, betont Intendant Benedikt Stampa.

Ob das Festspielhaus in der nächsten Zukunft oft ausverkauft sein kann, lässt Stampa offen. Vieles, was bisher selbstverständlich war, werde sich ändern. So sieht er die Reisemöglichkeiten der Solisten und Orchester auf längere Zeit eingeschränkt, und auch das Verhalten des Publikums im nahenden Herbst mit seinen zusätzlichen Auswirkungen auf Coronazahlen ist derzeit unwägbar.

Es werde sicher nicht genügen, gelegentlich einen vollen Saal zu haben, weil die Menschen nur noch auf die ganz großen Werke und Namen ansprechen. „Wir müssen in der Breite erfolgreich sein“, fordert Stampa. Einen Trost hat der Fußballfan aber doch parat: „Die größten Fußballstadien sind doch immer voll“. Könnte das nicht auch für den „größten Saal in der kleinsten Stadt“ gelten?

Ihr Autor

Sabine Rahner

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Erstellt:
23. September 2020, 07:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 52sec

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