Friedensangebot im Rassismus-Streit bei Rizzi

Baden-Baden (BNN) – Nach dem Streit um die Entlassung des Ukrainers Igor G. wegen antirussischer Äußerungen will das Baden-Badener Restaurant Rizzi auf den früheren Mitarbeiter zukommen.

Der Konflikt brodelt weiter: Das bekannte Baden-Badener Restaurant Rizzi hat im Streit mit seinem entlassenen ukrainischen Mitarbeiter einige Fehler eingestanden, während Igor G. und seine Ehefrau Hetze und Diskriminierung beklagen. Foto: Ulli Deck / dpa

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Der Konflikt brodelt weiter: Das bekannte Baden-Badener Restaurant Rizzi hat im Streit mit seinem entlassenen ukrainischen Mitarbeiter einige Fehler eingestanden, während Igor G. und seine Ehefrau Hetze und Diskriminierung beklagen. Foto: Ulli Deck / dpa

Nach dem Streit um die Entlassung des Ukrainers Igor G. wegen antirussischer Äußerungen will das Baden-Badener Edelrestaurant Rizzi auf den früheren Mitarbeiter zukommen.

„Ein besonderer Platz für die Seele“: Nach einigen Tagen Pause wirbt das Baden-Badener Rizzi wieder mit diesem Werbespruch auf seiner Webseite bei Besuchern, die die „trendige Lebenskultur“ im „Palais Gagarin“ zu schätzen wissen. „Das Leben ist schön“, frohlockt das Edelrestaurant an der Oos, das wegen des Kriegs in der Ukraine in einer der schwersten Krisen seiner Geschichte steckt.

Tagelang war die Webseite von Rizzi abgeschaltet, nachdem der Familienbetrieb des Gastronomen Peter Schreck zum Opfer von Cyberattacken geworden war. Internet-Nutzer haben zudem versucht, in koordinierten Aktionen sein Ansehen zu beschädigen. Offenbar hat sich die Aufregung im Netz wieder gelegt. Doch der Rassismus-Skandal um einen entlassenen ukrainischen Mitarbeiter von Rizzi, der auch international hohe Wellen geschlagen hat, brodelt in der Kurstadt weiter und beschäftigt jetzt die Anwälte. Im Streitfall von Igor G. gibt es immerhin ein Friedensangebot, das die Gemüter besänftigen soll.

Rizzi will Konflikt beenden

Der 52-jährige Barmann von Rizzi hat vor einer Woche ein heftiges Schimpfvideo im Internet verbreitet, in dem er das russische Volk als eine „Hammelherde ohne Rückgrat“ bezeichnet und die russischen Besucher in Baden-Baden pauschal zu kritisieren scheint: „Russen, niemand freut sich über euch“.

Igor G. wurde danach fristlos entlassen, das Restaurant erklärte in einer Stellungnahme: „Wir tolerieren es nicht, wenn ein Mitarbeiter andere Nationalitäten angreift.“ In dem Sturm der Entrüstung über den Fall hat sich der ukrainische Außenminister Dmitri Kuleba in Kiew eingeschaltet und seinem Landsmann Hilfe angeboten. Auf seiner Facebookseite hat G. den Vorwurf des Rassismus bestritten und Rizzi einen Rechtsbruch vorgeworfen.

Nach Informationen unserer Zeitung hat Rizzi einige Stammkunden befragt, die den entlassenen Barmann gut kennen. Sie sollen ihn als einen „freundlichen und kommunikativen Menschen“ beschrieben haben, der sich jedoch seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine stark verändert habe. Aggressiv und unhöflich habe sich G. verhalten, gaben die Besucher zu Protokoll. Eine Kundin zitiert den Ukrainer mit den Worten: „Ich habe keine russischen Freunde mehr, ihr seid Faschisten“. Das sei umso betrüblicher, heißt es im Restaurant, zumal man den langjährigen Mitarbeiter geschätzt und ihn für einen „Feingeist“ gehalten habe.

Dennoch möchten die Rizzi-Besitzer nun deeskalieren und einen Schlussstrich unter den Skandal ziehen. „Das ist alles nur noch traurig, und niemand hat in diesem Streit etwas zu gewinnen“, sagte unserer Redaktion ein Sprecher des Lokals. „Die Betreiber geben zu, dass sie mit der Situation angesichts des massiven Drucks überfordert waren. Es war ein Fehler, ihm gleich zu kündigen, stattdessen hätte man G. beurlauben sollen.“

Igor G. sieht sich als Opfer von Diskriminierung

Das Verhältnis sei zerrüttet, dennoch möchte sich die Familie Schreck mit dem früheren Beschäftigten „großzügig und gütig“ einigen. Es geht offenbar um eine Rücknahme der außerordentlichen Kündigung und die Auszahlung einiger Monatsgehälter, was G. erlauben würde, in Ruhe einen neuen Job zu suchen.

Unsere Zeitung hat mit Igor G. gesprochen, der sich weiterhin als Opfer von Diskriminierung sieht. „Es ist Krieg, meine Verwandten sind hierher geflohen“, sagte der entlassene Barmann. „Das Video war eine emotionale Explosion, die einen Einblick in meine Gefühlswelt geboten hat.“ G. klingt verbittert. „Ich hatte nie Probleme mit unseren russischsprachigen Kunden und habe meine Worte nicht an die Menschen gerichtet, die die Situation in der Ukraine richtig verstehen. Doch man hat tagelang meinen Namen beschmutzt.“

Der Ukrainer glaubt, dass es Russen in Baden-Baden gibt, die angesichts des Kriegs die Situation einheizen wollen. „Es geht ihnen darum, öffentlich einen Menschen auszupeitschen, den hier viele kennen.“

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Alexei Makartsev

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Erstellt:
28. März 2022, 18:54 Uhr
Lesedauer:
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