Friedensarbeit mit der Spendendose

Karlsruhe (vn) – Der Volksbund in Nordbaden hat fast 104.000 Euro für die Pflege von Kriegsgräbern und die Jugendarbeit gesammelt. Das Engagement der vielen Ehrenamtlichen sei herausragend.

Die FDP-Landtagsabgeordnete Alena Trauschel und der Karlsruher Standortfeldwebel Thomas Hempfler haben in Ettlingen Spenden gesammelt. Foto: Volker Schütze/Volksbund

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Die FDP-Landtagsabgeordnete Alena Trauschel und der Karlsruher Standortfeldwebel Thomas Hempfler haben in Ettlingen Spenden gesammelt. Foto: Volker Schütze/Volksbund

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge wertet das gute Ergebnis der jüngsten Haus- und Straßensammlung als starkes Zeichen für den Rückhalt in der Bevölkerung. Nach Angaben des Vorsitzenden des Bezirksverbands Nordbaden, Axel E. Fischer, liegt das Ergebnis bei 103.784 Euro. Und Bezirksgeschäftsführer Volker Schütze bekräftigt: „Unsere jährlichen Sammelaktionen sind in jedem Fall zeitgemäß.“

Nachdem noch bis Ende Januar Spenden aus der Region eingegangen sind, hat der Bezirksverband Anfang Februar Kassensturz gemacht. „Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen sich jedes Jahr für uns auf die Socken machen und um Spenden bitten“, sagt Schütze im BT-Gespräch. Das sechsstellige Ergebnis sei auch deshalb positiv zu werten, weil bei der Sammlung 2020 lediglich 37.357 Euro zusammengekommen sind. Wegen der Pandemie waren damals weniger Ehrenamtliche mit der Spendendose unterwegs.

Die Sammler – das sind nach Schützes Worten zur Hälfte Mitglieder der Reservistenkameradschaften. Die andere Hälfte setzt sich aus Schulklassen, Jugendlichen, Ortschaftsräten, Feuerwehrangehörigen, Soldaten der Bundeswehr, Prominenten aus Politik und Verwaltung sowie einzelnen Aktiven zusammen.

„Es gibt einen harten Kern, der jedes Jahr dabei ist, aber es stoßen immer wieder Neue dazu“, so Schütze. Vieles hänge natürlich von den handelnden Personen ab. So wurde aus Karlsruhe ein neuer Sammelrekord in Höhe von 11.670 Euro gemeldet. Den Hauptanteil steuerten die Karlsruher Reservisten bei, die vor allem am Hauptfriedhof sammelten sowie als Einzelsammler in der Fußgängerzone.

Für sehr bemerkenswert hält Schütze aber auch das freiwillige Engagement in den Dörfern des Regierungsbezirks. So wurden allein in den Ortsteilen von Forbach mehr als 1.000 Euro gesammelt, unter anderem von jungen Menschen, lobt der Geschäftsführer.

Dass sich der Nachwuchs für die Arbeit des Volksbundes erwärmen kann, sieht Schütze realistisch: „Für das Sammeln fällt auch mal Unterricht aus, es gibt oftmals Süßigkeiten und es macht dem Nachwuchs einfach auch Spaß, um die Häuser zu ziehen. Zugleich sind sie stolz und zufrieden, mit ihrem Einsatz etwas Sinnvolles geleistet zu haben.“ Doch an den Haustüren oder auf der Straße werden sie von den Spendern auch immer wieder einmal mit Familiengeschichten konfrontiert, oft mit Erzählungen über den Vater oder andere Angehörige, die ihr Leben im Krieg verloren haben. „Das ist oft der erste intensivere Kontakt mit dem Thema Krieg und eine ganz wichtige Erfahrung für die jungen Menschen.“

Die Spenden werden für die Suche nach deutschen Kriegstoten und die Pflege der 32 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten verwendet, auf denen etwa 2,8 Millionen Kriegstote bestattet sind, erklärt Schütze. Zudem fließe das Geld in die Bildungs- und Jugendarbeit des Volksbunds. So unterhält die Organisation im nordelsässischen Niederbronn-les-Bains die Internationale Jugendbegegnungsstätte Albert Schweitzer, die idealer Austragungsort für Schulfahrten und Gruppenreisen ist. Auch durch den Besuch örtlicher Kriegsgräber können Jugendliche die Folgen von Krieg und Gewalt begreifen.

Wie junge Menschen während des Zweiten Weltkriegs vom NS-Regime in vielfacher Weise eingespannt und missbraucht wurden, zeigt ein Online-Vortrag der Historikerin Katherine Quinlan-Flatter am Dienstag, 15. Februar, um 18.30 Uhr. Die gebürtige Britin berichtet unter anderem von zwei Flakhelfern, der eine 16 und der andere 17 Jahre alt, die in Karlsruhe ihren Dienst leisten mussten. Anmelden können sich Interessierte via E-Mail an bv-karlsruhe@volksbund.de. Da die Online-Kapazität bei 70 Teilnehmern erschöpft ist und sich schon 50 Personen registriert haben, empfiehlt der Volksbund eine zügige Anmeldung.

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

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Erstellt:
9. Februar 2022, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

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