Friedhofsbesuch in Zukunft virtuell möglich

Baden-Baden (hez) – Derzeit lässt die Verwaltung digitale Friedhofspläne erstellen. Die Drohnenbilder zeigen sogar einzelnen Grabschmuck.

Thomas Maier, Volker Dey und Frank Geyer (von links) präsentieren ein Luftbild, das die Drohne (rechts) am Hauptfriedhof gemacht hat. Foto: Henning Zorn

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Thomas Maier, Volker Dey und Frank Geyer (von links) präsentieren ein Luftbild, das die Drohne (rechts) am Hauptfriedhof gemacht hat. Foto: Henning Zorn

Am Computerbildschirm virtuell über einen Baden-Badener Friedhof laufen und das Grab eines Verwandten „besuchen“? Dies kann im Endausbau auch eine Anwendungsmöglichkeit der digitalen Friedhofspläne sein, die momentan in der Kurstadt erstellt werden. Zunächst sollen sie aber vor allem die Verwaltungsarbeit erleichtern.

So manche Besucher des Baden-Badener Hauptfriedhofs zeigten sich in den vergangenen Monaten manchmal recht erstaunt. Da flog eine Drohne über die Gräber, und auf den Wegen erschienen „mystische Zeichen“, so der Leiter des Fachgebiets Friedhof, Frank Geyer. Dies alles hängt mit der aktuellen Digitalisierung der Pläne zusammen. Auf den elf städtischen Friedhöfen Baden-Badens gibt es rund 22.000 belegte Gräber. Längst haben digitale Anwendungen die alten Beerdigungsbücher abgelöst, und die Grab- und Verstorbenendaten können elektronisch verarbeitet werden. Doch nach wie vor sind analoge – also gezeichnete – Friedhofspläne im Einsatz.

„Das ist nicht mehr zeitgemäß“

„Davon haben wir ganze Schränke, und das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagte Frank Geyer, als er gestern über die neuen Entwicklungen informierte. Das Projekt „Digitaler Friedhofsplan“ sieht er als wichtige Etappe der Nutzung elektronischer Medien in der Verwaltung. Man könne auf diese Weise viele Arbeitsabläufe optimieren.

Um alle hiesigen Friedhöfe elektronisch zu erfassen, hat man sehr eng mit Thomas Maier und Volker Dey vom städtischen Fachgebiet Vermessung und Geoinformation zusammengearbeitet. Die Oberflächenerfassung erfolgte durch Drohnenflüge in einer Höhe von etwa 70 Metern. Die Drohne fotografierte zum Beispiel innerhalb von 90 Minuten den gesamten Hauptfriedhof, wobei 1.374 hochaufgelöste Einzelbilder entstanden, auf denen man auch noch den Blumenschmuck auf den Gräbern erkennen kann. Diese können dann zu einem elektronischen Mosaik zusammengesetzt werden. Damit das alles auch exakt passt, wurden acht von oben deutlich sichtbare Vermessungspunkte im Friedhofsbereich markiert.

Thomas Maier, Volker Dey und Frank Geyer (von links) präsentieren ein Luftbild, das die Drohne (rechts) am Hauptfriedhof gemacht hat. Foto: Henning Zorn

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Thomas Maier, Volker Dey und Frank Geyer (von links) präsentieren ein Luftbild, das die Drohne (rechts) am Hauptfriedhof gemacht hat. Foto: Henning Zorn

Das digitale Planungswerkzeug ermöglicht dann die Umsetzung der Luftbilder in symbolhafte grafische Grabdarstellungen, die dann mit der Friedhofsdatenbank verknüpft werden. Daraus entstehen für die Verwaltung zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten. Zunächst einmal lässt sich auf diese Weise schnell der Standort eines bestimmten Grabes auffinden, und vor Ort kann der Verwaltungsmitarbeiter mithilfe eines Tablet-Computers alle bekannten Daten zu dieser Grabstelle abfragen.

Digitaler Ausdruck des Plans

Wer den Friedhof besuchen will und nach dem Weg zu einem bestimmten Grab fragt, könnte einen digitalen Ausdruck des Plans zugesandt bekommen. Jederzeit sind dann auch grafische Auswertungen nach Grabart, -laufzeit, -status, -zustand mit wenigen Mausklicks möglich. Gerade das schnelle Erkennen von freien Grabstellen sei sehr wichtig, meint Frank Geyer, der den digitalen Plan als ein „ganz tolles Werkzeug“ bezeichnet. Im Endausbau der Digitalisierung sieht der Fachgebietsleiter auch zahlreiche Entwicklungsmöglichkeiten dieser Technik hin zu einer Nutzung durch den Bürger. Grabsuche und Grabbesuche seien dann online denkbar, und „irgendwann wird es auch einen virtuellen Friedhofsrundgang geben“.

Allerdings wird bis dahin wohl noch einiges an Zeit verstreichen. Grundsätzlich geht Frank Geyer für die Entwicklung der digitalen Friedhofspläne von einem Zeitraum von fünf Jahren aus. 2021 will man dann so weit kommen, für den Friedhof in Oos die grafischen Darstellungen mit der Datenbank zu vernetzen. Danach sei es dann erforderlich, an dem System ausgiebig zu feilen. Umso mehr, so Geyer, „können wir dann später davon profitieren“.

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Erstellt:
12. Mai 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 37sec

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