Frische Rohmilch aus Plittersdorf

Rastatt (fuv) – Bei Hobby-Bauer Mario Müller und seiner Familie in Plittersdorf kann man Rohmilch von eigenen Kühen kaufen. Im Ried ist eine Wiederbelebung dörflicher Landwirtschaft zu beobachten.

Bevor die Zitzen-Gummis über die Milchzitzen gesteckt werden, reinigen Carolin Wehrstedt und Tochter Mia mit einem warmen feuchten Tuch die Euter der Kühe. Foto: Frank Vetter

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Bevor die Zitzen-Gummis über die Milchzitzen gesteckt werden, reinigen Carolin Wehrstedt und Tochter Mia mit einem warmen feuchten Tuch die Euter der Kühe. Foto: Frank Vetter

Mit der Aluminium-Kanne Milch einkaufen? Bis in die 1960er Jahre war das in speziellen Milchgeschäften noch üblich. In Plittersdorf geht das nun wieder. Hobbybauer Mario Müller und seine Lebensgefährtin Carolin Wehrstedt bieten Rohmilch ab Hof an.
„Dort, wo die Milch produziert wird“, beschreibt Mario Müller das einfache Prinzip seiner Hobby-Geschäftsidee. Mit der Milchkanne müssen die Kunden heute nicht mehr in die Seefeldstraße 22 kommen. Die „Seefeld-Milch“, so nennen sie Mario Müller und Carolin Wehrstedt, wird aus einem speziellen, 200 Liter fassenden Kühlbehälter in Flaschen abgefüllt. Zumindest so lange, bis der bestellte Milchautomat in Plittersdorf eingetroffen ist. Dann gibt es das Naturprodukt Rohmilch rund um die Uhr. Im Riedort ist mit den Hobbybauern und dem Hühnermobil samt Eier- und Wurstwarenautomat eine Wiederbelebung der dörflichen Landwirtschaft zu beobachten.

„Meine Familie hat schon immer Vieh gehalten; Ziegen, Pferde“, erzählt Hobbybauer Mario Müller, der als Wasserbauer beim Regierungspräsidium arbeitet und in der Landwirtschaft in seinem Bruder Sandro eine wichtige Unterstützung hat. Seit 2005 halten sie Großvieh. Ochsen, deren Fleisch Müller auch vermarktet. Nach 24 bis 26 Monaten sind die Tiere schlachtreif. Die Schlachtung selbst und die Weiterverarbeitung in kundengerechte Portionierungen erfolgt in einer Biometzgerei, die nur zwei Tiere pro Woche schlachte, betont Mario Müller.

Auch ein Stier steht im Stall

Dass es auf dem kleinen Bauernhof in der Seelfeldstraße Milchkühe gibt, ist eigentlich Carolin Wehrstedt zu verdanken. „Ich wollte, dass Tiere auch mal länger bei uns im Stall bleiben“, erzählt, die Zahnarzthelferin. Da boten sich Milchkühe an. Also machten sich die beiden angehenden Milchbauern kundig, wie die Milchviehhaltung und vor allem wie das Melken und die Weiterbehandlung der Milch funktionieren. Dazu besuchten sie einen Milchbauernbetrieb im oberschwäbischen Aulendorf. Dann kam Kuh „Dori“ nach Plittersdorf. Sie gehört wie auch die Ochsen zur Rasse „bayrisches Fleckvieh“ und ist „bei uns sozusagen die Standard-Milchkuh“, erläutert Mario Müller. Mittlerweile stehen drei Milchkühe und ein Stier namens „Der Indianer“ im Stall; Letzterer sorgt dafür, dass es Kälber für die Nachzucht der Milchkühe gibt.

Wichtig ist den Nebenerwerbsbauern die artgerechte Haltung ihrer Rinder. Die Müller‘schen Kühe und Ochsen stehen tagsüber auf der Weide. Die Milchkühe werden abends zum Melken in den Stall gebracht, die Ochsen bleiben draußen. Als Futter bekommen die Tiere Heu und Grassilage, gepresstes Gras. Und als besonderen Leckerbissen Biertreber, ein Abfallprodukt beim Bierbrauen; den holen sie von der Brauerei Franz. „Das ist ein besonders eiweißhaltiges Futter“, erklärt Mario Müller.

Gemolken wird um 6 und um 18 Uhr

Für die Seefeld-Milch werden „Dori“, „Ilvi“, „Mira“ zweimal täglich von Caroline Wehrstedt – meist hilft Tochter Mia mit – gemolken: morgens um 6 und abends um 18 Uhr; wenn sie nicht gerade ihr Kalb säugen. Die siebenjährige Mia kümmert sich übrigens auch um die kleine Ziegenherde in der Seefeldstraße. Die Milchgewinnung erfolgt mit einer mobilen Melkmaschine aus der Schweiz. „Dort gibt es Hersteller, die sehr gute Qualität und auch Geräte liefern für Landwirte, die nur geringe Mengen produzieren“, sagt Mario Müller. Bevor die sogenannten Zitzen-Gummis über die Milchzitzen am Euter gesteckt werden, reinigt die zukünftige Frau Müller mit einem warmen feuchten Tuch das Euter. Wenn die Gummis richtig sitzen, sorgt ein Pulsator für deren periodisches Öffnen und Schließen, die Milch wird durch einen Filter in ein gläsernes Behältnis gepumpt. Nach dem automatisierten Melkvorgang melkt Carolin Wehrstedt von Hand nach.

Lebensmittelgesetz hat strenge Vorgaben

Die Rohmilch wird dann direkt durch einen weiteren Filter in einen 200 Liter fassenden Milchkühler geschüttet, aus dem die Seefeld-Milch in Glasflaschen abgefüllt und verkauft wird. Im Moment ergibt das täglich zwischen 50 und 55 Liter Rohmilch für den Verkauf. Wenn keine Kälber da sind, können rund 100 Liter erzielt werden.

Selbstverständlich unterliegt die Seefeld-Milch den strengen Bestimmungen des Lebensmittelgesetzes. Die Keimzahlen in der Milch selbst und der Zellgehalt des Euters sind wichtige Parameter für die Qualität der Milch und die Gesundheit der Kuh. Den Check lassen die Hobbybauern vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in Freiburg vornehmen. „Das machen wir monatlich, dann sind wir und unsere Kunden auf der sicheren Seite“, betont Müller.

Behutsam gießt Hobbybauer Mario Müller die frischgemolkene Milch in den Kühler.Foto: Frank Vetter

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Behutsam gießt Hobbybauer Mario Müller die frischgemolkene Milch in den Kühler.Foto: Frank Vetter

Die Kunden wissen die verantwortungsvolle Tierhaltung und Milchproduktion in der Seefeldstraße offenbar zu schätzen. „Unsere Milch kommt sehr gut an. Häufig kommen Eltern mit Kindern, um ihnen zu zeigen, wo die Milch herkommt“, erzählen die Milchbauern. Manche kämen und würden mal einen Test-Liter mitnehmen. „Dann kommen die meisten wieder“, freuen sich Caroline Wehrstedt und Mario Müller.

Kühe halten Familie auf Trab

„Der Umgang mit den Kühen macht Spaß und es ist toll, dass die Milch von den Leuten so gut angenommen wird“, sagt Carolin Wehrstedt und strahlt. Natürlich bedeute die Milchkuhhaltung täglich Arbeit. Neben dem Melken stehen Füttern und Misten auf dem Programm. Rund zweieinhalb Stunden ist die Familie mit der Versorgung der Tiere beschäftigt. Das gehöre halt dazu, sagen sie.

Die Aluminium-Milchkanne hat übrigens noch nicht ganz ausgedient. Eine ältere Steinmaurerin ist mit einer solchen Kanne zum Milchkaufen gekommen, erzählt Mario Müller: „Sie wollte eigentlich Käse machen. Aber dann hat ihr die Milch so gut geschmeckt, dass sie sie doch getrunken hat.“

Mit gutem Gewissen: Artgerechte Haltung ist den Hobbybauern wichtig.Foto: Frank Vetter

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Mit gutem Gewissen: Artgerechte Haltung ist den Hobbybauern wichtig.Foto: Frank Vetter

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Erstellt:
30. Mai 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 40sec

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