Frischer Wind für die Rastatter Fruchthalle

Rastatt (sl) – Zeitgenössischer, jünger und digitaler soll die Städtische Galerie Fruchthalle in Rastatt werden. Ihr neuer Leiter Sebastian Schmitt plant die inhaltliche Weiterentwicklung.

Sebastian Schmitt ist neuer Leiter der Städtischen Galerie Fruchthalle Rastatt, die er auch für Nachwuchskünstler und neue Besuchergruppen öffnen will. Foto: Frank Vetter

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Sebastian Schmitt ist neuer Leiter der Städtischen Galerie Fruchthalle Rastatt, die er auch für Nachwuchskünstler und neue Besuchergruppen öffnen will. Foto: Frank Vetter

„Kunst heißt nicht nur, dass man Bilder aufhängt“, sagt Sebastian Schmitt und zeigt auf etliche Stellwände in der Fruchthalle, die es nach dem Brandschutz-Umbau im Herbst nicht mehr geben soll. Der neue Leiter der Städtischen Galerie will die Maßnahme nutzen, um die Räume auch einer inhaltlichen Weiterentwicklung anzupassen. „Kunst in Baden nach 1945“ bleibe klar der Schwerpunkt, allerdings zeitgenössischer, jünger und auch digitaler als bisher.
Sebastian Schmitt hat zum Jahreswechsel die Nachfolge von Peter Hank angetreten. Der 36-jährige Kunsthistoriker hat angekündigt, neue künstlerische Impulse zu setzen und neue Präsentationsformate anzubieten. Zudem will er verschiedene Generationen für die Auseinandersetzung mit Kunst begeistern (wir berichteten).

Die Fruchthalle sieht er künftig als einen offenen, lebendigen Ort, der Zugänge zu zeitgenössischer Kunst schafft. „Ich möchte zum Beispiel stärker junge Künstler in ihrer Entwicklung zeigen und ihre Positionen mit arrivierteren in Beziehung setzen“, erklärt er. Dafür hat er das Format „Rampe Fruchthalle“ entwickelt: Auf dem Wendepodest der schiefen Ebene, die vom Erd- ins Obergeschoss führt, will Schmitt künftig parallel zur jeweils laufenden Ausstellung Arbeiten von Nachwuchskünstlern zeigen. Die erste Entdeckung hat er an der Kunstakademie Karlsruhe gemacht: Lucia Mattes soll den Reigen der „Rampe Fruchthalle“ eröffnen.

Auf erste Ausstellung darf man gespannt sein

Sie begleitet „On the Quiet“ („In aller Stille“), eine Ausstellung, für die alle Materialien in ein Standardpaket der Deutschen Post passen. Man darf gespannt sein, was das bedeutet. Schmitt verspricht: Die Schau wird „kostengünstig und logistisch coronakonform“. Ab 24. April soll sie öffnen, allerdings steht der Termin noch unter Corona-Vorbehalt. Eine Eröffnungsveranstaltung wird es wohl nicht geben können. Kuratieren wird Schmitt seine erste Ausstellung in Rastatt zusammen mit den Künstlern Carolina Pérez Pallares und Benjamin Appel. Die konzeptionelle Schau war in ähnlicher Form schon in der Galerie Stadt Sindelfingen zu sehen, wo Schmitt zuvor tätig war.

Alle Kunstwerke seien räumlich anpassbar. Das passt insofern ganz gut zu Schmitts augenblicklicher Arbeitssituation, denn er beschäftigt sich jetzt viel mit dem Raum, erkundet gedanklich die Möglichkeiten der Fruchthalle. Die 30 Jahre alte Architektur im historischen Gehäuse findet er auch aus heutiger Sicht gelungen. Schade sei nur, dass die vielen Stellwände die Sichtachsen verbauen. Das sei so vom Architekten nicht vorgesehen gewesen. „Ich möchte die Architektur gerne wieder atmen lassen“, plant er eine Rückführung aufs Wesentliche. Und eine Öffnung nach draußen. Denn die Stellwände und teils vergilbten Vorhänge verdecken auch viele Fenster. Die Öffnung soll nicht nur architektonisch sein. Schmitt: „Sie ist auch eine Öffnung zur Stadtgesellschaft hin.“

Fruchthalle behält ihre Identität

Er plant Kunst-Aktionen auf dem Platz vor der Fruchthalle und möchte neue Besuchergruppen erschließen. Freuen würde sich der neue Galerieleiter, wenn etwa die Kinder der benachbarten Hansjakob-Schule mal in die Fruchthalle kämen. Mit Studenten plant er ohnehin schon die Zusammenarbeit. Mit der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe wird gerade ein Kooperationsvertrag vereinbart: Im Rahmen eines Seminars, das Schmitt leiten wird, sollen weitere Ideen für die Fruchthalle entstehen.

Wird überhaupt etwas beim Alten bleiben? Für Sebastian Schmitt ist klar, dass manches einfach zur Identität der Fruchthalle gehört. Zu allererst natürlich die eigene Sammlung „Kunst in Baden nach 1945“. Das Kabinett mit Arbeiten Anselm Kiefers soll ebenfalls so oder in anderer Form bestehen bleiben, und auch die Sammlung Westermann behält ihren festen Platz in der Galerie.

Ihr Autor

BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

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Erstellt:
5. April 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 44sec

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