Frischluft ohne Frieren

Malsch (hli) – Die Firma Firma Brach und Gräßer aus Malsch hat ein spezielles Paneel für Fenster entwickelt, das für den Austausch der Raumluft sorgt. Das Fraunhofer-Institut hat das Paneel getestet.

Übergabe des Gutachtens an Brach und Gräßer (von links): OJW-Vorstand Peter Eyerer, Geschäftsführer Udo Schmid, Markus Palic und Klaus Weber (beide OJW). Foto: Otto Lauer Paneel

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Übergabe des Gutachtens an Brach und Gräßer (von links): OJW-Vorstand Peter Eyerer, Geschäftsführer Udo Schmid, Markus Palic und Klaus Weber (beide OJW). Foto: Otto Lauer Paneel

Obwohl Udo Schmid schon immer Einfälle für neue Produkte hatte, griff bei ihm vor allem das Sprichwort: Not macht erfinderisch. Diese Not, entstanden durch die Corona-Pandemie, führte dazu, dass der Inhaber und Geschäftsführer der Malscher Firma Brach und Gräßer zusammen mit seinem Sohn in rund einem Jahr ein Lüftungspaneel entwickelte, das überall dort eingesetzt werden kann, wo sich viele Menschen in einem Raum aufhalten. Eigentlich kümmern sich die zwölf Mitarbeiter des 30 Jahre bestehenden Unternehmens, das Aufträge rund um die Blechverarbeitung übernimmt, hauptsächlich um die Wünsche ihrer Kunden. Dabei fertigt die Firma von Schaltschränken für die Großindustrie bis hin zu Edelstahl-Sterilöfen für Pharmakonzerne. „Blech wird überall gebraucht“, betont der 56-jährige Schmid, der von Anfang an zum Team des Unternehmens gehört.

Doch seit der Pandemie bietet die Firma ebenso eigene Produkte zum Kauf an. „Corona hat auch uns getroffen“, erklärt Schmid, der seit 20 Jahren Geschäftsführer von Brach und Gräßer ist und das Unternehmen vor neun Jahren von seinem Schwiegervater übernahm. „Wir hatten – bedingt durch sinkende Aufträge – finanzielle Einbußen“, erläutert er. Weh tun dem Unternehmen darüber hinaus Preissteigerungen für Material: Allein die Kosten für Aluminium seien um 30 Prozent gestiegen. Mit eigens gefertigten Gesichtsschildern und Spendern für Desinfektionsmitteln gelang es dem Unternehmen aber nicht, diese Einbußen zu kompensieren. Da kam Schmid die Idee mit dem Lüftungspaneel. „Eigentlich hatte ich mir dazu schon früher mal Gedanken gemacht“, gesteht der gelernte Sanitärinstallateurmeister und Versorgungsingenieur. Denn sein Sohn leide an Asthma und oft sei es ihm nach den Aufenthalten in den Schulräumen nicht gut gegangen. Durch die Pandemie kramte Schmid die Idee wieder hervor.

Fenster muss nicht geöffnet werden

Das Prinzip sei einfach: Auf der einen Seite wird einem Raum Luft entnommen, auf der anderen Seite strömt Luft nach – und das, ohne die Fenster zu öffnen. „Das ist vor allem im Winter sinnvoll, weil der Raum dann nicht radikal heruntergekühlt wird“, betont Schmid. Das maßgefertigte Lüftungspaneel wird statt der Scheibe in ein Fenster eingesetzt. Durch dieses Paneel wird die Raumluft nach draußen abgeführt. Neue Luft strömt beispielsweise durch eine geöffnete Tür zu einem Flur nach. „Da wir natürlich nicht wissen, wie kontaminiert die Flurluft ist, muss Frischluft nachkommen, zum Beispiel durch ein dort geöffnetes Fenster“, erläutert Schmid. Dort habe die frische Luft noch Zeit, sich zu erwärmen, bevor sie in den Raum ströme. Innerhalb einer Stunde sei die komplette Raumluft ausgetauscht. Die Vorteile seines Lüftungspaneels sieht Schmid darin, dass – anders als bei Lüftungsfiltern – keine Wartungskosten anfallen und kein störendes Gerät im Raum stehe. Zudem seien die Filter extrem kontaminiert, was beim nicht fachgerechten Austausch gefährlich werden könne. Als optimale Einsatzgebiete für sein Lüftungspaneel namens „Air Continui“ nennt Schmid Schulen, Kindergärten, Großraumbüros oder Rehakliniken. Getestet wurde das Gerät, das je nach Größe zwischen 500 und knapp 900 Euro kostet, in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut sowie der Offenen Jugendwerkstatt (OJW) Karlsruhe im Klassenraum einer Karlsruher Schule. Das Gutachten mit dem positiven Resümee erhielt Udo Schmid Ende April. Nun fehlt nur noch die Nachfrage. „Sobald wir Aufträge bekommen, können wir mit der Produktion starten“, sagt Schmid.

Paneel-Ansicht im Klassenraum. Foto: Peter Eyerer

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Paneel-Ansicht im Klassenraum. Foto: Peter Eyerer

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Erstellt:
18. Mai 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
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