Friseurkette „Klier“ verlässt Gaggenau

Gaggenau (uj) – Der Rückzug kam für viele überraschend. Seit Anfang dieser Woche gibt es im Murgtal-Center Gaggenau keinen Friseur mehr. Die Kette „Klier“ hat ihren Salon geschlossen.

Seit Anfang dieser Woche „leider geschlossen“, wie es auf dem Plakat heißt: Der Klier-Friseursalon im Murgtal-Center Gaggenau. Foto: Ulrich Jahn

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Seit Anfang dieser Woche „leider geschlossen“, wie es auf dem Plakat heißt: Der Klier-Friseursalon im Murgtal-Center Gaggenau. Foto: Ulrich Jahn

Die Regale sind leer, der Laden wirkt verlassen, auch wenn noch einige Stühle, Regale und weitere Einrichtungsgegenstände vorhanden sind. Nachdem es vor längerer Zeit einen regelrechten Friseur-Boom in Gaggenau gab, geht der Trend in die entgegengesetzte Richtung. Jüngstes Beispiel: Im Salon Klier im Murgtal-Center werden keine Haare mehr geschnitten.

„Leider geschlossen“ steht auf einem Plakat. Und der Hinweis, dass der Kunde die Filiale in der Shopping Cité Baden-Baden besuchen könnte. Als ob es nicht noch weitere Friseure in Gaggenau geben würde. Aktuell sind es in der Innenstadt rechts und links der Murg 15, wie Citymanager Philipp Springer informierte. In den vergangenen rund sechs Monaten haben in Gaggenau drei Salons geschlossen, zuletzt diese Woche jener im Murgtal-Center.

Wie viele Mitarbeiter betroffen sind, ob sie an anderen Standorten der Kette weiter arbeiten können? Fragen, die von dem mit der Pressearbeit beauftragten Medienunternehmen nicht beantwortet wurden. „Die Klier Hair Group macht üblicherweise keine Details zu einzelnen Vertriebsregionen, Standorten und deren Mitarbeitern öffentlich. Bitte haben Sie daher Verständnis, dass wir Ihnen keine weiteren Details zu dieser Filiale mitteilen können“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Unrentable Filialen geschlossen

Im Zuge eines umfangreichen Sanierungsverfahrens habe die Klier Hair Group alle Standorte einer eingehenden betriebswirtschaftlichen Prüfung unterzogen. „Filialen, die auch langfristig nicht wirtschaftlich betrieben werden konnten, mussten wir aus unternehmerischer Verantwortung schließen, um die gut laufenden Standorte nicht zu gefährden.“ Das Insolvenzrecht habe dem Unternehmen keine andere Wahl gelassen. Das habe auch die Filiale in Gaggenau betroffen, die geschlossen bleibt. „Wo immer es möglich war, haben wir den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Arbeitsplatz an einem anderen Standort angeboten“, heißt die allgemein gefasste Antwort.

Die Klier Hair Group habe im September 2020 eine Sanierung im Schutzschirmverfahren (vorläufiges Verfahren) begonnen. Dieser Schritt sei nötig geworden, nachdem die Ladenschließungen im Zuge der Corona-Pandemie, die niedrigere Auslastung und Produktivität in den Salons und Shops durch die Corona-Schutzvorschriften zu erheblichen Umsatzausfällen geführt hätten. Der Wettbewerbsdruck in der Friseurbranche sei ein weiterer Grund. So ließen sich in den meisten Salons und Shops nur geringe Margen erwirtschaften, aus denen die hohen Fixkosten wie Mieten bestritten werden müssen. Seit Jahren sinke die Kundenfrequenz, insbesondere in den Innenstädten. Dadurch gerieten die geringen Margen immer weiter unter Druck. „So können betroffene Salons und Shops auf Dauer nicht mehr kostendeckend wirtschaften.“

Seit 2017 gegengesteuert

In den Jahren 2017 bis 2019 sei „mit wirkungsvollen Restrukturierungsmaßnahmen erfolgreich gegengesteuert“ worden. Das Unternehmen sei allerdings im Frühjahr 2020 noch nicht ausreichend robust aufgestellt gewesen und sei dann in Folge des ersten Lockdowns in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Nachdem die Gläubiger dem Insolvenzplan am 7. April mit großer Mehrheit zugestimmt haben, habe das Unternehmen das Insolvenzverfahren Ende April verlassen.

Der Umsatzeinbruch in der Corona-Krise hatte das Unternehmen mit Firmenhauptsitz Wolfsburg, die größte Friseurkette Deutschlands, Ende 2020 in die Insolvenz gedrückt. Als Reaktion wurden dauerhaft unprofitable Filialen geschlossen. Es sei so gelungen, insgesamt 850 Salons und Shops mit etwa 6.400 Mitarbeitern zu erhalten, sagte Geschäftsführer Michael Klier Anfang April. Zuvor hatte Klier nach eigenen Angaben in Deutschland rund 1.350 Salons und Shops mit insgesamt etwa 8.500 Beschäftigten betrieben.

Auf der Homepage www.klier.de ist aktuell von „rund 600 Salons in Deutschland“ die Rede. Dort war am Donnerstag übrigens der Salon in Gaggenau noch aufgelistet samt der vermeintlichen Öffnungszeiten.

Ihr Autor

BT-Redakteur Ulrich Jahn

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Erstellt:
27. Mai 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

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