Friseursalon wird zum Corona-Schnelltestzentrum

Ötigheim/Rastatt (stn) – Mandy Beck hat ihren gleichnamigen Friseursalon in Ötigheim zu einem Schnelltestzentrum erweitert. Ab Montag, 26. April, können sich Bürger dort auf Corona testen lassen.

Nicht mehr nur waschen, schneiden, föhnen: Im Ötigheimer Salon „Ihr Friseur Mandy Beck“ können Bürger nun auch einen Corona-Schnelltest machen. Foto: Creativstudio Karlsruhe

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Nicht mehr nur waschen, schneiden, föhnen: Im Ötigheimer Salon „Ihr Friseur Mandy Beck“ können Bürger nun auch einen Corona-Schnelltest machen. Foto: Creativstudio Karlsruhe

In den Räumen von „Ihr Friseur Mandy Beck“ in der Rosenstraße 1 in Ötigheim wird demnächst nicht mehr nur gewaschen, geschnitten und geföhnt. Inhaberin Mandy Beck und ihr Mann Torsten Beck haben den Salon zu einem Testzentrum erweitert. Bürger können dort ab kommendem Montag, 26. April, einen Antigen-Schnelltest für Sars-CoV-2 durchführen lassen. Einen negativen Corona-Test benötigen ab sofort auch Friseurkunden. Über diese neue „Notbremsen“-Regelung sind Coiffeure aus der Region geteilter Meinung.

Es soll ein „kleiner Beitrag für das Allgemeinwohl“ sein, wie Torsten Beck sagt. Das Angebot soll als Ergänzung zum bereits vorhandenen Testzentrum in der Industriestraße 22 dienen.

Da das Testzentrum im Gewerbegebiet nur dienstags, donnerstags und samstags geöffnet hat, haben die Becks sich an Bürgermeister Frank Kiefer gewendet und ihm den Vorschlag eines weiteren Zentrums unterbreitet, das auch an den anderen Wochentagen eine Testmöglichkeit bietet.

Zusätzliche Test-Kapazitäten geschaffen

Kiefer habe diesen Vorschlag für gut befunden und so habe man zusammen mit der Gemeinde und dem Gesundheitsamt ein passendes Konzept erarbeitet, erzählt Torsten Beck. „Wir haben nach Wegen gesucht, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Und gerade bei Friseursalons, die montags geschlossen sind, bietet es sich an, die Räumlichkeiten dafür zu nutzen.“

Das Testzentrum bei „Ihr Friseur Mandy Beck“ hat montags von 8 bis 20 Uhr sowie mittwochs und freitags von 17.30 Uhr 20 Uhr geöffnet. Bürgerinnen und Bürger, die ohne Symptome sind, können sich dort einmal pro Woche kostenlos testen lassen. Ein zweiter wöchentlicher Test ist kostenpflichtig (20 Euro).

Durchgeführt wird der Test von medizinisch geschultem Personal. Das Ehepaar Beck hat dafür extra ein Team von zehn Personen auf die Beine gestellt. Es sind zum Teil Mitarbeiter des Friseursalons, zum Teil aber auch ehrenamtliche Helfer. Sie alle haben ein zweistündiges Seminar beim Deutschen Roten Kreuz absolviert, in dem sie die erforderlichen Kenntnisse erworben haben, um die Schnelltests eigenständig durchführen zu können.

Tests ohne Terminvergabe

Die Testung erfolgt ohne Terminvergabe. Bürger müssen lediglich ihren Personalausweis und zwei vorab auszufüllende Formulare zum Test mitbringen. Beide Formulare können auf der Internetseite des Testzentrums (www.coronatest-oetigheim.de) heruntergeladen und ausgedruckt werden.

Vor Ort stehen drei Tests zur Auswahl: Man kann zwischen einem Nasenabstrich, einem Rachenabstrich oder einem Spucktest wählen. Dadurch wolle man es den Getesteten so angenehm wie möglich machen, meint Torsten Beck. „Wer weiß, dass er beim Rachenabstrich würgen muss, kann auf die anderen beiden Testmöglichkeiten ausweichen.“ Beim Spucktest sei jedoch zu beachten, dass man eine Stunde vor Durchführung nichts essen und trinken darf.

Der Test dauert circa 15 Minuten. „Danach entlässt man die Person mit einem hoffentlich negativen Ergebnis“, so Torsten Beck. Das Testergebnis erhält man sofort vor Ort in schriftlicher Form als Bescheinigung. Sollte der Test jedoch positiv sein, sind die betroffenen Personen angewiesen, sich umgehend in häusliche Isolation zu begeben und einen PCR-Test zu veranlassen.

500 Tests vorrätig

500 Tests haben Mandy und Torsten Beck zur Zeit vorrätig. Eine kurzfristige Aufstockung sei jedoch kein Problem, da sie die Tests von einer Apotheke in Bischweier beziehen. Die Lieferkette sei somit gewährleistet.

Dass es immer mehr solcher Testangebote gibt, dürfte vor allem für all jene interessant sein, bei denen demnächst ein Friseurtermin ansteht. Denn gemäß der „Corona-Notbremse“, die seit Montag in Baden-Württemberg greift, muss bei jedem Friseurbesuch ein negativer Corona-Schnelltest vorgelegt werden, der nicht älter als 24 Stunden sein darf.

Diese Regelung sorgt hierzulande für gemischte Gefühle. „Ich bin voll dafür, dass man das macht“, meint zum Beispiel Rainer Ganz, Inhaber des gleichnamigen Friseursalons in Rastatt. „Bei einer Inzidenz von über 260 würde ich nichts dem Zufall überlassen.“

Große Verunsicherung bei den Kunden

Trotzdem sorge der neue Beschluss für Verunsicherung bei den Kunden. „Unsere Rezeptionistin wird mit Anrufen geradezu bombardiert“, weiß er zu berichten. „Es wird viel nachgefragt, ob man nicht auch einen Selbsttest machen könnte. Das muss man erst mal richtigstellen. Deshalb liegt bei uns eine Liste mit den Testzentren in Rastatt aus.“

Das Gros der Kunden zeige jedoch Verständnis. Das Fazit nach dem ersten Tag, an dem die neue Testpflicht gilt, fällt bei Ganz positiv aus. „Ich bin überrascht, wie es heute gelaufen ist. Alle Kunden sind mit einem Test erschienen.“

„Das ist ein einziger Albtraum“, findet hingegen der Friseursaloninhaber Dirk de Wildt, der Filialen in Rastatt und Bühl betreibt. „Die Kunden sind so schon verängstigt. Und nun kommt zu den ganzen Maßnahmen noch mal eine oben drauf. Man kommt an die Grenzen der Motivation.“

Ihr Autor

BT-Volontärin Nora Strupp

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Erstellt:
22. April 2021, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 18sec

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