Frühe Hilfen erfahren steigende Nachfrage

Rastatt (red) – Die Frühen Hilfen der psychologischen Beratungsstelle im Landratsamt sind immer stärker gefragt. Das geht aus dem Jahresbericht 2019 hervor.

Die Beratungsnachfrage im Bereich Frühe Hilfen hat sich im Kreis Rastatt in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Foto: dpa/Andrea Warnecke

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Die Beratungsnachfrage im Bereich Frühe Hilfen hat sich im Kreis Rastatt in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Foto: dpa/Andrea Warnecke

In 2114 Fällen war die Psychologische Beratungsstelle des Landkreises Rastatt im vergangenen Jahr gefragt; etwas über vier Prozent aller jungen Kreisbewohner unter 21 Jahren nutzten deren Angebote. Dies geht aus dem Jahresbericht 2019 hervor, den Beratungsstellenleiter Johannes Baumann vorgelegt hat. Fragen und Antworten:
Wie sehen die Eckdaten der Jahresstatistik aus?

In 42 Prozent der Fälle suchten Betroffene die Beratungsstelle auf eigene Initiative oder auf Empfehlung durch Bekannte oder Verwandte auf. Die Wartezeit von der Anmeldung bis zum Erstgespräch lag in 59 Prozent der Fälle unter 15 Tagen. Größte Gruppe der Kinder und Jugendlichen war mit zu 60 Prozent die im Alter von sechs bis 17 Jahren. Ein Migrationshintergrund lag bei 37 Prozent der Angemeldeten vor, eine Trennung der Eltern bei 42 Prozent. Die Beratungsdauer betrug bei 77 Prozent bis zu drei Monate, die Beratung konnte bei 75 Prozent nach maximal fünf Terminen abgeschlossen werden. Die Themen reichen von Familienproblemen (in 43,4 Prozent der Fälle) über das Sozialverhalten (ein Drittel) und Problemen in Schule/Ausbildung bis hin zu Entwicklungs- und körperlichen Auffälligkeiten.

Wie ist die Entwicklung bei den Frühen Hilfen?

Neben der Beratung für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern organisiert der Fachdienst Frühe Hilfen ein Netzwerk im Landkreis Rastatt für Familien und koordiniert Hilfsangebote unterschiedlicher Institutionen und Anbieter. Ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt liegt auf der Weiterentwicklung und Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe und Einrichtungen des Gesundheitswesens. Die Beratungsnachfrage hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt, von 163 auf 380.

Fünf Formate sind im Angebot

Welche Gruppenangebote für Kinder und Jugendliche gibt es?

Fünf Formate sind hier im Angebot: In allen drei Beratungsstellen werden Gruppen für Kinder von getrennten Eltern und Gruppen zum sozialen Lernen für Kinder im Grundschulalter angeboten, in der Hauptstelle in Rastatt zudem therapeutische Gruppen für Kinder zwischen zehn und 13 Jahren und Gruppen für Mädchen und Jungen. Auch in Bühl konnte 2019/2020 ein Gruppenangebot für Mädchen eingerichtet werden. Insgesamt nahmen im Vorjahr 83 Personen an diesen Angeboten teil.

Wie gestaltete sich die Beratung für geflüchtete Familien und unbegleitete minderjährige Ausländer?

Es gab in 86 Fällen Beratung für Familien oder junge Menschen mit Fluchthintergrund, davon neun unbegleitete minderjährige Ausländer. Die Anliegen waren vielfältig: Es ging um Gewalt- und Fluchterfahrungen, Trauer, Heimweh, Einsamkeit, depressive Verstimmungen, Sorge um im Herkunftsland zurückgebliebene Familienmitglieder, Schlafprobleme, Fragen zur Säuglingspflege, Unterstützung bei der Suche nach Hebammen, Verhaltensauffälligkeiten oder emotionale Probleme der Kinder, Konflikte in der Familie oder psychische Probleme der Eltern.

Welche Veranstaltungen hat die Beratungsstelle angeboten?

Neben regelmäßigen Informationsbesuchen in den Kindertageseinrichtungen boten die psychologischen Fachkräfte für die Öffentlichkeit eine Reihe von Veranstaltungen an. Daneben veröffentlicht die Beratungsstelle im Badischen Tagblatt Artikel zu Erziehungsthemen. Im WO zum Sonntag erscheinen unter der Rubrik „Kinder, Kinder“ regelmäßig von Fachkräften verfasste Artikel zu Familienthemen.

Wie ist die Personalsituation?

Nach dem für 2020 geplanten Ausbau des Fachdienstes Frühe Hilfen sind in der Psychologischen Beratungsstelle 18 Fachkräfte aus Psychologie, Sozialpädagogik und Heilpädagogik mit einem Umfang von 12,8 Vollzeitstellen sowie drei Verwaltungssekretärinnen beschäftigt. Der Qualitätssicherung der Beratungsarbeit dienen – neben Fallbesprechungen und Supervision durch externe Experten – auch zahlreiche Fortbildungen, die von den Mitarbeitern besucht werden.


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