Frühjahrsmeeting-Absage: „Wie ein Schlag ins Gesicht“

Iffezheim (kgö/vo) – Die Absage des Frühjahrsmeetings sorgt für Bestürzung in Iffezheim. Nun hat ein potenzieller Interessent für den Fortbestand der Galopprennbahn überraschend zurückgezogen.

Die Zukunft der Galopprennen in Iffezheim ist ungewiss. Foto: Deck/dpa/Archiv

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Die Zukunft der Galopprennen in Iffezheim ist ungewiss. Foto: Deck/dpa/Archiv

Einer ersten Hiobsbotschaft am Mittwoch folgte am Donnerstag gleich die nächste: Nach der Absage des Frühjahrsmeetings in Iffezheim durch den Dachverband Deutscher Galopp hat nun ein potenzieller Interessent für den Fortbestand der Galopprennbahn überraschend zurückgezogen.
Es handelt sich um eine Gruppe um den Präsidenten des Dortmunder Rennvereins, Andreas Tiedtke, und dem Baden-Badener Gastronom Mike Brandau. In einem heute in der Fachzeitung „Sport-Welt“ erscheinenden Interview erklärte Tiedtke: „Aus verschiedenen Gründen haben wir uns verständigt, dieses Engagement zumindest zurzeit nicht fortzusetzen. Es gibt dagegen erhebliche Opposition und wenn man weder klare zustimmende Signale erhält, noch die maßgeblichen Player dieses Konzept gutheißen dann ist es verständlich, wenn man sich zurückzieht.“ Weiter führt Tiedtke aus: „Meiner Kenntnis nach bleibt aber das Angebot der Brandau-Gruppe für eine Dauernutzung des Geländes, welches die Gemeinde erheblich entlasten würde, bestehen.“

Für Iffezheims Bürgermeister Christian Schmid fühlt sich die Absage des Frühjahrsmeetings an „wie ein Schlag ins Gesicht“. „Wir haben bis zuletzt an eine Durchführung geglaubt und durch unsere Aktivitäten dafür gekämpft, weil seitens des Dachverbandes immer wieder die Wichtigkeit der Rennen in Iffezheim betont wurde“, sagte Schmid am Donnerstag.

Gemeinde jetzt noch mehr gefordert

Schmid reagierte in einer Mitteilung auf die Absage der Rennen, über die das Badische Tagblatt zuvor berichtet hatte. „Unsere Hoffnungen in die handelnden Personen von Deutscher Galopp und die gesamte Galopprennsportszene waren sehr groß, dass das Frühjahrsmeeting – sofern es Corona zulässt – stattfinden wird“, erklärte Schmid. „Wir sehen uns durch diese Entscheidung aufgefordert, das Heft des Handelns verstärkter selbst in die Hand zu nehmen. Vor allen Dingen wird durch die Absage deutlich, dass zeitnah eine Lösung für die Zukunft unserer Galopprennbahn in Iffezheim gefunden werden muss“.

Man appelliere deshalb nochmals eindringlich an alle potenziellen Interessenten, „uns die zugesagten Konzepte sowie belastbare Businesspläne bis Ende Februar vorzulegen. Wir sehen es als unabdingbar und zwingend notwendig an, über konkrete Konzepte spätestens Anfang März beraten zu können, um nicht auch die Große Woche zu gefährden“, so der Bürgermeister.

„Wir sehen uns durch diese Entscheidung aufgefordert, das Heft des Handelns verstärkter selbst in die Hand zu nehmen“, kündigt Iffezheims Bürgermeister Christian Schmid an. Foto: pr.

„Wir sehen uns durch diese Entscheidung aufgefordert, das Heft des Handelns verstärkter selbst in die Hand zu nehmen“, kündigt Iffezheims Bürgermeister Christian Schmid an. Foto: pr.

Die final ausgereiften Konzepte sollten in jedem Fall eine nachhaltige und zukunftsträchtige Idee zur Durchführung von Galopprennen beinhalten und darüber hinaus parallel die Vermarktung als multifunktionale Veranstaltungs-Location im Detail abbilden. „Wir favorisieren vorrangig eine Konstellation, in welcher die gesamte Anlage aus einer Hand betrieben und vermarktet wird. Hierzu gehören zum einen die Ausrichtung der Renntage und die Organisation und Durchführung von Drittveranstaltungen beziehungsweise einer unterjährigen/ganzjährigen Nutzung. Zum anderen aber unter anderem auch die Unterhaltung, Pflege und Instandhaltung der gesamten Freiflächen- und Grünanlagen, des Geläufs sowie der Gebäude/Tribünen“, erklärte Schmid auf Nachfrage. Die Gewährleistung eines reibungslosen Rennbahn- als auch Trainingsbetriebes sei jedenfalls in jedem Konzept zu berücksichtigen und aufzuzeigen. „Wenn ein Konzept in seiner Gesamtheit am Ende tragfähig und schlüssig ist, wird man sich auch wegen des an die Gemeinde Iffezheim zu zahlenden Pachtzinses einig, ist sich Schmid sicher“, so der Bürgermeister.

Am Dienstag hatte der achtköpfige Vorstand des Dachverbands Deutsche Galopp acht Stunden lang im Rahmen einer Videokonferenz getagt. Am Ende stand die Absage des für Ende Mai/Anfang Juni erhofften Frühjahrsmeetings. Die dort geplanten großen Rennen werden auf andere Bahnen vergeben. Favorit für den Großen Preis ist die vor drei Jahren noch vor dem Ende stehende Bahn in Mülheim.

Große Woche schwer zu realisieren

Die Absage des Dachverbands aus Köln hatte ihre Ursache vor allem in nicht vorhandenen finanziellen Mitteln. Die Kosten für einen Renntag mit einem Europa-Gruppe-Rennen liegen nicht unter 250000 bis 300000 Euro, mit Gruppe-I-Rennen sind es sogar bis zu 500000 Euro. Diese Kostenlage war dem Iffezheimer Bürgermeister zumindest seit vergangenem Freitag bekannt, als er zusammen mit Kämmerer Stephan Sax an einer Sitzung teilgenommen hatte. Dort hatte die Baden-Racing-Geschäftsführerin Jutta Hofmeister alle Zahlen vorgelegt.

Auch die Hoffnung von Schmid auf die traditionsreiche Große Woche im Herbst scheint – zumindest in ihrer alten Form über zwei Wochenenden – kaum realisierbar. Ein neuer Bahn-Betreiber steht zudem vor dem Problem, einen neuen Sponsor für das Hauptrennen des Meetings, den „Großen Preis von Baden“, zu finden. Der Vertrag mit dem bisherigen Partner war ausgelaufen.


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