Frühjahrsmeeting: Ertrags-Frage noch ungeklärt

Baden-Baden (kgö) – Das Flair des Iffezheimer Frühjahrsmeetings ohne Zuschauer war sehr speziell. Erfreulich gestalteten sich die Wettumsätze im Internet. Noch unklar ist indes, wie viel Geld tatsächlich beim Veranstalter übrig bleibt.

Trust Ahead und Jockey Andrasch Starke haben mit ihrem Sieg die Iffezheimer Ehre gerettet. Links: Trainer Lennart Hammer-Hansen. Foto: Tuchel

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Trust Ahead und Jockey Andrasch Starke haben mit ihrem Sieg die Iffezheimer Ehre gerettet. Links: Trainer Lennart Hammer-Hansen. Foto: Tuchel

Es war alles anders. Für alle Beteiligten an den beiden Tagen des Rest-Frühjahrsmeetings auf der Iffezheimer Galopprennbahn. Bürokräfte von Baden Racing streuten Pferdeboxen ein und entschlammten Wege für die Pferde. Am einzigen Eingang stand Patricia Rotering, sonst für die VIP-Betreuung zuständig. Sie kontrollierte die Formulare und überprüfte die Identität der beruflich auf der Bahn tätigen Personen. Die Tochter der Vollblut-Allzweckwaffe Hans-Georg Rotering stand nicht zufällig dort, sondern „weil ich die meisten Leute persönlich kenne“. Das ersparte Zeit und sorgte dafür, dass sie ungewollt die Körpertemperaturen der wenigen Journalisten erfuhr, die auf die Bahn durften.

Wie aber fällt die wahre Bilanz dieser 24 Rennen aus? Verbandspräsident Michael Vesper hatte schon im Vorfeld Klartext geredet: „Es geht um das Vermeiden von Verlusten und nicht um das Erzielen von Gewinnen.“ 1,2 Millionen Euro Wettumsatz kamen an den beiden Tagen zusammen, bundesweit liegt Iffezheim damit an der Spitze der Geisterrennen-Tabelle seit dem Auftakt am 7. Mai in Langenhagen. Nur an vier Renntagen des Jahres 2019 wurden mit Zuschauern mehr Umsätze erzielt, drei davon fanden in der badischen Renngemeinde statt.

„Bombastische“ Online-Umsätze

In der Relation zu den Geister-Umsätzen auf den anderen Bahnen waren die Iffezheimer Werte aber eher normal. Riko Luiking, der Geschäftsführer des Verbandswettdienstleisters German Tote, erläuterte „Die sehr hohen Bahnumsätze in Iffezheim konnten durch die Online-Umsätze erwartungsgemäß nicht kompensiert werden. Trotzdem sind die Umsätze bombastisch.“ Bemerkenswert: Der höchste Umsatz mit 81 000 Euro wurde am Sonntag im letzten Rennen mit 16 Startern erzielt. Mit eher leistungsschwachen Pferden, aber vielen Wettvarianten. Solche Tendenzen hat es in Iffezheim schon vor 20 oder 30 Jahren gegeben. Getrübt wurde die Bilanz durch das Zwei-Pferde-Rennen um den Badener Jugend-Preis. Trotzdem kam ein Durchschnittsumsatz von 50 000 Euro zustande.

Noch ungeklärt ist die wichtige Frage, was von den 1,2 Millionen Euro tatsächlich für den Veranstalter übrig bleibt. Das „Ermittlungsverfahren“ dazu ist kompliziert, denn die Roherträge der erheblichen Auslandsumsätze sind deutlich geringer als die der deutschen Umsätze, die sich nach den unterschiedlichen Abzügen der Wettarten richten. Erste Details dazu sind bei einer Pressekonferenz mit Verbandschef Michael Vesper und Geschäftsführer Jan Pommer für heute angekündigt. Die wichtigste Voraussetzung für den hohen Umsatz überhaupt war der Verzicht der Onlinebuchmacher auf ihre für den Erhalt des Unternehmens wichtigen Provisionen. Diese Corona-bedingte Vereinbarung ist allerdings endlich. Die Gespräche laufen auf Hochtouren.

Schwere Zeiten für Iffezheimer Pferde

„Von dem Umsatz bleibt nur ein geringer Teil als Ertrag beim Veranstalter hängen, um die Rennpreise und Durchführung der Veranstaltung zu bezahlen“, heißt es in einer Pressemitteilung von Baden Racing. „Dennoch“, so Geschäftsführerin Jutta Hofmeister, „bin ich sehr dankbar und erleichtert, dass alles so reibungslos verlaufen ist, und alle Funktionäre wie auch die Aktiven sich so diszipliniert und verständnisvoll verhalten haben.“

Für das „Gesamtkunstwerk“ deutscher Galopprennsport war das Frühjahrsmeeting ein Lebenselixier. Vier Europa-Gruppe-Rennen auch ohne ausländische Pferde ragten dabei heraus, Quest the Moon war ein würdiger Grand-Prix-Sieger – vor einer unglücklich geschlagenen Stute Durance und Wai Key Star mit der grandiosen Sibylle Vogt. Die Reiterin bewies, dass sie auf solchen Pferden zu Hause ist. Viele ihrer Pferde an den jüngsten vier Renntagen in Langenhagen, Dresden und Iffezheim hätten auch mit Lufthafer und der Lizenz zum Fliegen kaum gewonnen. Das gilt auch für die vielen Iffezheimer Vollblüter, deren Ehre mit dem Sieg von Trust Ahead aus dem Hammer-Hansen-Stall gerettet wurde. Es stehen schwere Zeiten bevor, solange die Frankreich-Tore geschlossen bleiben und das Geldverdienen danach noch erschwert wird.


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