Frühlingsmarkt in Sinzheim abgesagt

Sinzheim (nie) – Auch dieses Jahr wird der traditionelle Frühlingsmark in Sinzheim nicht stattfinden. Bereits 2020 musste er coronabedingt abgesagt werden.

Der Marktplatz bleibt leer: Dort wird in diesem Jahr kein Sinzheimer Frühjahrsmarkt stattfinden und auch keine Vereinsgasse aufgebaut. Foto: Nina Ernst

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Der Marktplatz bleibt leer: Dort wird in diesem Jahr kein Sinzheimer Frühjahrsmarkt stattfinden und auch keine Vereinsgasse aufgebaut. Foto: Nina Ernst

Bummeln, plaudern, shoppen, schlendern: So hieß es stets in Sinzheim zwei Wochen nach Ostern. Die Gemeinde lädt dann normalerweise zum Frühjahrsmarkt, Vereine engagieren sich, Geschäfte öffnen zum verkaufsoffenen Sonntag und Händler sowie Besucher strömen. Nun fällt der Markt schon zum zweiten Mal coronabedingt aus.

Schon seit Jahresbeginn habe man darüber nachgedacht, erläutert Natascha Koch, die bei der Gemeinde für das Veranstaltungswesen zuständig ist, die Entscheidung. „Da hängt viel dran“, weiß Koch, dass der Frühjahrsmarkt nicht nur für die Gemeinde eine „wichtige Veranstaltung“ ist, sondern eben auch für Vereine, Händler und Einzelhändler. Die Entscheidung sei den Verantwortlichen daher schwer gefallen, aber die Pandemie lasse es zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu, und solch ein großes Projekt brauche auch eine gewisse Vorlaufszeit. Zudem spielten die Voraussetzungen vor Ort eine Rolle: Der Markt habe viele Ein- und Ausgänge, zahlreiche Anwohner lebten im Festgeschehen – eine Kontaktbeschränkung oder -erfassung sei so eigentlich unmöglich.

Händler zeigen sich verständnisvoll

Auch zahlreiche Händler waren wohl bis zuletzt hoffnungsvoll. „Wir haben viele Bewerbungen bekommen“, berichtet Koch. Die Händler seien zwar „erschrocken“, weil an solchen Veranstaltungen natürlich ihre Existenzen hingen. Aber sie waren gleichermaßen „verständnisvoll“.

Auch die Gemeinschaft der Sinzheimer Fachbetriebe (Gefa) trägt die Entscheidung voll und ganz mit. Thomas Heeg, erster Vorsitzender, und Nadja Ernst, zweite Vorsitzende, haben mit der Absage gerechnet. Ein verkaufsoffener Sonntag kann daher auch nicht stattfinden, da dieser immer an ein Event geknüpft sein muss. Aber: Für die Einzelhändler vor Ort, so beschreiben die beiden, seien die Verluste dadurch gering, denn den „Riesenumsatz“ (O-Ton Thomas Heeg) machten die Geschäfte da nicht. Für Unternehmen, die aber nicht im Ortskern ihren Sitz haben, sei der Frühjahrsmarkt jedoch eine gute Plattform, sich zu präsentieren und sich bei der Bevölkerung ins Gedächtnis zu rufen. Das falle nun weg.

Auch der Phönix Sinzheim hat an der Absage des Frühjahrsmarkts zu knabbern. Traditionell bietet er auf dem Marktplatz eine Tombola an, deren Einnahmen für die Jugendarbeit verwendet werden. Und die Tombola werde immer gut angenommen, freut sich Vorsitzender Marc Keitel. „Umso tragischer ist der Ausfall des Marktes im zweiten Jahr hintereinander für uns. Zumal uns durch den eingestellten Spielbetrieb sowieso Einnahmen fehlen.“ Aber man verstehe es natürlich, dass der Markt unter den jetzigen Bedingungen nicht umsetzbar wäre.

„Fester Bestandteil des Jahreskalenders“

Auf jeden Fall sei es schade, dass der Markt abgesagt wird, sagt auch Benedikt Huck, zweiter Vorsitzender der Sängerfreundschaft „Waldeslust“ Vormberg. Der Frühjahrsmarkt sei „ein fester Bestandteil des Jahreskalenders“. Dort habe man sich auch „einfach gemütlich mit den Sängerkameraden treffen und nette Gespräche führen“ können.

Erwartet hat auch der Narrenclub Winden (NCW) die Absage des Frühjahrsmarktes. Regelmäßig beteiligt er sich an der Vereinsgasse auf dem Marktplatz. „Dennoch fehlen uns natürlich die Einnahmen dieser Veranstaltung. Neben dem finanziellen Aspekt fehlt natürlich auch der persönliche Kontakt zu Besuchern und die Möglichkeit, sich als Verein zu präsentieren“, heißt es vonseiten der Narren.

Das sei es auch, was den Kartunger Sängern am meisten fehlen werde, wie Gerrit Schlindwein, Vorsitzender des Männergesangvereins, berichtet. Aus rein finanziellen Aspekten habe man sich nicht beteiligt, aber der Pizza-Stand sei eine „schöne Aktion“ gewesen, bei der die ganze Vereinsjugend geholfen habe. Daher: „Am meisten fehlt die Geselligkeit“, so Schlindwein. Aber auch er sieht ein: „Es macht keinen Sinn etwas zu machen, im Vordergrund steht, dass die Mitglieder sicher sind.“

Ein Stück Gemeinschaft fehlt

Auch die Ministranten der Seelsorgeeinheit Sinzheim/Hügelsheim hätten den Frühjahrsmarkt genutzt, um auf sich aufmerksam zu machen, berichtet Pastoralreferentin Hannah Gniot. Das Geld der Turmbesteigung der St. Martins-Kirche und des Kuchenverkaufs sei stets in die Finanzierung des Ministrantenlagers geflossen. Und auch im Pfarrzentrum habe man für das große Ferienlager in den Sommerferien immer „erfolgreich Kaffee und Kuchen“ angeboten. Es sei aber nun „finanziell kein Drama“, dass diese Einnahmen wegfielen, so Gniot. Aber umso mehr gelte auch für die Engagierten in der Seelsorgeeinheit, dass ein Stück „Gemeinschaft fehlt“.

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Erstellt:
12. März 2021, 14:00 Uhr
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