Führerschein-Tausch im Ausland: Wohnort zentral

Rastatt (kos) – Deutsche mit Wohnsitz in Frankreich müssen sich für den Umtausch alter Führerscheine an die Behörden in vor Ort wenden. Dort wird der Tausch über ein Online-Portal abgewickelt.

Digital zentralisiert: In Frankreich läuft der Führerschein-Umtausch über das Portal ANTS. Foto: Andrea Warnecke/dpa

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Digital zentralisiert: In Frankreich läuft der Führerschein-Umtausch über das Portal ANTS. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Der alte Lappen kommt weg: Im Zuge der groß angelegten Erneuerung alter Führerscheine in Deutschland ist am 19. Januar bereits die erste Frist verstrichen. Aufgrund der hohen Zahl der davon Betroffenen ist der Andrang in den Behörden entsprechend groß. Doch was gilt, wenn man seinen Führerschein in Deutschland erworben hat und nun in Frankreich eintauschen muss, weil man seinen Wohnsitz dorthin verlagert hat?

„Als deutscher Staatsbürger kann ich meinen deutschen Führerschein nicht in Deutschland erneuern“, beklagt etwa Michael Kraft. Der gebürtige Rastatter fragt sich, wie das denn sein könne – immerhin sei er doch in Rastatt geboren, habe seinen bisherigen Führerschein vom Rastatter Landratsamt ausgestellt bekommen und im hiesigen Wählerverzeichnis sei er ebenfalls eingetragen. Deshalb müsse er auch seinen neuen Führerschein in Rastatt beantragen können, meint er im Umkehrschluss. „Es geht ums Prinzip“, betont er.

Deutsche Behörden haben keine Befugnis im Ausland

Selina Jung, Leiterin der Fahrerlaubnisbehörde im Landratsamt Rastatt, klärt auf Anfrage dieser Zeitung auf: Für die Ausstellung eines neuen Führerscheines sei grundsätzlich jene Behörde des Landes zuständig, „in dem der Betroffene seinen Hauptwohnsitz hat“, informiert Jung. Demnach müssen auch deutsche Staatsbürger, die ihren Wohnort nach Frankreich verlegt haben und dort gemeldet sind, ihren neuen EU-Führerschein vor Ort beantragen. Das Prinzip dahinter sei identisch zu dem auf der östlichen Rheinseite, egal ob man seinen Wohnsitz nun in Deutschland oder Frankreich hat.

Das bestätigt auch Referent Michael Großer von der Informations- und Beratungsstelle (InfoBest) Kehl/Straßburg, die auf grenzübergreifende Fragen in Deutschland und Frankreich spezialisiert ist. Er fügt hinzu, dass deutsche Behörden nach geltendem EU-Recht nicht dazu befugt sind, für in Frankreich wohnende Menschen auszustellen – so auch im eingangs erläuterten Fall des Michael Kraft. Die Staatsbürgerschaft spiele dafür erst einmal keine tragende Rolle.

Umtausch über Online-Portal geregelt

Praktisch müssten die Betroffenen allerdings wissen, dass es seit einiger Zeit im deutschen Nachbarstaat nicht mehr möglich ist, den Umtausch bei einer lokalen Präfektur – also der französischen Verwaltungsbehörde – erledigen zu lassen, sagt Jung. Der Prozess wurde mittlerweile im Online-Portal ANTS (Agence Nationale des Titres Sécursés) digital zentralisiert. Dort können seit März 2020 veraltete Dokumente wie die graue oder rosa Fahrerlaubnis zu einem EU-Führerschein umgetauscht werden. Dieser sei dann in der Europäischen Union (EU) länderunabhängig gültig, erklärt Jung – so auch bei einem Rückzug nach Deutschland. Als Folge darauf erübrige sich der Gang zum Amt.

Probleme können jedoch bei den alten grauen Führerscheinen auftreten: Das Online-Portal kenne nur die seit 1999 geltenden Führerscheinklassen wie A, B oder L, betont Großer.

Keine Staffelung der Fristen in Frankreich

Für die Geburtsjahrgänge von 1953 bis 1958 ist die erste Frist für die Erneuerung bereits am Mittwoch vergangener Woche abgelaufen. Als nächstes haben diejenigen, die zwischen 1959 und 1964 zur Welt kamen, Zeit bis zum 19. Januar 2023, um sich einen EU-Führerschein anzuschaffen.

Großer gibt aber zu bedenken: „Eine derartige Staffelung gibt es nach unserem Kenntnisstand in Frankreich nicht.“ Dort bleibe es somit beim 19. Januar 2033, bis der Führerschein erneuert sein muss.

Ihr Autor

BT-Volontär Konstantin Stoll

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Erstellt:
26. Januar 2022, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 35sec

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