Führung durch den Kartunger Bruch

Sinzheim (up) – Auf großes Interesse ist eine Führung durch den Kartunger Bruch unter dem Motto „Die Natur liegt vor Deiner Haustür“ gestoßen. Weitere Veranstaltungen sollen folgen.

•Rund zwei Stunden lang informieren Dieter Peter (Mitte mit Tasche) und Susanne Thimet die rund 40 interessierten Teilnehmer direkt in der Natur. Foto: Ulrich Philipp

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•Rund zwei Stunden lang informieren Dieter Peter (Mitte mit Tasche) und Susanne Thimet die rund 40 interessierten Teilnehmer direkt in der Natur. Foto: Ulrich Philipp

Der Ortsverband Sinzheim von Bündnis 90/Die Grünen wird in den kommenden Monaten Exkursionen für Naturinteressierte anbieten. Diese sollen unter dem Motto „Die Natur liegt vor Deiner Haustür“ zu verschiedenen Jahreszeiten und an unterschiedlichen Orten stattfinden. Die erste Tour fand am Samstag rund um den Kartunger Bruch statt.

„Ich hatte mit einem intimen Kreis von etwa zehn Teilnehmern gerechnet“, begrüßte Dieter Peter vom Naturschutzbund (NABU) Sinzheim, sichtlich überrascht von der hohen Teilnehmerzahl, etwa 40 Frauen und Männer am Treffpunkt Seeräuberschenke. Peter und Susanne Thimet, die beide sehr sachkundig über die hier lebenden Pflanzen und Tiere informierten, versuchten schon an dieser Stelle, für die Belange der Natur zu sensibilisieren, und kritisierten den großen gepflasterten Parkplatz vor dem Gasthaus, der den Boden unnötig versiegle. Mit Kirschlorbeer und Zuckerhutfichte seien an der Parkplatzeinfahrt zudem nicht-einheimische Pflanzen eingesetzt worden.

„Maiswüste“ bedroht Artenvielfalt

Auf der daneben liegenden Wiese wären durch die Verwendung von stickstoffhaltigem Dünger Pflanzen gefährdet, wie beispielsweise der Große Wiesenknopf, auch bekannt als „Blutströpfel“. Dies habe zur Folge, dass auch Schmetterlingsarten wie der Helle oder auch der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling bedroht seien, denn diese könnten sich ausschließlich über das „Blutströpfel“ fortpflanzen. „Unsere Feldflur ist kaputt“, stellte Peter fest und machte dafür die zahlreichen Maisfelder verantwortlich, die unter anderem mit dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat gedüngt würden, zum Schaden für Insekten. „Diese Maiswüste lieben vor allem Wildschweine“, sagte Peter. Er wies auch darauf hin, dass sogenanntes Totholz wie abgestorbene Bäume notwendige Funktionen für die Natur erfüllten. Astlöcher beispielsweise seien ideale Brutstätten für Vögel und unter der Rinde lebten häufig holzbewohnende Käferarten.

Über die Baumarten im Feuchtgebiet Kartunger Bruch informierten die Experten ebenfalls, die Stileiche sei eine der prägenden Baumarten, neben anderen habe man Berg- und Spitzahorn angepflanzt. Der Eschenbestand sei durch das Eschentriebsterben massiv gefährdet, und auch die als Ersatz gedachte Schwarzerle sei durch einen Pilz bedroht. Von Thiemet konnte man auch erfahren, dass man die Früchte der im Unterholz wachsenden Schwarzen Kornelkirsche besser nicht roh isst, sondern am Besten als Marmelade. Und dass die kaum in ihrem Wachstum zu bändigenden invasiven Arten wie der Japanische Knöterich, die Kanadische Goldrute oder das Balsam-Springkraut auch Vorteile mit sich brächten, vor allem für die Imker. Denn diese Arten blühten auch noch im Herbst und böten den Bienen dadurch noch Nahrung.

Unter den interessierten Teilnehmern waren nicht nur ausgesprochene Naturfreunde. Ein Teilnehmer erklärte gegenüber dem BT, er sei eigentlich Motorsportfan. Er fahre oft zu Autorennen auf den Hockenheimring, wo er dann seinem Hobby nachgehe und fotografiere. Von der Exkursion habe er sich vor allem neue Motive erhofft, die er in der Natur auch gefunden habe.

Ihr Autor

Ulrich Philipp

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Erstellt:
7. September 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 24sec

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