Fünf „Klimahelden“ aus Durmersheim

Durmersheim (nora) – In der Serie „Klimaheld des Alltags“ stellt das BT heute das Vorstandsteam der Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) Durmersheim vor, das die Energiewende mitgestalten will.

Auf dem Dach des Kindergartens Bischweier hat die BEG Durmersheim eine Photovoltaikanlage installiert. Foto: Nora Pallek

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Auf dem Dach des Kindergartens Bischweier hat die BEG Durmersheim eine Photovoltaikanlage installiert. Foto: Nora Pallek

In der Reihe „Klimahelden des Alltags“ stellt das Klimabündnis Rastatt heute gleich fünf Menschen vor, die diesen Titel nach Ansicht der Initiative verdient haben: Der Vorstand der Bürger-Energiegenossenschaft (BEG) Durmersheim. Vorstandssprecher Hartmut Oesten, der die BEG vor elf Jahren mitgegründet hat, und seine Mitstreiter Clemens Schlossarek, Michael Hubbe, Manuel Peter und Wolfgang Bühler arbeiten alle ehrenamtlich für das Ziel, den Klimaschutz gemeinsam mit der Bürgerschaft voranzubringen.
Bis heute hat die BEG 13 große Fotovoltaik-Projekte erfolgreich realisiert, vier weitere stehen aktuell auf der Agenda. Die Gesamtmodulleistung der bereits installierten Anlagen liegt bei insgesamt rund 1.000 Kilowatt-Peak. Diese Solaranlagen versorgen jedes Jahr mehr als 350 Familien mit klimafreundlichem Strom. „Mit ihren Projekten hat die BEG schon zu einer Senkung des CO2-Ausstoßes um 600 Tonnen beigetragen“, zeigt sich Klimabündnis-Sprecher Erwin Groß beeindruckt.

Eigentümer erhält Dachmiete

Möglich ist dieser Erfolg durch das Genossenschaftsmodell: Die BEG sucht geeignete Dachflächen und überzeugt den Immobilienbesitzer, darauf eine Fotovoltaikanlage installieren zu lassen. Der Eigentümer erhält eine Dachmiete. Zudem profitiert er oder der Mieter des Gebäudes vom günstigeren Solarstrom. „Die Stromkosten der Nutzer können bis zu 20 Prozent sinken“, sagt Oesten. Als weiteren Vorteil nennt er den Rundum-Service der BEG: „Wir übernehmen Planung, Installation, Betrieb und Finanzierung der Anlage ebenso wie die Abrechnung des Stroms.“ Der Eigentümer trage kein Risiko.

Finanziert werden die Projekte über Genossenschaftsanteile, die von Bürgerinnen und Bürgern erworben werden können. Die Anleger werden damit zum Eigentümer der Solaranlagen und erhalten eine jährliche Rendite. „Bisher haben wir vier Prozent Gewinn pro Jahr an jeden Genossen ausgeschüttet“, zeigt sich Oesten sehr zufrieden mit dem erwirtschafteten Ertrag. Der finanzielle Erfolg sei aber nicht das eigentliche Ziel der BEG, stellt er klar: „Wir wollen aktiv die Energiewende vorantreiben und die Bevölkerung miteinbeziehen.“

In ihr Herzensprojekt investieren die Klimahelden viel private Zeit. Mehr als 40 Stunden sind es, die hier pro Woche im Ehrenamt geleistet werden. Oesten ist für die Organisation und Verwaltung der Genossenschaft zuständig, Schlossarek und Hubbe arbeiten als Projektentwickler, Peter ist im Technischen Support tätig, und Bühler sorgt für die notwendige Öffentlichkeitsarbeit.

„Wir haben Spaß an der Arbeit, denn wir können wirklich etwas für den Klimaschutz tun“, nennt Oesten den Grund für das große Engagement.

Ausbau soll forciert werden

In Zukunft will das BEG-Team den Ausbau sogar noch forcieren. „Wir möchten mindestens 500 bis 700 Kilowatt-Peak/Jahr über neue PV-Anlagen generieren“, nennt Oesten das selbst gesteckte ehrgeizige Ziel. Alles, was dazu fehlt, sind die notwendigen Dachflächen, denn die BEG hat bestimmte Voraussetzungen für ihre Projekte. Gesucht werden Immobilien mit einer Dachfläche von mindestens 60 Quadratmetern und einem Stromabnehmer vor Ort, also zum Beispiel Dächer von Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben oder Bürogebäuden (Handwerker, Freiberufler, Industriebetriebe) oder von kommunalen Liegenschaften (Schulen, Altersheime). Einzige Bedingung: Die Statik muss eine zusätzliche Last von 15 Kilogramm pro Quadratmeter aushalten. Auch Ödland oder Grünlandflächen entlang von Autobahnen oder Bahnlinien stehen auf der Wunschliste.

„Kommunale Liegenschaften oder Gewerbedächer sind ideal“, sagt Oesten. So wurde die neueste Fotovoltaik-Anlage der BEG auf dem Dach des Kindergartens Bischweier installiert, dort sogar in Kombination mit einem begrünten Dach. „Das lässt sich problemlos vereinbaren“, so der BEG-Vorstandssprecher.

Aktionsradius wird ausgeweitet

Erfolgreiche Projekte wurden aber auch bereits mit privaten Organisationen und gewerblichen Betrieben umgesetzt. Regional dehnt die BEG ihren Aktionsradius ebenfalls ständig aus. Aktuell führt die Genossenschaft Gespräche mit Au am Rhein, Loffenau, Malsch und Elchesheim-Illingen über potenzielle Liegenschaften. Auch in Rastatt würden Oesten und sein Team sehr gerne tätig werden.

Bürger, die Interesse haben, Geld zu investieren, müssen sich derzeit mit einem kleinen Betrag zufriedengeben. „Wir haben an dieser Stelle konservative Werte. Erst wenn ein neues Projekt startet, können wir wieder größere Zahlungen aufnehmen“, macht der Vorstandssprecher das Vorgehen deutlich. Zunächst kämen Anleger zum Zug, die am Ort wohnten. „Erst danach können auch Bürger aus der Region einsteigen“, sagt Oesten, der sich deshalb im Moment vor allem eins wünscht: „Dächer, Dächer, Dächer!“

Weitere Klimahelden gesucht

Das Klima ist im Stress. Und jeder Einzelne kann etwas dagegen tun. Das Klimabündnis Rastatt sucht „Klimahelden“, die sich dabei auf unterschiedliche Weise engagieren. Das BT veröffentlicht in einer Serie ausgewählte Beispiele aus dem Alltag im Raum Rastatt. Wer seine Idee oder sein Projekt vorstellen möchte, kann sich an die BT-Lokalredaktion Rastatt wenden. Mail: redra@badisches-tagblatt.de; (0 72 22) 767 22 20.

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