Fünfeinhalb Jahre Haft für Malscher Brandstifter

Malsch/Rastatt (yd) – Für fünfeinhalb Jahre muss ein 88-Jähriger aus Malsch ins Gefängnis. Er hatte im März 2020 das Haus seiner Tochter in Brand gesetzt und versucht, seinen Schwiegersohn zu töten.

Drei Familien haben durch den Brand im März vergangenen Jahres ihr Zuhause verloren. Der Schwiegersohn des Angeklagten leidet bis heute unter den Folgen. Foto: Frank Vetter/Archiv

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Drei Familien haben durch den Brand im März vergangenen Jahres ihr Zuhause verloren. Der Schwiegersohn des Angeklagten leidet bis heute unter den Folgen. Foto: Frank Vetter/Archiv

Für fünf Jahre und sechs Monate muss ein 88-jähriger Malscher ins Gefängnis. Dieses Urteil hat die Schwurgerichtskammer am Karlsruher Landgericht am Dienstag gefällt. Die Richter sprachen ihn unter anderem des versuchten Mordes und der schweren Brandstiftung schuldig. Der Malscher hatte im März 2020 das Wohnhaus seiner Tochter angezündet und versucht, seinen Schwiegersohn zu töten.

Neben der Freiheitsstrafe muss der 88-Jährige dem Nebenkläger, seinem Schwiegersohn, auch 12.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Die Kammer bleibt in ihrem Strafmaß damit deutlich unter der Forderung von Staatsanwalt David Mattern: Er hatte vergangene Woche eine Freiheitsstrafe von acht Jahren gefordert und sah mehrere Mordmerkmale als erfüllt an. Michael Stortz, Verteidiger des Angeklagten, hielt hingegen eine weitaus geringere Freiheitsstrafe von nicht über fünf Jahren für angemessen. Von einer Tötungsabsicht seines Mandanten könne nicht die Rede sein.

Über Jahrzehnte unauffälliges Leben geführt

Der Senior hatte am Abend des 23. März 2020 auf der Terrasse des Reihenhauses, in dem seine Tochter mit ihrem Ehemann wohnte, einen Eimer Benzin ausgeschüttet. Als der Schwiegersohn dies mitbekam und die Terrassentür öffnete, übergoss er diesen ebenfalls mit dem Brandbeschleuniger und warf ein Streichholz in seine Richtung. Anschließend setzte er die Terrasse in Brand. Das Feuer griff rasch auf das gesamte Haus und auf zwei weitere Reihenhäuser über. Der Schwiegersohn erlitt Brandverletzungen und leidet bis heute unter den Folgen, drei Familien verloren ihr Zuhause. Der Tat vorausgegangen waren heftige Streitigkeiten zwischen dem 88-Jährigen und seiner Tochter. Er fühlte sich von ihr betrogen und hintergangen. Nach der Tat floh er mit einem gemieteten Auto und wurde von der Polizei in Rastatt gestellt.

Bis zu jenem unheilvollen Abend hatte der Malscher über Jahrzehnte ein unauffälliges Leben geführt. „Sie waren ein normales Mitglied der Gesellschaft“, so Richter Fernando Sanchez-Hermosilla. Durch harte Arbeit habe sich der Angeklagte Verdienste erworben und einiges an finanziellen Mitteln zur Seite gelegt.

Dass er nicht in Tötungsabsicht gehandelt habe, wollte das Gericht nicht anerkennen: „Als ihr Schwiegersohn auftauchte, haben sie sich spontan entschlossen, ihn mit Benzin zu übergießen und ein Streichholz in seine Richtung geschnippt. Es mag nicht ihr einziges Ziel gewesen sein, aber es war ihnen egal, dass er verbrennt“, so der Richter. Wer so handle, der sei grausam, zumal der Verbrennungstod extrem qualvoll sei. Das Mordmerkmal der Grausamkeit sah das Gericht als erwiesen an. Eigentlich steht auf Mord eine lebenslängliche Haftstrafe.

Gericht geht von verminderter Schuldfähigkeit aus

Man sei allerdings von einer verminderten Schuldfähigkeit ausgegangen. Ein Gutachter hatte nicht ausschließen können, dass beim Angeklagten eine beginnende Demenz vorliegt. Ferner habe man das Strafmaß gemindert, weil es beim Mordversuch geblieben ist. Und ebenfalls strafmaßmindernd habe sich das Alter des Angeklagten ausgewirkt. „Ihr hohes Lebensalter ist für uns der Grund, warum wir trotz der Verurteilung wegen versuchten Mordes ein relativ niedriges Strafmaß angesetzt haben“, so Sanchez-Hermosilla. Somit gebe es die Hoffnung, dass der 88-Jährige einen Teil seines Lebens noch auf freiem Fuß verbringen könnte.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Yvonne Hauptmann

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Erstellt:
19. Oktober 2021, 17:10 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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