Für Ganztagsbetrieb ungeeignet

Gernsbach (stj) – Was wird aus der Von-Drais-Grundschule? Die Stadt macht sich jetzt auf Standortsuche für einen möglichen Neubau.

Das Wohlbefinden von Schülern ist eine wesentliche Voraussetzung für ihren Bildungserfolg. Diesbezüglich lässt der Zustand der Von-Drais-Grundschule seit Jahren sehr viele Wünsche offen. Foto: Stephan Juch

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Das Wohlbefinden von Schülern ist eine wesentliche Voraussetzung für ihren Bildungserfolg. Diesbezüglich lässt der Zustand der Von-Drais-Grundschule seit Jahren sehr viele Wünsche offen. Foto: Stephan Juch

Schule ist zunehmend Lern- und Lebensort. Nicht zuletzt deshalb, weil Schüler dort heutzutage viel mehr Zeit verbringen, als das früher der Fall war. Ab 2025 soll für jedes Kind, dessen Eltern das wünschen, eine ganztägige Betreuung an der Grundschule gewährleistet sein. Das zwingt die Stadt Gernsbach zum Handeln.

Nach dem Rechtsanspruch auf den Kitaplatz kommt nun also der Rechtsanspruch auf den Ganztagsplatz in der Grundschule. „Das haben wir im Blick“, versicherte Hauptamtsleiter Thomas Lachnicht im Gemeinderat und verwies auf den Schulentwicklungsplan, der den Kommunalpolitikern eigentlich schon hätte präsentiert werden sollen. Aus diesem geht unter anderem hervor, dass eine Sanierung der Von-Drais-Grundschule nicht für sinnvoll erachtet wird. „Eine Ganztagsbetreuung ist in diesen Räumlichkeiten schlecht darstellbar“, ergänzte Bürgermeister Julian Christ – zum Beispiel sei dort kein Platz für eine Mensa.

Neubau oder nicht? Ergebnisoffene Suche nach einer Lösung

Ergo: Die Stadt Gernsbach begibt sich nun auf die Suche nach einem möglichen Alternativstandort. Und diese Suche soll umgehend beginnen. Die ursprünglich von der Verwaltung geplante Zeitschiene, 2022 mit der Planung zu starten, wurde nach einstimmigem Gemeinderatsbeschluss auf dieses Jahr vorgezogen. Einen entsprechenden Antrag dazu hatten SPD und Grüne im Vorfeld der Haushaltsberatung eingebracht. Jetzt werden 100.000 Euro als Planungsrate in den Etat für das Jahr 2021 aufgenommen.

Damit soll ergebnisoffen eine Lösung für die Zukunft der Grundschule gefunden werden. Der Bürgermeister machte aber deutlich, dass die Rahmenbedingungen der möglichen Förderkulisse ganz klar in Richtung Bestandssanierung gingen. Doch der Bestand lasse kaum eine optimale Lösung zu. Räume müssen sich schließlich an den Bedürfnissen der Schüler orientieren, um moderner Pädagogik Raum zu geben. Somit stößt das beste pädagogische Konzept durch äußere Gegebenheiten an seine Grenzen. Darauf hat Rektorin Felicitas Heck in der Vergangenheit immer wieder hingewiesen und erläutert: Das an der Von-Drais-Grundschule praktizierte kooperative Lernen bedarf speziellen Lernarrangements, die zusätzliche Räumlichkeiten erfordern, „die leider nicht an der Schule vorhanden sind“. So werden von den Klassen oft die Flure der Schule genutzt, im pädagogischen Konzept verankerte Veranstaltungen können vielfach nur in externen Ausweichräumen stattfinden. „Der Handlungsdruck ist groß“, betonte Hauptamtsleiter Lachnicht.

Grüne: „Unerträglicher Zustand“

Und das schon seit gut einem Jahrzehnt, wie die SPD in ihrem Ergänzungsantrag zum Haushaltsplanentwurf betonte. Und die Grünen sprachen darin sogar von einem „unerträglichen Zustand“, der für Schüler und Lehrer „entwürdigend“ sei. Die anderen Fraktionen und Gruppierungen erkannten die Dringlichkeit des Handelns ebenso, weshalb ein einstimmiger Beschluss erfolgte, dieses Jahr in die Planung einzusteigen.

Diese soll auch die Frage klären: Neubau oder nicht? Fakt ist, dass auf die Stadt Gernsbach eine weitere Millioneninvestition zukommt, die sie im Rahmen ihrer Pflichtaufgaben wird schultern müssen.


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