Für Hobbyhandwerker endet der Winterschlaf

Rastatt (BNN) – Der Frühling erwacht und ebenso das rege Treiben in Bau-, Garten- und Hobbymärkten. An diesem Samstag trieb es die Kunden in großer Zahl dorthin – ein Stimmungsbild.

Der Frühling ist bunt und wichtig fürs Geschäft: Tobias Groß macht in seinem Pflanzencenter bei Plittersdorf zwischen März und Mai die Hälfte des Jahresumsatzes beim Pflanzenverkauf. Foto: Holger Siebnich/BNN

Der Frühling ist bunt und wichtig fürs Geschäft: Tobias Groß macht in seinem Pflanzencenter bei Plittersdorf zwischen März und Mai die Hälfte des Jahresumsatzes beim Pflanzenverkauf. Foto: Holger Siebnich/BNN

Auf die Handwerkskünste von Hans-Dieter lässt Anneliese Wawarta nichts kommen. „Er kann alles“, sagt sie und lacht. Nur Streichen überlasse er ihr: „Dafür ist er zu ungeduldig.“ Während sie das erzählt, verzurrt ihr Mann drei Pakete mit dünnen Holzbrettern auf dem Autodach, die das Ehepaar gerade im Baumarkt besorgt hat. Damit will Hans-Dieter die Decke des Ferienhäuschens im Plittersdorfer Freizeitparadies verkleiden. Die Heimwerker- und Gartensaison hat begonnen.

Es ist noch nicht einmal 10 Uhr, aber der Parkplatz des Baumarkts in Rastatt ist an diesem Samstag schon gut belegt. Auffallend viele Väter sind mit ihren kleinen Kindern losgezogen, um den Nachwuchs ans Thema heranzuführen. Wolfgang Huft hat seine Mission allein erfüllt.

Kampf gegen Sahara-Staub mit Hochdruckreiniger

Im Einkaufswagen, den der Muggensturmer zu seinem Auto steuert, liegt ein Hochdruckreiniger. Damit will er den Sahara-Staub von der Terrasse schießen: „Das ist wirklich nötig.“ In der Vergangenheit begnügte er sich mit einem Gartenschlauch, angesichts des Sandregens der vergangenen Tage hat er sich zum Aufrüsten entschlossen.

Im Baumarkt ist vor allem bei den Grills und im Gartencenter viel los. Der fachmännische Griff des interessierten Kunden führt beim Kugelgrill stets an die Oberseite. Bis zum Feierabend wird der Deckel des Ausstellungsstücks wohl viele Dutzende Male gelüpft worden sein.

Ein Ehepaar mittleren Alters hat fünf riesige Säcke Blumenerde im Einkaufswagen gestapelt. „Fürs Hochbeet“, sagt der Mann, und ergänzt: „Der frühe Vogel fängt den Wurm.“

Das Ferienhäuschen im Freizeitparadies Plittersdorf wird feingemacht: Anneliese und Hans-Dieter Wawarta haben sich einiges vorgenommen und entsprechend viel Material gekauft. Foto: Holger Siebnich/BNN

Das Ferienhäuschen im Freizeitparadies Plittersdorf wird feingemacht: Anneliese und Hans-Dieter Wawarta haben sich einiges vorgenommen und entsprechend viel Material gekauft. Foto: Holger Siebnich/BNN

Im Pflanzencenter Klingmann bei Plittersdorf geben Tobias Groß und seine sieben Mitarbeiter den Kunden Tipps, was jetzt schon ins Gemüsebeet kann. Salat-Setzlingen, Kohlrabi oder Rote Beete macht es nichts aus, wenn es in den ersten Frühlingsnächten noch einmal Frost gibt.

Manche Kunden, die durch die Frühlingssonne übermotiviert sind, muss Groß aber ausbremsen. Für Tomaten oder Paprika ist es noch viel zu früh. Eine Frau wollte vor ein paar Tagen Zauberglöckchen kaufen, eine hübsche Balkonblume. „Dafür ist es einfach noch zu kalt“, sagt Groß.

Für seinen 20.000 Quadratmeter großen Betrieb läuft gerade die wichtigste Phase der Saison. Zwischen März und Mai macht das Unternehmen die Hälfte des Jahresumsatzes beim Pflanzenverkauf. Normalerweise fände jetzt auch eine große Ausstellung mit Kamelien statt, eines der Steckenpferde des Betriebs. Doch wegen Corona hat Groß darauf verzichtet.

Grundsätzlich hat die Pandemie der Branche aber nicht geschadet, im Gegenteil. „Die Leute haben sich ihr Zuhause schön gemacht und auch in den Garten investiert“, sagt Groß.

Richtige Zeit für Rosen, Obstbäume und Sträucher

Auch Isolde Schaaf will gleich zu Beginn des Frühlings ihren Garten mit Blumen aufhübschen: „Das brauche ich jetzt.“ Eine Einkaufsliste hat sie nicht mitgebracht. Sie lässt sich vom Angebot inspirieren, das um diese Jahreszeit zum Beispiel aus Primeln, Narzissen oder Nelken besteht. Laut Groß ist es auch die richtige Zeit, um Rosen, Obstbäume oder Sträucher zu setzen.

Mit Gemüse hat es Schaaf im Gegensatz zu Dieter und Brigitte Melchers nicht so. Das Ehepaar sucht sich im Außenbereich ein paar Setzlinge zusammen. Sie haben viele Jahre Erfahrung und wissen, was sie zu dieser Jahreszeit setzen können. Außerdem hat Dieter einen klugen Blick: „Die hier hatten rote Flecken“, sagt er und zeigt auf die kleinen Pflanzen im Einkaufswagen. Seine Schlussfolgerung: Sie standen auch in der Gärtnerei im Freien, während der Sahara-Staub vorüberzog. „Dann werden sie es auch bei uns draußen überleben“, sagt er.

Auch sie bewirtschaften ein Hochbeet. Im Alter sei das einfacher, als auf dem Boden herumzukrabbeln. Sie freuen sich, dass die Gartensaison wieder beginnt. „Es gibt nichts Schöneres“, sagt Brigitte Melchers.

Auch Anneliese Wawarta ist froh, dass sie mit ihrem Mann im Ferienhäuschen im Freizeitparadies bald wieder den Sommer genießen kann. Wobei: Die beiden sind das ganze Jahr über immer mal wieder dort. Es gibt genug zu tun. „Er ist der Chef, ich bin der Stift“, sagt sie und lacht.

Hans-Dieter ist ein typischer Hobbyhandwerker. Er hat sich alles selbst angeeignet. Selbst an die Elektrik traut er sich inzwischen ran. Nur vor Gas schreckt er zurück. Ansonsten weiß er sich selbst zu helfen. „Man müsste heutzutage ja auch erst einmal einen Handwerker bekommen“, sagt er.

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Ihr Autor

BNN-Redakteur Holger Siebnich

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Erstellt:
19. März 2022, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 20sec

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