Einfache Sprache: Für alle soll es verständlich sein

Bühl/Baden-Baden (nie) – Daniela Doninger aus Neusatz ist seit Kurzem für den Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband Prüferin für Leichte Sprache.

Daniela Doninger prüft Lehrmaterialien für andere Kursteilnehmer auf Verständlichkeit. Foto: BBS

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Daniela Doninger prüft Lehrmaterialien für andere Kursteilnehmer auf Verständlichkeit. Foto: BBS

Verständlich? Gut erklärt? Weiß ich, was mit diesem einen Satz gemeint ist? Diesen Fragen geht Daniela Doninger akribisch nach. Sie ist seit Neuestem für den Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverband (BBS) Prüferin für Leichte Sprache.

„Nur weil ich es verstehe, heißt das nicht, dass alle es verstehen“, verrät Kim Früh, bei der beim BBS alles zum Thema Inklusion zusammenläuft, die Intension dahinter, Daniela Doninger mit ins Boot zu holen. Schließlich hat es sich der BBS, der seinen Sitz in Sandweier hat, zur Aufgabe gemacht, allen Menschen eine Heimat im Sport zu bieten – egal ob behindert oder nicht behindert.

Co-Trainer-Ausbildung ist sehr gefragt

Vieles läuft dabei im Rahmen des Projekts „Inklusionsoffensive in die Sportvereine“. So sind die engagierten Mitarbeiter in ganz Baden unterwegs, um sich für Menschen mit Behinderung stark zu machen. Sie führen unter anderem Blindensport oder Rollstuhlbasketball in Vereinen und Schulen durch, geben Hinweise zum Rehabilitationssport (kurz Rehasport), halten Vorträge und bieten Aus- und Fortbildungen an.

Eine dieser Ausbildungen ist die zum Co-Trainer, dabei werden Menschen mit geistiger Behinderung so geschult, dass sie in ihren Sportvereinen den Trainern assistieren können. Und dabei sei den Verantwortlichen Daniela Doninger mit ihrer „enormen Hilfsbereitschaft“ und „guten Auffassungsgabe“ sofort ins Auge gesprungen, erzählt Kim Früh.

Für jeden verständlich

Nun steht Daniela Doninger im Mittelpunkt des Pilotprojekts als Prüferin für Leichte Sprache. Die 23-Jährige aus Neusatz habe sofort „Ja“ gesagt, weil „sie die unterstützen möchte, die Hilfe brauchen“, erzählt sie. Ihre Aufgabe ist es, die Einladung, das Anschreiben und alle Materialien für die Ausbildung gegenzulesen und Kim Früh und ihren Kollegen Hinweise zu geben, wo nachgebessert und vereinfacht werden sollte. Nachgebessert wurde beispielsweise schon relativ früh: Hieß die Ausbildung zu Beginn noch „Übungsleiter-Assistent“, sei man von dieser Bezeichnung schnell weggekommen, „Co-Trainer“ sei einfach griffiger und verständlicher.

Leichte Sprache unterliegt laut Kim Früh nämlich strengen Regeln: Die Sätze sollen beispielsweise nicht aus mehr als sechs Wörtern bestehen, nur eine Aussage und keine Konjunktionen enthalten. Und um das Siegel „Leichte Sprache“ zu erhalten, braucht es eine Prüferin.

Zwar habe man mit der Einführung der Co-Trainer-Ausbildung „ein gutes Händchen gehabt“ – die Kurse waren schnell ausgebucht –, doch es habe sich herausgestellt, dass die ausgehändigten Dokumente für die Teilnehmer teilweise doch schwer zu verstehen waren. In den nächsten Kursen sollen es die Teilnehmer daher leichter haben.

„Richtiges Allroundtalent“

Ein paar Umschläge hat Daniela Doninger schon bekommen und zurückgeschickt: Darin enthalten sind dann jeweils die Schriftstücke, die sie bearbeiten soll. Mit lachenden und traurigen Smileys bewertet sie die geschriebenen Sätze. Mittlerweile sei das Prüfen der Texte ein „Hobby“ für die Neusatzerin geworden, das ihr „Spaß macht“ und dem sie nach ihrem Job in der Werkstätte der Lebenshilfe in Sinzheim nachgeht. Überhaupt sei Daniela Doninger ein „richtiges Allroundtalent“, beschreibt Kim Früh. Sie spielt Fußball bei der Lebenshilfe, tanzt in der Mooslandschule und ist im Karateteam Achern aktiv. Dort hat sie auch schon das Gelernte als Co-Trainerin in der Praxis anwenden können.

Kim früh ist begeistert von der Rückmeldung der Teilnehmer des ersten Co-Trainer-Lehrgangs: Manch einer würde nun bei sich im Verein in seiner Assistentenrolle „über sich hinauswachsen“. Und auch Daniela Doninger freut sich „auf jeden Fall darauf“, wenn der Trainingsbetrieb wieder weitergeht. Wenigstens ein bisschen mit Sport zu tun, hat sie bis dahin immerhin durch ihre Prüfaufgabe.

Weitere Infos rund um den BBS und die Angebote gibt es bei Kim Früh unter der Rufnummer (07221) 3961814 oder im Internet.

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Erstellt:
24. Februar 2021, 17:00 Uhr
Lesedauer:
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