Für den SC Freiburg könnte der Europacup Thema werden

Freiburg (mi) – Spielt der SC Freiburg in der kommenden Situation nicht nur in einem neuen Stadion, sondern auch international? BT-Redakteur Michael Ihringer beleuchtet die Situation.

Torwart Florian Müller kehrt nach seiner Blitz-Ausleihe im September erstmals in die Heimat zurück. Foto: Thilo Schmuelgen/Reuters/Pool/dpa

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Torwart Florian Müller kehrt nach seiner Blitz-Ausleihe im September erstmals in die Heimat zurück. Foto: Thilo Schmuelgen/Reuters/Pool/dpa

Für einen Besuch in der Liverpooler Fußball-Kathedrale Anfield Road und ein Handshake mit dem Schwarzwälder Kultkollegen Jürgen Klopp würde Christian Streich einiges geben. Der reisefreudige Trainer, der zu Hause schon mal Klassiker der Beatles hört, würde sich auch mit dem Goodison-Park zufrieden geben, der nur einen Steinwurf entfernt in der Hafenstadt liegt. Dort spielt der FC Everton. Streich hat ebenso zum Nachbarland einen speziellen Bezug, schon deshalb, weil beim SC Freiburg in Jonathan Schmid und Baptiste Santamaria zwei Franzosen mitspielen. Für den Coach käme also ein Trip nach Lyon oder Angers, von wo vor Saisonbeginn Santamaria für zehn Millionen Euro in den Breisgau wechselte, auch einer Lustreise gleich.

Obschon in Südbaden keiner die Weltkugel kreisen lässt und Ermedin Demirovic die SC-Demut schnell verinnerlicht hat („Wenn ich von Europa schwärme, gibt das wohl Ärger im Klub“): Theoretisch könnte der Sport-Club als aktueller Bundesliga-Achter nächste Saison im Europacup landen. Wenn nicht in der Europa League, dann in der von der UEFA neu konzipierten European Conference League, die als dritter Europacup-Wettbewerb ab Sommer die Pforten öffnet. Noch hat sich kein Bundesliga-Verein genauer damit beschäftigt, selbst der Modus ist noch keinem richtig geläufig, doch schon aufgrund zusätzlicher Einnahmen wird die UEFA das Event durchboxen. Dafür reicht Rang sieben, wenn der DFB-Pokalsieger die Bundesliga in den Top sechs beendet. Da Leipzig und Dortmund das Finale mit ziemlicher Sicherheit erreichen werden, wäre dies der Fall.

Geht es nach den letzten Eindrücken der 0:3-Heimniederlage gegen Leipzig, sagen nicht wenige – möglicherweise selbst SC-Fans –, dass dieser Kelch an den Südbadenern vorbeigehen möge. Ein simpler Vergleich: Red Bull, das auch in der nächsten Saison in der Königsklasse vertreten sein wird, konnte es sich leisten, die vier Nationalspieler Konate, Forsberg, Hwang und Kluivert lange auf der Bank zu lassen – und dominierte dennoch, wie es wollte. Wenn beim SC dagegen zwei Innenverteidiger ausfallen, wird es schon eng.

Jonathan Schmid ist seit dem Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05 mit seinem 274. Spiel französischer Rekordspieler in der Fußball-Bundesliga.

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Jonathan Schmid ist seit dem Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05 mit seinem 274. Spiel französischer Rekordspieler in der Fußball-Bundesliga.

Erinnert sei auch an Streichs erste internationale Reifeprüfung. In der Saison 2013/14 quälte man sich durch die Europa-League-Gruppenphase – der Substanzverlust war in Folge so groß, dass seine Schützlinge 2015 letztmals aus der Bundesliga abstiegen. Deshalb wurde 2017 das überraschende Qualifikations-Aus gegen das slowenische Team NK Domzale, das darüber hinaus die Sommervorbereitung beeinträchtigte, nicht allzu sehr betrauert. Streich weiß am allerbesten, dass es angesichts eines überschaubaren Kaders „kompliziert ist, Donnerstag zu kicken und Sonntag wieder“.

Am heutigen Samstagnachmittag wird in Mainz gekickt. Im Hinspiel lieferte der SC beim 1:3 die schlechteste Saisonleistung ab. Torwart Florian Müller kehrt nach seiner Blitz-Ausleihe im September erstmals in die Heimat zurück. „Ich glaube, er freut sich, es gefällt ihm sehr gut bei uns“, sagte Streich. „Es ist ja alles aufgegangen, wie man es sich nicht besser wünschen konnte.“

So sehr der Sport-Club bislang prima durch die Saison gekommen ist: Platz neun oder zehn taugt manchmal mehr als sechs oder sieben. Ein Highlight steht in der nächsten Saison eh an: Der Umzug ins neue, moderne Stadion. Wenn die Fußball-Götter dann auch wieder Fans in Selbiges lassen, freuen sich alle im Breisgau – auch ohne Euro-Fanfare.


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