Für die Inklusion wird’s im Zentrum eng

Rastatt (ema) – Der Barfußschuh-Händler Leguano hat in der Poststraße eröffnet. Den Wunsch, einen barrierefreien Zugang über eine Außenrampe zu schaffen, lehnt die Stadt ab – aus allerlei Gründen.

Seit Samstag ist der Laden Leguano in der Poststraße geöffnet. Eine Rampe? Keine Chance. Foto: Mauderer

© ema

Seit Samstag ist der Laden Leguano in der Poststraße geöffnet. Eine Rampe? Keine Chance. Foto: Mauderer

Der Streit um den Bau einer behindertengerechten Rampe vor der ehemaligen Thalia-Buchhandlung in der Poststraße hat die Stadtverwaltung jetzt dazu veranlasst, die Perspektiven für Maßnahmen im Sinne der Inklusion in der Innenstadt aufzuzeigen. Und die sind eng begrenzt – gerade in der Poststraße. Fragen und Antworten.
Was ist der Auslöser des Zwists?

Der Rastatter Immobilieneigentümer Thomas Hatz wollte vor dem Gebäude, in dem am vergangenen Samstag der Barfußladen Leguano eröffnet hat, eine Außenrampe für die Barrierefreiheit errichten. Im Rastatter Rathaus blitzte er ab, nachdem er monatelang hingehalten worden war. Jetzt stellt die Verwaltung klar: Für eine Rampe in der Einkaufsmeile wird für kein einziges der 19 Ladenlokale eine Chance bestehen.

Warum hält die Verwaltung Außenrampen in der Poststraße nicht für genehmigungsfähig?

Die Stadtplanung verweist darauf, dass es in der Poststraße sehr eng zugeht. Sie ist weniger als elf Meter breit. Damit könne man allein schon die Anforderungen für die Feuerwehr nicht erfüllen. Die Ausmaße einer behindertengerechten Rampe würden nicht mehr ausreichend Platz für die Feuerwehraufstellfläche ermöglichen. Im Wege stünden auch die Bäume mit den Schutzrosten sowie Bänke und Abfallbehälter, die in Verbindung mit den Rampen die Durchquerung insbesondere für Rollstuhlfahrer, Rollatorennutzer und Kinderwagen erheblich erschweren würden. In diesem Zusammenhang scheut die Verwaltung den Nachahmer-Effekt: Wenn jeder der 19 Läden eine Rampe auf der Straßenfläche hätte, wären etliche Fassaden mit Rampen verstellt; teilweise wäre die Gebäudeseite sogar zu kurz für eine Erschließung.


Stadt: Bauherren in der Pflicht

Was schlägt die Verwaltung stattdessen vor?

Die Stadtplanung sieht die Bauherren und Architekten in der Pflicht. Gerade wenn ein Objekt leer stehe, böten sich oft Chancen für „durchdachte Konzepte“ und gegebenenfalls neue Zugänge. Dies wäre auch im konkreten Streitfall möglich, meint man im Rathaus. Mit einer Innenlösung beispielsweise würde zwar vermietbare Fläche verloren gehen, doch dem stünde eine Wertsteigerung entgegen. Außerdem habe die Verwaltung einen klappbaren Treppenlift vorgeschlagen, der nur unwesentlich in den öffentlichen Raum ragen würde. Standpunkt der Verwaltung: Inklusion sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der sich auch Investoren stellen müssten. Sie dürften nicht nur die einfachste Lösung zulasten des öffentlichen Straßenraums suchen. Die Stadt selbst will im Rahmen ihres „Aktionsplans Inklusion“ gute Lösungen für Barrierefreiheit suchen. Das werde indes in der Innenstadt unter anderem durch den Denkmalschutz erschwert: „An vielen Stellen sind deshalb passgenaue Lösungen zu finden, und es gilt, das Machbare aus dem Wünschenswerten herauszuarbeiten.“ Gegebenenfalls müsse man gut erreichbare Hilfs- oder Übergangskons-truktionen entwickeln.

Welche Fördermöglichkeiten bestehen?

Im Rahmen der Sanierungsprogramme „Südliche Innenstadt“ und „Barocke Planstadt“ stellt die Verwaltung Fördergelder für private Investitionen in Aussicht. Einer der Förderschwerpunkte sind die Schaffung barrierefreier Zugänge. Die Maßnahmen müssen allerdings den städtebaulichen Erneuerungszielen entsprechen und den Gebrauchswert von Gebäuden nachhaltig erhöhen – auch bei Ladengeschäften oder Restaurants. In Einzelfällen können auch der Bau von Aufzügen, Rampen oder elektrischen Schiebetüren gefördert werden. Der Förderhöchstsatz liegt bei 30 000 Euro je Maßnahme. Bei bedeutsamen Schlüsselgrundstücken sind sogar bis zu 60 000 Euro möglich.

Wie behilft sich jetzt Leguano?

Für Behinderte, die die Treppe nicht überwinden können, will man den Hintereingang nutzen. Dort ist nur eine Stufe zu bewältigen.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.