„Für die Menschen mache ich Musik“

Gaggenau (tr) – Das neue Projekt von Singer-Songwriter PAT aus Gaggenau heißt „Umwege“ und erzählt viel vom Leben.

PAT komponiert mit seiner Gibson seine Lieder, spielt sie auf der Bühne – dann mit seiner Band. Foto: Lucas Radke

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PAT komponiert mit seiner Gibson seine Lieder, spielt sie auf der Bühne – dann mit seiner Band. Foto: Lucas Radke

Musiker pflegen in der Regel eine eigenwillige Beziehung zu ihren Instrumenten – auch Patrik Heid. Er zerschmettert seine Gitarre auf der Bühne nicht wie einst Pete Townshend von „The Who“ oder legt sie hinter den Kopf, um mit ihr lautstark und exzentrisch zu rocken, wie Jimmi Hendrix: Der als PAT bekannte Singer-Songwriter „streichelt“ und zupft seine Gibson J-45, genannt „Jumbo“, entlockt ihr einen klaren und prägenden Sound. Mit der Akustikgitarre komponiert der Gaggenauer auch seine Lieder.

So sind die meisten seiner neuen Kompositionen für das demnächst erscheinende Album entstanden – vor allem der bereits fertig produzierte Titelsong: „Ich habe einfach meine Gitarre in die Hand genommen und drauflosgespielt“, erzählt der Musiker. Den Text habe er „an einem Stück heruntergeschrieben“.

Dennoch heißt der Titelsong „Umwege“, das neue Album „Auf Umwegen“. Aber natürlich aus anderen Gründen: „Das Stück und viele weitere Songs dieses Projekts handeln von meinem und dem Leben wohl vieler anderer Menschen“, sagt PAT. „Vom Regen zur Sonne, von der Sonne zum Regen“, heißt es zu Beginn des eingängigen Liedes – zunächst begleitet von dem klaren Klang der gezupften akustischen Gitarre, später stimmt ein E-Modell ein, danach ein Keyboard und schließlich tragen kräftige Beats der Drums den Song zum Schlussakkord.

„Auf die Jungs bin ich besonders stolz“

Seine Band sorgt für diesen finalen Sound, Musiker, die PAT schon seit einiger Zeit begleiten – vor der Pandemie mit ihm auf der Bühne standen und die Musik seines neuen Projekts mitprägten. „Auf die Jungs bin ich besonders stolz“, sagt der im beschaulichen Winkel am Fuß des Eichelbergs wohnende Liedermacher. Nicht für sich als Solist oder ein Duo, sondern für die Band habe er diesmal seine Stücke musikalisch angelegt. „Ich mache zu Hause meine Demos, gebe sie den Kollegen, im Studio bringen die Musiker dann ihre eigene Note ein.“ So erklärt PAT auch seine jüngste Entwicklung, vom vor drei Jahren erschienen Album „Richtung Sonne“ bis zu seiner aktuellen Produktion. Das Material dafür ist schon seit zwei Jahren „eingetütet“ – aufgrund der Auftrittsverbote konnte die Formation jedoch bislang allerdings nicht vor Publikum spielen und ihre neuen Songs präsentieren.

Das Titellied gibt es zumindest in einer Solo- und Filmversion, aufgenommen in der menschenleeren Gaggenauer Kleinkunstbühne klag. „Die Atmosphäre unterstreicht die nachdenkliche Message eindrucksvoll.“ Zuhörer und Publikum fehlten ihm und der Band natürlich. „Für sie mache ich Musik. Ich spiele gerne auch mal vor nur 20 oder 30 Leuten. Freue mich, wenn sie von meinen Melodien und Texten berührt werden. Und ich bin jedes Mal auf die Reaktionen gespannt.“

„Meine Gitarre inspiriert mich“

Davon gibt es offensichtlich reichlich, denn längst kennt man PAT nicht nur in der regionalen Musikszene. Begeistert erzählt er von Konzerten in kleinen aber auch größeren Locations in ganz Baden-Württemberg. „In Ulm haben wir vor rund 500 Gästen in einem Musikclub (,Roxy‘) gespielt – und das an einem Montagabend.“ Auf solche Momente und Live-Erlebnisse freue er sich mit seiner Band wieder. „Das macht mein Leben als leidenschaftlicher Musiker und Komponist aus.“

14 Songs werden auf dem neuen Album zu hören sein. Derzeit werden sie final abgemischt, in München folgt das Mastering, ehe sie dann als CD und über verschiedene Streamingdienste online veröffentlicht werden. Das Video des Titelsongs ist schon jetzt auf Youtube zu sehen.

PAT legt Wert auf den Inhalt

Produziert wird das Album von Chris Schottmüller, zur Band gehören Leon Kappenberger (Drums, Vocal), Daniel Weiß (Piano, Vocal), Thomas Frietsch (Bass). Für das Album holte sich der Musiker zudem Hannah Edelmann mit ihrem Cello, Myrta Bauer (Violine), Manuel Sandhaas (Trompete) und Marielle Ober (Gesang und Gitarre) ins Studio. Auch mit Rapper Bimbaz hat PAT – wie schon auf seinem Premierenalbum – wieder einen Titel eingespielt, Markus Lang ist zudem für das Management zuständig.

Auf die Inhalte seiner Lieder legt Patrik Heid besonderen Wert, weshalb er sie auch alle in Deutsch interpretiert: „Ich will Geschichten erzählen – von mir und von anderen. Ich spüre, dass das gut ankommt.“ PAT hat offensichtlich seine richtige Wortwahl und Ausdrucksweise gefunden, ebenso wie den eigenen Sound. Er wird geprägt von eingängigen Gitarrenmelodien und einer kräftigen Dynamik. Texte, Musik und vor allem dieser Sound sollen authentisch sein. „Ich bin froh, Musiker und Produzenten um mich zu haben, um dies auch so verwirklichen zu können.“

Friedenstaube über Bergen

Die Karriere von Joris („Herz über Kopf“), dessen Keyboarder Constantin Krieg auch aus dem Murgtal kommt, nennt PAT als Beispiel, wie ein solches Projekt funktionieren kann. Während „Umwege“ gerade seine Premiere im Internet feiert, am kompletten Album im Studio noch geschliffen wird, denkt der Singer-Songwriter schon an sein nächstes Projekt: „Ich habe einige Melodien schon im Kopf.“ Und auch diesmal werden diese mit seiner Gibson gespielt. „Ich habe mit ihr bislang alle Gigs gespielt, alle Songs komponiert. Sie inspiriert mich sehr – gerade, wenn man intuitiv irgendwas vor sich hin spielt.“

„Workhorse“ (Arbeitstier) und „Jumbo“ hatte der bekannte US-Gitarrenbauer sein legendäres Modell getauft. Buddy Holly hat auf einer solchen Gitarre ebenso viele Hits gespielt und mit ihr komponiert wie Bob Dylan und Bruce Springsteen. John Lennon lernte während des Aufenthalts der „Beatles“ 1968 in Indien auf Donovans „Jumbo“ das Fingerpicking, schrieb daraufhin Songs wie „Dear Prudence“‘ und „Julia“.

Das Pickguard (Schlagbrett) für seine Gibson ließ sich PAT in Seoul handfertigen, zu sehen ist darauf sein Logo: eine Friedenstaube über Bergen. Nicht zufällig ist zu Beginn des Musikvideos ein schwarzer Gitarrenkoffer zu sehen, aus dem PAT seine „Jumbo“ holt, um auf ihr dann die ersten zarten Töne zu zupfen.

www.musikvonpat.de


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