Für ein optimales Klima im Grab

Muggensturm (sl) – Die Gemeinde Muggensturm rüstet ihren Friedhof mit einem System auf, das die Verwesung der Leichname verbessern soll.

Ganz schön aufwendig ist das Errichten der 55 Grabkammern. Vor knapp 20 Jahren hat Muggensturm schon einmal ähnliche Bestattungssysteme eingesetzt. Foto: Gemeindeverwaltung

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Ganz schön aufwendig ist das Errichten der 55 Grabkammern. Vor knapp 20 Jahren hat Muggensturm schon einmal ähnliche Bestattungssysteme eingesetzt. Foto: Gemeindeverwaltung

Wie in manch anderer Gemeinde kann es auf dem Muggensturmer Friedhof teilweise sein, dass beerdigte Leichname selbst nach 20 Jahren noch nicht den Weg der Zersetzung gegangen sind. Den Gang alles Zeitlichen unterstützen sollen nun 55 neue Grabkammern. Sie fördern nicht nur die natürliche Verwesung, erklärt Margita Müller, sondern erleichtern auch die Arbeit der Friedhofsmitarbeiter.

Sarg ruht zwischen Betonwänden

Die für Hoch- und Tiefbau zuständige Architektin des Technischen Rathauses erklärt, wie die Grabkammern aussehen: Es handelt sich um viereckige Betonschächte, etwa einen Meter breit und 2,35 Meter tief. Zwei Särge passen dort hinein. Es handel sich um Tiefgräber mit möglicher Doppelbelegung. Der erste Sarg ruht auf Erdboden und ist von Betonwänden anstelle von Erdreich umgeben. Eine speziell konstruierte Abdeckung regelt den kontrollierten Zutritt von Wasser, wenn es etwa regnet oder das Grab gegossen wird. Denn über der Abdeckung befindet sich eine etwa 40 Zentimeter dicke Schicht Pflanzenerde. „Es ist natürlich möglich, das Grab zu bepflanzen“, betont Müller. Die hohe Luftfeuchtigkeit sei wesentlich für die Zersetzung von Leichnam und Sarg. In der Grabkammer, die auch über ein – von außen aber nicht sichtbares – Be- und Entlüftungssystem verfüge, würden optimale Bedingungen für die Verwesung herrschen.

Lehmboden erschwert Zersetzung

Dass diese ansonsten auf dem Muggensturmer Friedhof nicht die Allerbesten sind, begründet Hauptamtsleiter Claus Gerstner mit einem relativ hohen Grundwasserspiegel und schwerem Lehmboden. Bei Wiederbelegungen von Gräbern könne es vorkommen, dass die bestatteten Leichname und Särge sich noch nicht ganz zersetzt haben.

Das Problem sei nicht neu. Schon vor 17 bis 18 Jahren habe man daher vergleichbare Grabkammern auf dem Muggensturmer Friedhof eingerichtet. Sofern diese nicht verlängert werden, was natürlich möglich ist, könne man demnächst bei Neubelegungen feststellen, wie gut darin die Verwesung vonstattengegangen ist. Im Idealfall sollten keine sterblichen Überreste mehr da sein, so Gerstner.

Weniger Mühe für Friedhofsmitarbeiter

Die 55 neuen Grabkammern befinden sich auf dem Grabfeld 24 beim hinteren Parkplatz. Dort entstehen außerdem 20 Baumwahlgräber. Die Gestaltung mit grünen Flächen und Plattenwegen orientiert sich an den bereits vorhandenen Grabkammerfeldern. Die breiten Wege werden gepflastert.

Die veranschlagten Kosten liegen bei rund 295.000 Euro. Geld, das gut investiert sei, wie Margita Müller findet. Denn neben der besseren Zersetzung machen die Grabkammern auch den Friedhofsangestellten ihre Arbeit vor einer Bestattung einfacher. Sie müssen nämlich nicht mehr das ganze Grab ausheben, sondern nur noch die Schicht Pflanzenerde entfernen und die Abdeckung für die bevorstehende Beerdigung öffnen. Anschließend wird das Grab ebenfalls ziemlich mühelos wieder geschlossen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Sebastian Linkenheil

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Erstellt:
7. Mai 2021, 11:58 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 18sec

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