Für einen grüneren Wald und mehr Qualität

Gaggenau (sga) – Eine Versuchsfläche der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt soll zwischen Michelbach und Freiolsheim für gesunde Bäume sorgen.

Raphael Knapp setzt sich mit dem Projekt sowohl für die Natur, als auch den Holzhandel ein. Foto: Sarah Gallenberger

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Raphael Knapp setzt sich mit dem Projekt sowohl für die Natur, als auch den Holzhandel ein. Foto: Sarah Gallenberger

Hohe Temperaturen, wenig Niederschlag. Es ist kein Geheimnis, dass der Klimawandel der Umwelt schadet. Während in Polargebieten das Eis schmilzt und in Australien die Büsche brennen, leidet auch der Schwarzwald unter der Hitze. Eine Versuchsfläche zwischen Michelbach und Freiolsheim soll nun dazu dienen, klimastabile Waldbestände zu begründen.

Nur wenige hundert Meter vom Waldparkplatz Maiersbild entfernt hat die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) 2018 ein 0,9 Hektar großes Areal eingerichtet. 2.500 Bäume sind dort zu finden – wenn man genauer hinsieht. Denn besonders groß sind die Pflanzen noch nicht. „Das ändert sich noch, die sind ja noch ganz jung“, blickt Andreas Ehring positiv in die Zukunft. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung Wald/Wachstum der FVA sieht er viel Potenzial in der Versuchsfläche.

Bäume leiden unter Trockenschäden

Die Herausforderung, vor die der Klimawandel die Waldökosysteme und ihre Bewirtschafter stellt, ist groß. Wo einst Baumarten wie Fichte und Buche das Forstbild der letzten Jahrzehnte prägten, leiden eben diese immens unter den hohen Temperaturen und fehlenden Niederschlägen. „Bereits heute müssen wir uns die Frage stellen, wie wir unseren künftigen Waldbestand sichern wollen“, erzählt Tobias Volg, Leiter des ForstBW Betriebsteils Westlicher Schwarzwald. Während Buchen großräumig unter Trockenschäden leiden, fallen Fichten dem Borkenkäfer zum Opfer. In den letzten Jahren seien im westlichen Schwarzwald daher über 50 Prozent mehr Holz als üblich eingeschlagen worden.

Deshalb setzen FVA und der Landesbetrieb ForstBW innerhalb der Versuchsfläche auf Alternativbaumarten. Diese stellen dort aufgrund ihrer Eigenschaften (Trockenstresstoleranz, Anspruchslosigkeit an den Boden, hohe Widerstandsfähigkeit gegen Schäden) eine „sinnvolle Ergänzung zu den heimischen Baumarten“ dar, erklärt Volg. Unter wissenschaftlicher Betreuung der FVA seien 2018 jeweils 500 Exemplare der Pflanzenarten angebaut worden – mit Abständen von zwei mal zwei Metern.

Wie hoch werden die Bäume in 60 Jahren wachsen?

Zu den Alternativbäumen gehört die Weißtanne (Herkunft: südliches Mitteleuropa), die im Vergleich zur Fichte stabiler sei und eine geringe Anfälligkeit gegenüber Schädlingen zeige. Außerdem angebaut wurde die Douglasie, die aufgrund ihrer Herkunft (Westliches Nordamerika) kein Problem mit langen Trockenperioden hat und hochwertiges Holz produziert. Und auch Atlaszeder (Marokko), Libanonzeder (Türkei) und Türkische Tanne sind bereits hohe Temperaturen gewohnt.

„Mit diesem Projekt möchten wir sowohl Nachhaltigkeit als auch das Gleichgewicht der Natur erhalten“, erklärt Ehring. Das Forstamt denke an die Zukunft. Deshalb sei es nötig, sich nicht nur mit den heutigen Folgen des Klimawandels auseinanderzusetzen – sondern sich auch die Frage zu stellen: Wie hoch werden unsere Bäume überhaupt noch in 60 bis 70 Jahren wachsen?

Mit der FVA soll regelmäßig untersucht werden, wie sich die Alternativbäume in die Umgebung integrieren. Ist der Standort für sie geeignet? Wie hoch werden die Bäume – und wie viele von ihnen bleiben gesund? „Ein weiteres Thema ist die Qualität des Holzes. Ja, wir wollen primär einen grünen Wald. Aber auch der wirtschaftliche Aspekt spielt eine große Rolle“, meint Raphael Knapp. Er gehört zu den Mitverantwortlichen der Versuchsfläche. Im Landratsamt ist er für den Holzverkauf zuständig. Er wisse, wie sehr auch die Holzindustrie unter dem Klimawandel leidet, weil die Qualität der Materialien in Mitleidenschaft gezogen werde. Deshalb betont auch er: „Wir brauchen gesunde Bäume.“

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Erstellt:
9. Juli 2020, 21:00 Uhr
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