„Für mich muss immer alles perfekt sein“

Baden-Baden (BNN) – Konkurrenz, Prominente und ein Dinner für 39.000 Euro: Darüber und mehr spricht der Direktor von Brenners Park-Hotel & Spa im Interview.

Zufriedene Kundschaft reicht nicht: Gäste von Brenners Park-Hotel & Spa sollen von ihrem Aufenthalt in Baden-Baden begeistert sein. Foto: Bernd Kamleitner

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Zufriedene Kundschaft reicht nicht: Gäste von Brenners Park-Hotel & Spa sollen von ihrem Aufenthalt in Baden-Baden begeistert sein. Foto: Bernd Kamleitner

Ein wenig anders hatte er sich den Start in seinen neuen Job als Hoteldirektor schon vorgestellt. Am 1. Januar 2020 übernahm Henning Matthiesen die Leitung von Brenners Park-Hotel & Spa. Kurze Zeit später kam jedoch die Pandemie. In den vergangenen beiden Jahren musste der Betrieb im weltberühmten Grandhotel immer wieder monatelang ruhen. In diesem Jahr soll alles wieder besser werden. Und es gibt Grund zum Feiern: Die Luxusherberge wird 150 Jahre alt. Mit Matthiesen sprach unser Mitarbeiter Bernd Kamleitner.

Hotelier aus Leidenschaft: Direktor Henning Matthiesen sitzt an einem Tisch im Kaminzimmer. Foto: Bernd Kamleitner

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Hotelier aus Leidenschaft: Direktor Henning Matthiesen sitzt an einem Tisch im Kaminzimmer. Foto: Bernd Kamleitner

BT: Herr Matthiesen, August Oetker, Urenkel des Gründers des Oetker-Imperiums, hat nach langen Sitzungen im Brenners abends im Zimmer mit seinem Vater „Mensch ärgere Dich nicht“ gespielt. Das verrät er in der Festschrift zum 150-jährigen Bestehen. Gehört das Spiel heute noch zur Grundausstattung des Grandhotels?
Henning Matthiesen: Ich glaube nicht, dass das Spiel von damals noch vorhanden ist. Wir haben natürlich Spiele für Kinder. Da gehört auch „Mensch ärgere Dich nicht“ dazu, weil es ein Klassiker ist.

BT: Gibt es in Ihrem Alltag als Hoteldirektor Anlässe, über die Sie sich richtig ärgern können?
Matthiesen: Ich ärgere mich über Dinge, die nicht so funktionieren wie ich das möchte. Für mich muss immer alles perfekt sein. Wenn es das nicht ist, dann ärgere ich mich.

BT: Zum Beispiel?
Matthiesen: Wenn ich morgens aufstehe, dann strebe ich nach den 150 Prozent Leistungsabruf. Sie können sagen, 100 Prozent würden reichen. Aber die 150 braucht man, um in unserer Liga zu spielen. Das kann auf dem Weg zum Hotel ein Papierschnipsel auf dem Bürgersteig in der Schillerstraße sein. Oder irgendwo an der Fassade geht mal eine Glühbirne nicht. Die haben auch die Angewohnheit, mal kaputt zu gehen. Meine Erwartungshaltung an das Team ist es, dass sie diese Dinge auch sehen, bevor ich sie sehe oder der Gast sie sieht. Es geht auch darum, Dinge schon zu erkennen, bevor sie sichtbar oder zum Thema werden könnten.

„Unsere Gäste sind anspruchsvoll“

BT: Sie wollen die Brenners Gäste nicht nur zufriedenstellen, sondern begeistern. Was verzeiht der Gast im Brenners nicht oder nur schwerlich?
Matthiesen: Wenn wir die kostbare Zeit des Gastes nicht in magische Momente umgewandelt haben. Unsere Gäste sind zu Recht sehr anspruchsvoll. Die Erwartungshaltung ist dementsprechend hoch. Sie zahlen in diesem Haus auch einen angemessenen Betrag für die Produkte und den Service und das Ambiente. Zeit ist eindeutig ein Luxusprodukt geworden. Vergeudete Zeit wäre der schlimmste Fall. Wir müssen die Zeit für den Gast perfekt gestalten. Der hat eh schon ein sehr durchgetaktetes Leben. Wir sind diejenigen, die uns seiner verfügbaren Zeit annehmen und sie behutsam mit Ideen oder kleinen Überraschungen etcetera befüllen.

Luxus in Baden-Baden: Das Schlafzimmer einer Junior-Suite in Brenners Park-Hotel & Spa an der Lichtentaler Allee. Foto: Bernd Kamleitner

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Luxus in Baden-Baden: Das Schlafzimmer einer Junior-Suite in Brenners Park-Hotel & Spa an der Lichtentaler Allee. Foto: Bernd Kamleitner

BT: Gibt es Angebote, die die Gäste besonders gerne wahrnehmen? Sie laden zum Beispiel zum Picknick-Ausflug mit dem hauseigenen VW-Oldtimer-Bulli Oscar ein.
Matthiesen: Die Nähe zur Natur ist immer gefragt. Picknick-Angebote nehmen die Gäste sehr gerne an. Wir haben einen Basis-Picknick-Korb. Die Luft nach oben ist da offen. Da kann man kreativ sein.

BT: Was macht den Aufenthalt im Brenners aus?
Matthiesen: In unserem Beruf macht der Mensch den Unterschied aus. Das spiegeln uns auch viele Gäste wider. Wir haben Silberlöffel, Silberkannen, tolles Geschirr, Marmorbäder und tolles China-Porzellan, wenn Sie abends zum Essen gehen. Aber am Ende des Tages ist es der Mensch, der den Unterschied macht. Wir hatten gerade Einführungstage für 22 neue Mitarbeiter. Da erzähle ich gerne die Geschichte, wie wir den Kaffee servieren.

BT: Wie geht die?
Matthiesen: Das mag banal klingen, aber jeder einzelne Kaffee, und das sind einige Hundert an einem Tag, der muss perfekt sein. Jeder Gast hat diesen einen Kaffee in diesem besonderen Rahmen und in seiner wertvollen Zeit im Brenners. Aber der Kaffee allein reicht nicht. Es ist der Mensch, der den Kaffee bringt. Sie werden sich als Gast hundertprozentig nicht an den einen Kaffee erinnern, den Sie vor zwei Wochen im Hotel getrunken haben, aber an den Menschen, der ihn gebracht hat und den Rahmen des Produkts gibt. Der Mitarbeiter macht den Unterschied – und das ist es, was dieses Hotel auszeichnet. Die Menschen arbeiten hier nicht nur, sie leben das Hotel.

„Gesundes Leben“ im Vordergrund

BT: Das Brenners besteht aus vier Säulen: Dem Hotel, der Gastronomie sowie dem Medical Care mit ärztlichen Angeboten und dem Spa- und Wellnessbereich. Bei Letzterem war das Brenners vor gut 40 Jahren Vorreiter in Deutschland und Europa. Was zeichnet das heutige Angebot aus?
Matthiesen: In den 80er- oder 90er-Jahren erwartete der Gast von einem Hotel-Spa den Pool, eine Sauna und vielleicht noch eine Massage dazu. Unser Angebot schlägt eine Brücke zum Thema Gesundheit. Dabei gehen wir einen Schritt weiter: Das kann das Personal Training sein, Physiotherapie oder in Richtung Ernährungsberatung gehen. Gesund bleiben ist unser Fokus, nicht gesund werden. Wir sind keine Klinik. In der 150-jährigen Geschichte des Brenners gab es immer eine Beziehung zum Thema Gesundheit, auch über die Schwarzwaldklinik unter unserem Dach in den 70er-Jahren hinaus. Das gesunde Leben stand in dieser Stadt mit den Thermen immer im Vordergrund. Die Gäste sind in die Sommerresidenz Europas nicht nur wegen des guten Essens, sondern auch wegen der Natur und dem Thermalwasser gekommen. Der Gesundheitsaspekt entwickelt sich anhand der Bedürfnisse und Erwartungshaltung der Gäste immer weiter.

Salon der Villa Stéphanie: 5.000 Quadratmeter sind ausschließlich dem Wohlbefinden der Gäste der Villa gewidmet. Foto: Bernd Kamleitner

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Salon der Villa Stéphanie: 5.000 Quadratmeter sind ausschließlich dem Wohlbefinden der Gäste der Villa gewidmet. Foto: Bernd Kamleitner

BT: Das 150-jährige Bestehen ist ein Grund zum Feiern. Zum 125. Geburtstag gab es ein Fest in der Schillerstraße. Steht so etwas erneut auf dem Plan?
Matthiesen: Wir haben darüber gesprochen. Wir halten es für wichtig, dass das Benners sich gegenüber der Stadt offen zeigt. Wir sind ja keine Insel in Baden-Baden. Letztendlich sind wir zu unserer „Genussreise“ gekommen. Die besteht aus monatlichen Gourmet-Angeboten. Darunter gibt es ein Brillant-Dinner für 39.000 Euro – inklusive wertvollem 1,5 karätigem Edelstein.

BT: Kritische Stimmen reklamieren, das passe nicht in diese Zeit. Passt es?
Matthiesen: Passt ein Maserati für 600.000 Euro in diese Zeit? Oder ein Privatflugzeug? Was passt schon in welche Zeit? Über diese Frage kann man endlos diskutieren. Das Brillant-Dinner ist ein Highlight zum Jubiläum. Es ist aber nicht so, dass wir im Safe zehn oder mehr Exemplare liegen haben. Wir haben das mit Juwelier Leicht konzipiert, weil wir mit einem Brillanten-Dinner mal angefangen haben. Das Dinner für 1.900 Euro mit einem 0,25 karätigem Edelstein haben wir mal gemacht, weil wir dachten, dass wir da ein oder zwei an den Gast bringen. Inzwischen wurden davon aber schon einige Abendmessen mehr gebucht. Wenn wir die exklusive Variante nicht anbieten, werden wir auch nie wissen, ob sie nachgefragt wird (lacht).

BT: Wie wichtig ist im Luxushotel das Thema Regionalität der Produkte?
Matthiesen: Das geht bei uns schon beim Frühstück los. Auf unserer Frühstückskarte können sie die Herkunft vieler Produkte entnehmen. Für den Wolfsbarsch fehlt allerdings das Meer. Für manche Produkte müssen wir daher schon weitergehen, um sie zu bekommen. Aber das Thema Regionalität und Nachhaltigkeit ist für mich als Arbeitgeber und für unsere Mitarbeiter ein Thema. Das Haus hat für die Region auch noch eine weitere Strahlkraft. Das fängt beim Bezug von Getränken und Speisen an. Das geht bei der Wäsche weiter. Wir brauchen auch permanent Handwerker für Arbeiten, die wir nicht selbst erledigen oder warten können. Wir ernähren nicht nur Familien der 300 Mitarbeiter, die hier arbeiten.

„Wir können nicht alles regional beziehen“

BT: Es gibt auch Park-Honig?
Matthiesen: Wir haben zwei Bienen-Völker, die seit vielen Jahren vom ortsansässigen Imker Günther Kolb betreut werden. Der Bezug zur Lokalität ist uns wichtig. Aber wir können natürlich nicht alles regional beziehen. Dafür ist die Bandbreite, die wir benötigen, zu groß.

BT: Im vergangenen Sommer gab es einen deutlichen Zuwachs an deutschen Gästen. Gilt das inzwischen auch für ausländische Gäste?
Matthiesen: Aus dem europäischen Ausland ja. Auch die Nachfrage aus Deutschland ist sehr gut gewachsen. Über Europa hinaus ist es noch ein wenig verhalten. Wir sehen aber jetzt schon erste Zeichen der Erholung. Im Mai sind wir bei den Vorbuchungen schon über dem Stand vom Mai 2019, also vor der Pandemie. Das ist ein positives Zeichen und ein positives Signal an uns, dass es in die richtige Richtung geht. Ich bin zuversichtlich, dass wir im Sommer ein gutes Geschäft haben werden.

BT: Wie sieht es bei den russischen Gästen aus?
Matthiesen: Wie schon zu Pandemie-Zeiten ist das Geschäft aus Russland weiterhin schwach.

BT: Wo sehen Sie noch Potenzial?
Matthiesen: Wir gehen das sehr strukturiert und gezielt an. Wir reisen nicht einfach irgendwo hin und preisen das Hotel an. Unser Verkaufsteam ist aber permanent unterwegs. Wir waren in Indien und sind gerade im Mittleren Osten und in England unterwegs. Auch Amerika ist ein wichtiger Markt für uns. Zu unseren Partnern auf internationaler Ebene halten wir ständig Kontakt. Das ist wichtig.

„Die Häuser gehören zur Geschichte der Stadt“

BT: Baden-Baden hat zwei große Hotel-Baustellen: den Badischen Hof und den Europäischen Hof. Braucht die Bäderstadt noch mehr Luxushotels?
Matthiesen: Wenn diese Hotels wieder an den Start gehen, ist das gut, weil sie die Vermarktung in ihren jeweiligen Segmenten tätigen. Die Häuser gehören zur Geschichte der Stadt. Jeder, der diesen Sehnsuchtsort außerhalb, egal ob im In- oder Ausland vermarktet, um Geschäft zu genieren, ist ein zusätzliches Argument für Baden-Baden. Konkurrenz belebt immer das Geschäft. Der Gast, der in einem anderen Hotel wohnt, wird vielleicht mal bei uns essen gehen oder irgendwann auch mal hier wohnen. Wir hatten über Ostern viele Gäste, die von Baden-Baden begeistert waren. Das zu erreichen, ist eine Aufgabe für uns alle. Kein Hotel ist für sich alleine da. Es geht darum, die Destination attraktiv zu machen. Baden-Baden ist ein Sehnsuchtsort. Das müssen wir nach außen tragen.

BT: Glauben Sie an ein Luxushotel im Neuen Schloss?
Matthiesen: Es ist echt schön da oben mit dem tollen Blick. Wie es da weitergeht, kann ich aber auch nicht sagen.

BT: Könnten Sie der Familie Oetker nicht ein Engagement im Schlosshotel Bühlerhöhe ans Herz legen, das im Dornröschenschlaf liegt?
Matthiesen: Nein (lacht).

BT: Okay, das liegt auf Bühler Gemarkung…
Matthiesen: Das meine ich nicht. Das Schlosshotel hat eine wahnsinnig große Geschichte. Wir sind in Baden-Baden schon gut aufgestellt. Der Weg von der Bühlerhöhe ins Festspielhaus wäre auch ein bisschen lang (lacht).

„Jeder ist Gast“

BT: Das Brenners lebt auch von prominenten Gästen. Unterscheiden die sich von „normalen“ Gästen?
Matthiesen: Jeder, der durch die Tür kommt, ist für uns Gast. Manche stehen im öffentlichen Leben und suchen eher einen Rückzugsort. Ebenso gibt es Gäste, die glücklich sind, in einem vollen Restaurant zu sitzen und mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Wir machen bei unseren Gästen aber keine Unterschiede. Wir sind Profis genug, nicht den Fokus nur auf eine Person zu legen. Das haben wir 150 Jahre gelebt.

BT: Wenn Sie einen Prominenten persönlich einladen dürften, wer wäre das?
Matthiesen: Da muss ich überlegen. Es gab einen Rennfahrer, der lebt leider nicht mehr. Ich meine Ayrton Senna. Ich finde es faszinierend, wie er jedes Mal mit seinem Team eine absolute Performance bei seinen drei Weltmeistertiteln ablieferte und sich selbst immer wieder pushte. Am liebsten sitze ich aber mit meiner Frau beim Abendessen.

Ihr Autor

BNN-Redakteur Bernd Kamleitner

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Erstellt:
19. Mai 2022, 06:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 6min 50sec

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