Für ungeimpfte Studierende wird es teuer

Karlsruhe/Freiburg (naf) – Im Wintersemester gilt die 3-G-Regel als Bedingung für den Präsenzunterricht an Unis. Ohne eine Sonderregelung kommen auf ungeimpfte Studierende damit erhebliche Kosten zu.

Weganweisungen nicht nur im Hörsaal: Ungeimpften Studierenden wird für einen reibungslosen Ablauf des Semesters nahegelegt, sich impfen zu lassen. Foto: Martin Schutt/dpa

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Weganweisungen nicht nur im Hörsaal: Ungeimpften Studierenden wird für einen reibungslosen Ablauf des Semesters nahegelegt, sich impfen zu lassen. Foto: Martin Schutt/dpa

Das halbe Studium hinter sich, ohne einen einzigen Vorlesungssaal betreten zu haben: Die bisherigen Semester vieler, die 2020 mit ihrem Studium begonnen haben, verliefen alles andere als normal. Das soll sich zum Winter nun ändern. Die 3-G-Regelung ist Bedingung für den Präsenzunterricht an Universitäten, erschwert den Unibesuch für Ungeimpfte gleichzeitig jedoch erheblich.
„Die Teilnahme an Präsenzveranstaltungen und die Nutzung von studentischen Lernplätzen in geschlossenen Räumen ist von dem Vorliegen eines Impf-, Genesenen- oder Testnachweises (...) abhängig“, heißt es in der seit gestern gültigen Corona-Verordnung Studienbetrieb. Wer nicht geimpft ist, muss einen tagesaktuellen negativen Corona-Test vorweisen, um am Unileben teilnehmen zu können. Die Kosten für die zwischen 18 und 40 Euro teuren Antigen-Schnelltests trägt der Bund jedoch nur noch bis zum 11. Oktober, danach heißt es: Selbst in die Tasche greifen.

Auf ungeimpfte Studierende würden somit erhebliche Mehrkosten zukommen, sollte es keine Sonderregelung für sie geben. Die täglichen 18 Euro für einen Test summieren sich zu monatlich 360 Euro, bei 30 Euro pro Test wären es sogar 600. Weniger gut situierte Studierende hätten somit einen Nachteil gegenüber denen, die sich die regelmäßige Testung leisten können, eine Corona-Impfung würde forciert werden. Ob alle Präsenztermine, wie notwendige Praktika, durch Onlineveranstaltungen ersetzt werden können oder inwiefern eine Anwesenheitspflicht besteht, bleibt weiterhin fraglich.

Bundeseinheitliche Regelung sei wünschenswert

„Ob die Tests für die Gruppe der Studierenden kostenfrei sein können, wird derzeit noch geprüft“, erklärt das zuständige Wissenschaftsministerium auf BT-Anfrage. Auch soziale Aspekte würden bei der Prüfung eine Rolle spielen. „Denkbar ist auch eine Übergangszeit ohne finanzielle Hürden, zumindest am Anfang“, so der Pressesprecher des Ministeriums, Roland Böhm. Eindeutige Vorgaben neben der 3-G-Regel gibt es allerdings noch keine. Aus Sicht des Wissenschaftsministeriums wäre eine länderübergreifende und bundeseinheitliche Regelung wünschenswert.

Nach ersten Rückmeldungen aus Umfragen, ergänzt Böhm, gehen einige Hochschulen derzeit von einer sehr hohen Impfquote unter den Studierenden aus. Gerechte Lösungen für Ungeimpfte müssen dennoch gefunden werden. Das Thema beschäftigt die Studierenden – trotz hoher Impfquote. An der Universität in Freiburg haben bereits einige per E-Mail angefragt, wie es mit den Corona-Tests nach dem 11. Oktober weitergeht, bestätigt Uni-Pressesprecherin Rimma Gerenstein. Im Rahmen der Bürgertestung stünden allen Interessierten aktuell noch zwei Testzentren auf dem Gelände der Universität in Freiburg offen.

Auch hier blickt man auf die Politik: „Die Universität Freiburg beschließt zu den Testungen keine eigenen Regeln“, erklärt Gerenstein. In Zukunft werde die Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums umgesetzt, die allerdings noch nicht beschlossen ist.

Keine eigenständige Testung an Universitäten

Auch in Karlsruhe verweist man auf die Verantwortung seitens der Regierung. „Das KIT wird als staatliche Hochschule keine eigenen Testangebote aufbauen“, sagt Pressesprecherin Monika Landgraf. „Es ist demnach damit zu rechnen, dass Personen, die aus freier Entscheidung ungeimpft sind, ab Mitte Oktober nur noch mit kostenpflichtigen Tests an Präsenzveranstaltungen am KIT teilnehmen können.“ Für das Wintersemester plane die Technische Universität eine Mischung aus Präsenzformaten und digitalen Lehrveranstaltungen. Generell strebe man an, so Landgraf, im Wintersemester wieder deutlich mehr in Präsenz anzubieten.

Für die seit Monaten unter den Beschränkungen der Corona-Maßnahmen leidenden Studierenden ist das ein Lichtblick, für Ungeimpfte unter ihnen kann es zum großen Problem werden. „Ausdrücklich schließt sich das KIT dem Aufruf der Landesregierung an alle Studierenden an, sich rechtzeitig vor Beginn des Wintersemesters vollständig impfen zu lassen“, ergänzt Landgraf.

Eine Sprecherin des Studierendenwerks Karlsruhe berichtet indes, dass die Studierenden im Allgemeinen „trotz der sich immer wieder ändernden Corona-Regeln größtenteils Verständnis haben und sich vorbildlich verhalten“.


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