Für viele Gaskunden wird es teurer

Karlsruhe (BT/BNN) – Eine Umfrage bei Energieanbietern in der Region zeigt: Stadtwerke in mittelbadischen Kommunen rechnen mit einer Preiserhöhung.

•Blick auf den Gaszähler: Schon vor dem Ukraine-Krieg war Erdgas immer teurer geworden. Foto: Frank Mächler/dpa

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•Blick auf den Gaszähler: Schon vor dem Ukraine-Krieg war Erdgas immer teurer geworden. Foto: Frank Mächler/dpa

Von Frank Löhnig, Heike Schaub, Swantje Huse, Heidi Schulte-Walter, Pascal Schütt, Christof Bindschädel, Edith Kopf, Dirk Neubauer

Der Karlsruher Energiekonzern EnBW machte damit jüngst bundesweit Schlagzeilen: Ab Juli erhöht das Unternehmen in der Grundversorgung den Gaspreis um knapp 35 Prozent. Der Ukraine-Krieg habe die heikle Lage auf den internationalen Energiemärkten weiter verschärft, lautet die Begründung aus der Konzernzentrale in der Durlacher Allee.

Beim Strom werde hingegen zum 1. Juli der Wegfall der EEG-Umlage komplett an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben. In der Grundversorgung sinken die Stromkosten so um gut zwölf Prozent, bei Wärmestrom um annähernd 19 Prozent.

Doch wie agieren andere Energieversorger in der Region? Unsere Mitarbeiter Edith Kopf, Dirk Neubauer, Christof Bindschädel, Pascal Schütt, Heidi Schulte-Walter, Swantje Huse und Heike Schaub haben recherchiert. Im Folgenden ein Überblick ausgewählter regionaler Versorger:

Karlsruhe
Die Stadtwerke Karlsruhe haben ihre Gaspreise zuletzt zum 1. April um teilweise mehr als 50 Prozent erhöht. Der Beschluss des Aufsichtsrates fiel allerdings Anfang Februar – also weit bevor sich die Situation durch den Ukraine-Krieg zusätzlich verschärfte. Dass die Stadtwerke bald ein weiteres Mal an der Preisschraube drehen, ist nicht ausgeschlossen. Sprecher Markus Schneider verwies erst vor wenigen Tagen im Gespräch mit dieser Zeitung darauf, dass sich die Bezugspreise für Gas von April 2021 bis April 2022 um 380 Prozent erhöht hätten. Man komme nicht umhin, diese Steigerung an die Kunden weiterzugeben, so Schneider, ohne weiter ins Detail zu gehen. Die Strompreise der Karlsruher Stadtwerke werden vermutlich zum 1. Juli um bis zu elf Prozent steigen. Auch dieser Beschluss stammt aus dem Februar.

Rastatt
In Rastatt sieht der Blick in die Zukunft eher düster aus. „Wir legen unseren Kunden nahe, von stark steigenden Energiepreisen in der persönlichen Haushaltsplanung insbesondere für das Jahr 2023 auszugehen“, heißt es von den dortigen Stadtwerken. Sie planen zwar, den Wegfall der EEG-Umlage zum 1. Juli an ihre Strom-Kunden weitergeben. Allerdings sei davon auszugehen, dass zum Jahreswechsel eine „sehr deutliche Erhöhung“ von möglicherweise mehr als 30 Prozent kommen wird. Diese ist laut Marketing-Abteilung auf das „extreme Großhandelsniveau“ zurückzuführen. Die Gaspreise werden vorerst gleich bleiben. Eine Erhöhung sei jedoch noch in der zweiten Jahreshälfte denkbar – in welcher Höhe, lassen die Stadtwerke offen. Letztmals waren die Gaspreise für Kunden der Rastatter Stadtwerke zum Jahresbeginn, also noch vor dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs, gestiegen.

Baden-Baden
Ganz ähnlich sieht es für Kunden der Stadtwerke Baden-Baden aus: Zwar sinkt der Strompreis zum 1. Juli und soll auch bis Jahresende stabil bleiben. Aber beim Gas gibt es diese Zusage nicht. „Aktuell spricht sehr viel dafür, dass in der zweiten Jahreshälfte eine Erhöhung anstehen könnte“, heißt es von dem Energieversorger. Über die Höhe könne man derzeit aber nichts sagen.

Gaggenau
Auch die Stadtwerke Gaggenau wollen die Absenkung der EEG-Umlage an die Kunden weitergeben. Dies gilt sowohl für die Grundversorgung als auch für alle Sonderverträge. „Für die Sparte Gas sind aktuell keine Änderungen geplant“, so Vertriebsleiter Bertram Müller.

Achern
„Unsere Erdgaspreise sind weniger stark gestiegen als bei anderen Unternehmen“, unterstreicht Yvonne Schweickhardt von der Freiburger Badenova, die den nördlichen Ortenaukreis mit versorgt. Man verfolge eine langfristige Beschaffungsstrategie. Dennoch könne man eine Erhöhung des Gaspreises auch für Altkunden noch in diesem Jahr nicht ausschließen. Dies könne nach und nach mit dem Ende der Laufzeittarife erfolgen. Als Grundversorger habe man Ende vergangenen Jahres mehrere Tausend Kunden neu aufnehmen müssen, da einige Anbieter die Lieferung eingestellt hätten oder gar in Insolvenz gegangen seien. Für sie würden andere Preise gelten, da man sich das Gas zu hohen Preisen an den Börsen beschaffen musste. Die Preise änderten sich zum 1. Mai für alle Kunden in der Grund- und Ersatzversorgung, die vor dem 22. März in Belieferung gegangen sind. Das diene auch dem Schutz der Altkunden, die ansonsten für die hohen Preise mit hätten aufkommen müssen.

Ihr Autor

BNN-Redakteur Dirk Neubauer

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Erstellt:
12. Mai 2022, 06:54 Uhr
Lesedauer:
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