Fundamente der Geschichte

Rastatt (sl) – Schon seit der Steinzeit siedelten Menschen im heutigen Mittelbaden. Was Archäologen an Zeugnissen im Boden entdeckten, zeigt das Stadtmuseum Rastatt bald in einer neuen Abteilung.

Der Iffezheimer Reiter wird ein Glanzstück des neuen Ausstellungsbereichs. Er schlummerte bislang im Zentralen Fundarchiv in Rastatt. Foto: Landesamt für Denkmalpflege

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Der Iffezheimer Reiter wird ein Glanzstück des neuen Ausstellungsbereichs. Er schlummerte bislang im Zentralen Fundarchiv in Rastatt. Foto: Landesamt für Denkmalpflege

Während der coronabedingten Schließung des Rastatter Stadtmuseums für das Publikum wird hinter den Kulissen fleißig gearbeitet. Museumsleiterin Iris Baumgärtner widmet sich derzeit unter anderem der Detailplanung für eine neue Präsentation der archäologischen Sammlungen innerhalb der Dauerausstellung. Die Stücke reichen von der Steinzeit über die römische und keltische Antike bis zum frühen Mittelalter. Glanzlicht soll das Original des sogenannten Iffezheimer Reiters werden, eine Dauerleihgabe des Archäologischen Landesmuseums.
Wer den lohnenden Rundgang durch die bestehende Dauerausstellung des Rastatter Stadtmuseums macht, könnte den Eindruck gewinnen, dass die Geschichte der einstigen Residenz- und Festungsstadt so richtig erst mit dem Bau des Rastatter Schlosses beginnt. Auch wer sich in Rastatt und seinem Umland nach baulichen Zeugnissen der Zeit vor 1700 umsieht, wird nur vereinzelt fündig. Das heißt aber nicht, dass im Mittelbaden vorher tote Hose gewesen wäre. Vielmehr haben die verheerenden Kriege des 17. Jahrhunderts, besonders der Pfälzische Erbfolgekrieg, wenig Sichtbares übrig gelassen. Es sei denn, es schlummerte im Boden.

Wenn (bis jetzt) auch die ganz großen Sensationen fehlen, so sind doch die Funde aus der Erde des Landkreises Rastatt nicht von schlechten Eltern. Vieles davon ist im Badischen Landesmuseum Karlsruhe zu sehen, doch manches interessante Stück lagert seit Jahrzehnten im Depot des Rastatter Stadtmuseums, war allenfalls 2011 in der viel beachteten Sonderausstellung „Spuren früher Zeiten“ zu bestaunen, die Gerhard Hoffmann, preisgekrönter Kenner der Ur- und Frühgeschichte der Region, kuratierte. Seine Erkenntnisse sind laut Baumgärtner auch fast zehn Jahre später eine wichtige Grundlage für die Neupräsentation. Ihren Platz findet die neue Abteilung im renovierten Kellergeschoss des Stadtmuseums. Man kann also künftig – bildlich gesprochen – in die Tiefe der Vergangenheit zu den Fundamenten der Geschichte hinabsteigen. Der Gemeinderat hatte schon vor einem Jahr hierfür 160 000 Euro bewilligt. Wenn alles glatt läuft, werden ab November Alltagsgegenstände wie Gefäße, Waffen, Pferdegeschirr und Schmuck gezeigt, ergänzt um museumspädagogische Elemente nicht nur für Schulklassen und Kindergartengruppen. Vorgesehen sind mediale Animationen und Hörstationen sowie Gelegenheiten zum Experimentieren.

Funde aus dem ganzen Landkreis

Die archäologische Abteilung wird nicht in erster Linie Rastatter Stadtgeschichte erzählen. Die Funde stammen nicht alle aus dem heutigen Stadtgebiet, sondern aus dem ganzen Landkreis, zum Beispiel aus Hügelsheim mit dem Heiligenbuck oder aus Durmersheim, wo gerade der Gestadebruch eine wahre Fundgrube an frühen Artefakten ist, wie Baumgärtner berichtet, aber auch von der anderen Rheinseite aus dem Raum Seltz, wo es ein römisches Kastell gab. „Damit wollen wir unser Haus auch als Museum für die ganze Region positionieren“, macht sie klar. Das Glanzstück der künftigen Schau, der sogenannte Iffezheimer Reiter, wurde ebenfalls nicht in Rastatt, sondern auf Iffezheimer Gemarkung gefunden. Aus Rastatt, vom Röttererberg, um genau zu sein, stammen dafür aber zwei Mammutzähne – die ältesten Stücke der neuen Abteilung. Sie kamen als Geschenk des Bauunternehmers Eduard Degler schon ganz zu Beginn der Sammlungstätigkeit in die Bestände – das ist schon 125 Jahre her.

Städtische Sammlung feiert Jubiläum

Anlass der neuen Präsentation ist nämlich das Jubiläum der städtischen Sammlung, das dieses Jahr eigentlich gefeiert werden sollte. Ein vorgesehenes Jubiläumsprogramm aus stadtgeschichtlichen Vorträgen soll später nachgeholt werden, blickt Baumgärtner in die Zukunft nach Corona. Auch eine Publikation mit detailreichen Beiträgen zur Historie Rastatts von Wolfgang Reiß ist in Vorbereitung. Der ehemalige Stadtarchivar hatte die Aufsätze seinerzeit zuerst im Badischen Tagblatt veröffentlicht.

Die laufende Sonderausstellung „Marianne Gaiser – Ein musisches Zeitfenster: Malerei und Kunst am Bau“ hat das Stadtmuseum angesichts der aktuellen Schließung bis 4. Oktober verlängert.

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Erstellt:
4. Mai 2020, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 50sec

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