Fußball: Kracher im Bezirkspokal-Halbfinale

Gaggenau (rap) – Der Amateur-Fußball erwacht aus dem Dornröschenschlaf: Am Wochenende finden die Bezirkspokal-Halbfinals statt. Am Samstag empfängt die Spvgg Ottenau den FV Bad Rotenfels zum Derby.

„Halbfinale, Derby, viele Zuschauer, da treibt es doch bei jedem den Puls hoch“, sagt Alexander Merkel (Mitte). Foto: Archiv

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„Halbfinale, Derby, viele Zuschauer, da treibt es doch bei jedem den Puls hoch“, sagt Alexander Merkel (Mitte). Foto: Archiv

Alexander Merkel hat schon viel erlebt in seiner langen Fußballkarriere: Rauschende Derbysiege mit dem SV 08 Kuppenheim in der Verbandsliga, tagelange Partys mit dem SV Linx nach dem Oberliga-Aufstieg. Selbst ein DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg – damals noch Bundesligist – steht in der Vita des Murgtälers. Doch wenn der Mittelfeldspieler am Samstag um 18 Uhr mit der Spvgg Ottenau den Rasen betritt, dürfte der 31-Jährige einen (durchaus kuriosen) Rekord aufstellen. Einen, der wohl in der ganzen Bundesrepublik Bestand hat.

Denn die erste Partie für Merkel als Spielertrainer ist gleich mal ein Halbfinale. Klingt verrückt, ist es auch. Denn durch die Corona-Pandemie wurde der Bezirkspokal im vergangenen Herbst unterbrochen, nun werden heute und morgen die Halbfinals nachgeholt – und zwischenzeitlich hat Merkel das Trainer-Zepter in Ottenau im Sommer von Hubert Luft übernommen. Zum Einstand also gleich mal ein K.o.-Spiel. Und als Kirsche auf der fetten Fußball-Torte ist seine Premiere sogar ein Derby – der FV Bad Rotenfels gastiert im Murgstadion. „Das ist durchaus kurios, absolut“, sagt Merkel. „Einen schöneren Start nach so einer langen Pause kann es gar nicht geben, für mich persönlich, aber auch für die gesamte Mannschaft. Halbfinale, Derby, viele Zuschauer, da treibt es doch bei jedem den Puls hoch“, sagt der Spvgg-Coach.

Ab 300 Zuschauer herrscht Maskenpflicht

Man hört förmlich die Vorfreude auf die Begegnung in Merkels Stimme, auch wenn er und sein Co-Trainer Norman Riedinger personell nicht aus dem Vollen schöpfen können. Sommer ist immer Urlaubszeit, aber auch vier, fünf angeschlagene Spieler hat die Vorbereitung bereits gebracht. „Da müssen wir schauen, wer rechtzeitig fit wird“, sagt Merkel, der ein „schweres Spiel“ erwartet. Schließlich kennen sich beide Mannschaften aus der Bezirksliga, das Stammpersonal ist über die vergangenen Jahre nahezu gleich geblieben. „Natürlich kennen wir die Stärken vom FV Bad Rotenfels, aber auch die Schwächen.“ Beide Mannschaften seien naturgemäß – nach so einer langen Zwangspause und relativ kurzer Vorbereitungszeit – noch nicht bei 100 Prozent. „Die Zuschauer sollten daher auch den einen oder anderen Fehlpass verzeihen“, hofft Merkel und lacht. „Wichtig ist doch, dass der Ball endlich wieder rollt. Wir alle sollten, trotz der Rivalität, den Moment genießen“, findet Merkel, der ohnehin „viele Freundschaften“ zu Rotenfelser Spielern hegt.

Groß ist die Vorfreude auch bei Markus Quarz, dem Abteilungsleiter Fußball bei der Sportvereinigung. „Wir hoffen auf ein tolles Spiel und viele Zuschauer“, sagt Quarz. Die derzeitige Corona-Verordnung erlaube bis zu 1.500 Zuschauer, ab 300 herrsche jedoch auf dem Sportgelände eine Maskenpflicht, so Quarz. „Wir können nur an die Vernunft aller appellieren, dass das Hygienekonzept eingehalten wird. Aber da bin ich absolut guter Dinge.“

Auch die Verantwortlichen des FV Baden-Oos fiebern dem Halbfinale gegen den FC Lichtental am Sonntag (16 Uhr) entgegen – und erwarten eine Vielzahl an Zuschauern. Aufgrund der Corona-Vorgaben ist eine Kontaktdatenerfassung weiterhin notwendig, dies bietet der FVB zwar per Luca-App an, aber eben auch mit einem Kontaktzettel. „Wenn möglich sollten die Zuschauer relativ frühzeitig am Sportplatz sein, damit wir mit der Datenerfassung kein Problem bekommen“, erklärt der FVB-Vorsitzende Thomas Fritz.

FV Baden-Oos ohne Cupic

Auf dem Platz möchte der FV Baden-Oos ebenfalls keine Probleme bekommen und ins Finale einziehen. „Klar, das ist das Ziel. Im Pokal will man immer im Endspiel stehen“, sagt Trainer Pantelis Kalpakoglou, der einfach nur „pure Freude“ empfindet, dass der Ball endlich wieder rollt. Und für seine Truppe wird es das erste Spiel überhaupt seit Ende Oktober 2020 sein, da das Vorbereitungsspiel in dieser Woche aufgrund des Unwetters ins Wasser fiel. „Das ist schade, dadurch haben wir keine Spielpraxis. Dennoch stehen uns schöne Wochen mit dem Derby gegen Lichtental, einem möglichen Finale und der Teilnahme an der SBFV-Qualirunde bevor“, sagt „Pante“, der allerdings auf seinen Kapitän Sven Cupic (Ellenbogen-OP) verzichten muss. „Dennoch werden wir mit einer schlagkräftigen Truppe auflaufen“, verspricht der FVB-Coach. Der FC Lichtental sei nach etlichen Abgängen zwar in der „Findungsphase“, aber habe auch noch einige brandgefährliche Spieler, etwa Stürmer Halil Tekce, in seinen Reihen. „Dennoch wollen wir ins Finale, wahrscheinlich dann gegen Ottenau“, tippt Kalpakoglou. „Da haben wir noch etwas gutzumachen“, erinnert er sich an das 0:6 beim letzten Aufeinandertreffen.

Auch Merkel hätte freilich nichts gegen ein „Finale dahoam“ einzuwenden, wie er sagt. Zweites Spiel, erster Titel als Coach – müsste er dann nicht seine Trainerkarriere beenden? Alexander Merkel lacht. „Ganz im Gegenteil, es wäre ein guter Start

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
9. Juli 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 20sec

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