Fußballer sind zurück auf dem Platz

Baden-Baden (moe) – Die Fußballvereine im Stadtkreis Baden-Baden haben vereinzelt das Training auf dem Platz wieder aufgenommen. Das BT war in Aumatt und in Haueneberstein vor Ort.

Hütchen-Dribblings beim FV Haueneberstein: Der A-Ligist ist zurück auf dem Platz. Foto: Frank Vetter

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Hütchen-Dribblings beim FV Haueneberstein: Der A-Ligist ist zurück auf dem Platz. Foto: Frank Vetter

Es nieselt leicht. Das Surren der Flutlichtmasten, die den Kunstrasen im Aumatt in synthetisches Licht hüllen, korrespondiert mit dem dumpfen Stöhnen des Balls bei jedem längeren Pass. Übertönt wird beides immer wieder von Zwischenrufen – „weiter, weiter“ – oder vom Gelächter der Protagonisten. Es sind vertraute Szenen an diesem Dienstagabend. Einerseits. Denn nach monatelanger Platzabstinenz erinnert das Training an längst vergangene, vor-pandemische Zeiten.

„Sehr schön, aber auch echt crazy“ findet Tim Assenheimer, dass er mit seinen Fußballkollegen des SC Baden-Baden endlich wieder auf dem Platz stehen kann: „Ich freue mich – aber es ist schon ein bissel ungewohnt“, erklärt der SC-Kapitän in einer kleinen Pause. Laut aktueller Corona-Verordnung ist „kontaktarmer Sport“ im Freien bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 mit Gruppen von bis zu zehn Personen möglich, bei Kindern bis 14 Jahren sogar mit bis zu 20 Kickern pro Platzhälfte. Kabinen bleiben geschlossen, zudem müssen Abstände eingehalten werden.

Aufwärmklassiker ohne Zweikampfgefahr

Die SC-Kicker kommen größtenteils schon umgezogen aufs Gelände, vereinzelt säumen herrenlose Sporttaschen das Spielfeld – als stille Zuschauer. Die coronabedingten Einschränkungen bereiten an diesem Abend wenig Probleme, das Hygienekonzept lag ja noch aus dem vergangenen Sommer in der Schublade. Obendrein hat SC-Trainer Patrick Meisch, der obendrein als sportlicher Leiter beim Traditionsclub fungiert, angesichts der vergleichsweise guten Fallzahlen in der Kurstadt bereits vergangene Woche damit gerechnet, dass seine Kicker bald wieder auf dem Platz dribbeln, passen und schießen dürfen.

Auf den Rasen darf aber nicht jeder: „Wer nicht angemeldet ist, hat keine Berechtigung zu trainieren“, hat Meisch im BT-Gespräch bereits am Vortag betont. Er ist sicher: „Die Jungs halten sich an die Vorschriften, weil sie wissen, dass der Verein eine gewisse Verantwortung zu erfüllen hat.“ Kapitän Assenheimer geht voran: „Wir machen kein Larifari, wir passen auf!“

Ein Klassiker zum Aufwärmen: Beim SC Baden-Baden wird Sechs-gegen-Zwei gespielt. Foto: Frank Vetter

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Ein Klassiker zum Aufwärmen: Beim SC Baden-Baden wird Sechs-gegen-Zwei gespielt. Foto: Frank Vetter

Bei den Spielformen an diesem Abend läuft man derweil kaum Gefahr, in bester Paulo-Otavio-Blutgrätschen-Manier in Zweikämpfe verstrickt zu werden. Stattdessen wird sich im „Eck“ duelliert – der Aufwärmklassiker schlechthin auf den Plätzen von der Bundes- bis zur Kreisliga. Im Sechs-gegen-Zwei geht es zur Sache, für jeden Tunnel müssen die Zwei in der Mitte in Form einer Extrarunde bluten. Es wird gefeixt, gelacht, gequatscht. „Am meisten habe ich mich gefreut, die Jungs wieder zu sehen. Ich hab‘ mal zurückgerechnet: Wir haben uns fast fünf Monate nicht getroffen. Das ist lang“, findet Assenheimer.

Frotzeleien über Schuhspanner

Der Gymnasiallehrer war in den vergangenen Monaten oft joggen, hat sich zu Hause einen kleinen Kraftraum eingerichtet und auf dem öffentlichen Bolzplatz sogar ein paar Technikeinheiten absolviert. Aber: Jetzt mit den Teamkollegen samt Ball auf dem Platz – „das ist überragend. Das haben wir vermisst“. Dem Vernehmen nach hat ein SC-Akteur gar die Jahrestagsfeier mit der Freundin abgesagt, nur um beim Neustart dabei sein.

Hier und da verspringt indes mal ein Ball, aber insgesamt ist der Rumpel-Faktor trotz langer Abstinenz erstaunlich gering. „Als hätte es keine Pause gegeben“, findet SC-Spielausschuss Robert Rauch. Das gilt im Großen und Ganzen auch für die erste Post-Lockdown-Einheit des FV Haueneberstein. Der A-Ligist hat zeitgleich mit dem SC das Training wieder aufgenommen – unter anderem mit Fußball-Tennis. Nicht überall hat das Gefühl im Fuß die Pause unversehrt überstanden: „Mach‘ doch mal den Schuhspanner raus“, wird gefrotzelt, wenn die Kugel übers Ziel hinausschießt. Thorsten Kratzmann hingegen brilliert mit feiner Technik: Der Ballannahme mit der Brust folgt ein tückischer Angriffsversuch. „Das verlernt man nicht“, sagt der Coach und grinst. Ein bisschen mischt der landesligagestählte Offensivmann mit, im Wettkampf wird man ihn kaum noch sehen: das kaputte Knie.

Bürokratische Kollateralschäden der Pandemie

Der FVH-Trainer wohnt nur einen Katzensprung vom Sportgelände entfernt. Seine Spieler kommen aber nicht alle aus dem Stadtkreis, sondern reisen – wie auch beim SC Baden-Baden – teilweise aus dem Landkreis Rastatt an. Dort ist der Trainingsbetrieb aufgrund des deutlich schlechteren Inzidenzwerts nicht in der Form gestattet. „Wir dürfen trainieren, aber drei Kilometer weiter nicht mehr“, wundert sich Kratzmann über die bürokratischen Kollateralschäden der Pandemie. Ohnehin rechnet der Routinier damit, dass die Rückkehr auf den Platz von kurzer Dauer sein könnte. An eine Wiederaufnahme des unterbrochenen Spielbetriebs glaubt er nicht: „Ich denke, die Runde wird abgebrochen.“

Damit liegt er auf einer Linie mit Tim Assenheimer: „Was Corona betrifft, bin ich Pessimist. Ich wünsche es mir natürlich, aber so richtig glaube ich nicht dran“, gibt der 35-Jährige zu: „Deshalb müssen wir es genießen, so lange es noch geht“, sagt Assenheimer – und kehrt zurück ins Eck.

Ihr Autor

BT-Redakteur Moritz Hirn

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Erstellt:
10. März 2021, 20:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 21sec

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