Fußballsaison ist Geschichte

Baden-Baden (moe) – Der Verbandstag des Südbadischen Fußballverbands (SBFV) hat entschieden: Die Saison wird abgebrochen. Das BT hat die wichtigsten Aspekte zusammengefasst.

Bosse auf dem Bildschirm: Die Verbandsspitze ist krisenbedingt nur virtuell zu sehen. Hirn

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Bosse auf dem Bildschirm: Die Verbandsspitze ist krisenbedingt nur virtuell zu sehen. Hirn

In vielerlei Hinsicht hat der außerordentliche Verbandstag der südbadischen Fußballer – der erst dritte seiner Art – am Samstag Geschichte geschrieben. Das lag freilich zum einen daran, dass das oberste und damit wichtigste Gremium des Südbadischen Fußballverbands (SBFV) aufgrund der Corona-Krise lediglich virtuell, also via Internet, tagen konnte. Historisch noch weitaus bedeutsamer war allerdings der inhaltliche Aspekt. Nach Wochen und Monaten voller Unklarheit samt Diskussionen über Szenarien, Anträge und Krisenverordnungen ist nunmehr klar: Die seit Mitte März eingefrorene Saison 2019/20 wird nicht wieder aufgenommen, sondern am 30. Juni beendet.

Dieser Beschluss war im Vorfeld von nahezu allen Beteiligten erwartet worden, was allerdings überraschte, war die Deutlichkeit, mit der die Delegierten – stimmberechtigt waren insgesamt 232 Vereinsvertreter sowie aktuelle und ehemalige Verbandsfunktionäre – dem Beschlussvorschlag des SBFV folgten. So war es kein Wunder, dass Thomas Schmidt hernach inhaltlich „nur Positives“ zu berichten wusste. „Der Verbandstag ist geglückt“, sagte der Verbandspräsident, der mit Blick auf die Delegiertenversammlungen im Vorfeld der Abstimmung „genau dieses Ergebnis erwartet“ hatte.

Flächendeckender Konsens herrschte bei den wesentlichen Punkten des Verbandsvorschlags zur Abwicklung der aktuellen Saison: Bei drei Enthaltungen und 21 Gegenstimmen wurde über den gleichlautenden Teil aller eingereichten Anträge entschieden, dem letztlich 182 Delegierte zustimmten. Die Kernpunkte: Beendigung der Saison, Aufstieg der Meister nach Quotientenregelung, keine Absteiger.

Auch die mit etwas Spannung erwartete und sich stufenweise anschließende Abstimmung über den „Antrag Nr. 2“ entwickelte sich zu einer deutlichen Angelegenheit. 28 Vereine aus ganz Südbaden – vorwiegend zweitplatzierte Teams – hatten sich zu einer Allianz der Aufstiegswilligen zusammengefunden, mit dem Ziel, das Aufstiegsrecht nicht nur den Mannschaften auf den direkten Aufstiegsplätzen zuzusprechen, sondern dieses auch auf die Relegationsränge auszuweiten (wir berichteten). Die Antragssteller hatten im Vorfeld möglichst viele Hebel in Bewegung gesetzt, sogar kurz vor der Veranstaltung nochmals in Form von Whatsapp-Nachrichten für ihre Sache geworben – letztlich aber ohne Erfolg: Mit nur 37 Ja-Stimmen – fünf Enthaltungen und 165 Gegenstimmen – wurde der Antrag abgeschmettert.

Tücken der Tontechnik und Bügeleisen

Scholl „extrem überrascht“

„Das hat mich schon extrem überrascht“, sagte Sebastian Scholl, der zumindest mit einem knapperen Ergebnis gerechnet hatte. Der Vorsitzende des FC Neuweier ergriff stellvertretend für alle 28 Antragssteller das Wort, um die wichtigsten Argumente nochmals zu verdeutlichen – allerdings erst, nachdem die Tücken der Tontechnik behoben waren. Die Verbandsspitze saß bekanntlich in einem Studio in Emmendingen, von wo aus der Verbandstag aufgezeichnet und ins Internet gestreamt wurde. Die Delegierten nahmen – teils aus den eigenen vier Wänden mit Bügeleisen im Hintergrund – per Videokonferenz an der Veranstaltung teil und konnten für Redebeiträge zugeschaltet werden. Allerdings gab es eingangs Probleme mit der Übermittlung des Tons.

Nach rund 15 Minuten Verzögerung konnte Scholl dann doch seine Argumente vorbringen und für den aus seiner Sicht „minimal faireren“ Antrag werben. Trotz des durchaus gelungenen Vortrags und dem Ehrenwort, dass der FCN-Vorsitzende dem Vorschlag auch zustimmen würde, „wenn ich nicht selbst betroffen wäre“, war der Stimmenfang erfolglos. Bei den Delegierten – einige taten dies ebenfalls per Redebeitrag kund – war die Furcht vor zu großen Ligen und einem sich über mehrere Saisons hinziehenden Abschmelzungsprozess in den einzelnen Staffeln zu groß. Auch der Verband – in diesem Fall Vizepräsident Reinhold Brandt – hatte diesen Aspekt neben erhöhtem Termindruck und dem Ausbluten der unteren Ligen als Gegenargument vorgebracht.

Ganz offensichtlich mit durchschlagendem Erfolg, denn auch ein weiterer Antrag des Landesligisten SV Laufenburg, zumindest den nach der Quotientenregelung jeweils besten Tabellenzweiten aufsteigen zu lassen, fand keine Mehrheit.

Somit wurden neben den teilweise coronabedingten Änderungen der Satzung und Geschäftsordnung sowie der genehmigten Verpachtung des verbandseigenen Hotels „Sonnhalde“ in Saig alle Entscheidungen im Sinne des Verbands getroffen.

So passte es ins Bild, dass Verbandspräsident Schmidt mit einer gewissen Portion Optimismus auf den Start der neuen Saison 2020/21 vorausblickte. Stand jetzt geht man beim SBFV von einem Rundenstart Anfang September aus. Um bei den politischen Akteuren für die eigenen Interessen zu werben, hat Schmidt zusammen mit seinen Präsidenten-Kollegen aus Nordbaden und Württemberg ein Schreiben an Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) verfasst, um sich einen „Termin für unser Anliegen zu verschaffen“, so Schmidt: „Wir sind aktiv dran.“

Auch BFV und WFV beenden Saison

Den Verantwortlichen beim Südbadischen Fußballverband (SBFV) und ihren Kollegen aus Nordbaden (BFV) und Württemberg (WFV) war im Vorfeld extrem viel an einer landesweit einheitlichen Lösung gelegen – diesem Wunsch kamen auch die Delegierten der anderen Landesverbände am Samstag nach. Auch in Nordbaden und Württemberg wurde mit großer Mehrheit für den Abbruch votiert – unter Anwendung der Quotientenregel und ohne Absteiger. Die Beschlüsse gelten damit auch für die Oberligen in Baden-Württemberg als gemeinsame Spielklassen der drei Landesverbände.

Pokal: Spiele oder Losverfahren

Anders als die Punkterunde und die Bezirkspokalduelle sind die noch ausstehenden Spiele in allen Wettbewerben des südbadischen Verbandspokals oberhalb der B-Jugend noch nicht abgesagt. SBFV-Präsident Thomas Schmidt geht „fest davon aus“, dass die Halbfinals sowie das Endspiel regulär gespielt werden können. Bis zum Ende der Meldefrist für den DFB-Pokal – laut Schmidt ist täglich mit einem finalen Datum zu rechnen – will der Verband noch abwarten. Bis dato müssen sich die verbliebenen Teilnehmer – bei den Männern der SC Lahr, SV Oberachern, VfR Stockach und 1. FC Rielasingen-Arlen – noch gedulden. Für den Fall, dass die Spiele nicht fristgerecht ausgetragen werden können, wurde mehrheitlich vorgebaut: Notfalls wird das Los über den einen Teilnehmer am DFB-Pokal entscheiden.

Objekt der Begierde: Die Spiele um den SBFV-Pokal sollen ausgetragen werden. Foto: SBFV

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Objekt der Begierde: Die Spiele um den SBFV-Pokal sollen ausgetragen werden. Foto: SBFV

Aufstieg – aber keine Ekstase

Ausufernde Aufstiegsfeiern sind auch trotz einiger Lockerungen aus virologischer Sicht kaum angezeigt, dabei gäbe es nach der Entscheidung des Verbandstags vielerorts durchaus Grund für die ein oder andere Bierdusche. In Gaggenau ließ man es sich laut Spielausschuss Julian Slawik angesichts des nun offiziell feststehenden Aufstiegs in die Fußball-Bezirksliga dennoch nicht nehmen, bei Bier und Bratwurst im Traischbachstadion das Erreichte zu feiern. Hier ein Überblick über die seit Samstag offiziellen Meister und somit auch Aufsteiger:

Oberliga: VfB Stuttgart II

Verbandsliga: FV Lörrach-Brombach

Landesliga I: SC Durbachtal

Bezirksliga Baden-Baden: SV Ulm

Kreisliga A Nord: VFB Gaggenau 2001

Kreisliga A Süd: SV Sinzheim II

Kreisliga B1: FV Baden-Oos II

Kreisliga B4: FV Würmersheim II, SV Scherzheim


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