Fußgängern in Baden-Baden steht manches im Weg

Baden-Baden (hez) – Am Donnerstag fand der Abschluss-Workshop des Fußverkehrs-Checks in Baden-Baden statt. Zur Sprache kamen sowohl Missstände as auch Maßnahmen zur Verbesserung,

Nicht ideal: Am Lichtentaler Brahmsplatz müssen Fußgänger eine Menge an Straßenraum überqueren. Foto: Henning Zorn

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Nicht ideal: Am Lichtentaler Brahmsplatz müssen Fußgänger eine Menge an Straßenraum überqueren. Foto: Henning Zorn

Zu Fuß in Baden-Baden unterwegs zu sein, ist keineswegs immer das reine Vergnügen. Dies wurde am Donnerstag im Lichtentaler Löwensaal beim Abschluss-Workshop des Fußverkehrs-Checks an der Oos – eine Aktion von Stadt und Land – sehr deutlich. Zur Sprache kamen aber auch mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Situation.

„Gut zu Fuß in Baden-Baden“ lautet das Motto der Aktion. Allerdings zeigte sich bei zwei Begehungen in Lichtental und der Weststadt, dass man vor allem außerhalb der „Flanier-Schokoladenbereiche der Innenstadt“ (Thomas Schwarz, Fachgebietsleiter Planen und Bauen) durchaus nicht immer so großartig vorankommt. „Oft sind es kleine Dinge, die Schwierigkeiten bereiten“, betonte Schwarz.

Im Mittelpunkt des nur von wenigen Stadträten und „Normalbürgern“ besuchten Workshops stand die Präsentation der Verkehrsplanerin Annika Worch, die auf Missstände und Handlungsfelder hinwies. Als gute Voraussetzungen für den Fußgängerverkehr in Baden-Baden bezeichnete sie die hohe Zahl an Passanten, die touristischen Ziele und die eigenständigen Fußwege. Schwächen seien die Dominanz des Pkw-Verkehrs, fehlende Barrierefreiheit und Breite der Wege sowie teilweise lange Wartezeiten an Ampeln.

Gerade die Hindernisfreiheit sei eine wichtige Voraussetzung für die Attraktivität von Wegen, meinte Worch. Dem stehe zum Beispiel das geduldete Gehwegparken im Wege. Nötig sei die Festlegung vom Mindestbreiten und von Zonen, in denen konzentriert Dinge platziert werden können, die sonst auf den Gehwegen stehen wie Fahrradbügel, Stromkästen, Schilder oder Abfallbehälter. In der Landeshauptstadt seien dafür die sogenannten „Stuttgarter Rechtecke“ installiert worden.

„Stadtmobiliar“ stört Barrierefreiheit

Barrierefreiheit dürfe nicht durch „Stadtmobiliar“ wie Poller, Geländer oder Info-Kästen eingeschränkt werden. Ebenso bedeutsam sei die Gehwegqualität: unebener Belag, Gullydeckel und hohe Bordsteine verwandeln sich schnell in Stolperfallen. Hier könne man mit neuen Deckschichten, Instandsetzungen, dem Austausch von Gullydeckeln und der Absenkung von Bordsteinen für Verbesserungen sorgen. Es sei nötig, Straßenraum stets von außen nach innen zu planen und die Gehwegbreite der Fußverkehrsfrequenz anzupassen.

Ein wichtiger Punkt ist laut der Verkehrsplanerin eine ausreichende Wegweisung. So vermisse man in Baden-Baden zum Beispiel an Baustellen Hinweise auf alternative Routen. Für Besucher gebe es nicht genügend Schilder, die etwa zur Fußgängerzone oder zu den Bussen führen. Insgesamt sei ein touristisches Leitsystem erforderlich mit Haupt- und Themenrouten sowie Informationen für Mobilitätseingeschränkte.

„Fundus an Ideen“

Unterschiedliche Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer könnten durch Markierungen und Schilder zur gegenseitigen Rücksichtnahme aufgefordert werden. Weiter habe man festgestellt, dass in der Kurstadt die Fußgänger bei Straßenüberquerungen teilweise zu hohe Distanzen zu bewältigen hätten, dem könne man unter anderem durch größere Mittelinseln abhelfen. An Ampeln sollte der Fußverkehr nicht länger als 40 Sekunden warten müssen.

In der abschließenden Diskussion gab es unterschiedliche Meinungen darüber, ob mehr getrennte Korridore für Fußgänger und Radfahrer gebraucht werden. Gefordert wurden mehr Rücksichtnahme sowie verstärkte Kontrollen besonders bezüglich des Gehwegparkens. Annika Worch unterstrich, dass nicht alle wünschenswerten Maßnahmen sofort umzusetzen seien. Als nächster Schritt soll erst einmal ein Abschlussbericht über die Aktion erarbeitet werden, der dann in den gemeinderätlichen Gremien auf die Tagesordnung kommt. Thomas Schwarz zeigte sich erfreut, dass man nun auf einen „Fundus an Ideen“ für den Fußverkehr zurückgreifen könne.

Ihr Autor

BT-Redakteur Henning Zorn

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Erstellt:
13. November 2021, 17:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 35sec

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