Fußgängerzone in der Altstadt rückt näher

Gernsbach (stj) – Der Gemeinderat hat einen Rahmenplan zur Aufwertung der Altstadt beschlossen. Dieser sieht vor allem mehrere Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung vor.

Soll in Richtung Färbertor zur Einbahnstraße werden: Der Mühlgrabenweg. Foto: Stephan Juch

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Soll in Richtung Färbertor zur Einbahnstraße werden: Der Mühlgrabenweg. Foto: Stephan Juch

„Manchmal ist Veränderung notwendig, um sich für die Zukunft besser aufzustellen.“ So läutete Albrecht Reuß, Geschäftsführer des Planungsbüros Citiplan, im Gemeinderat seine Ausführungen zum Rahmenplan zur Aufwertung der Gernsbacher Altstadt ein. Werden die darin formulierten städtebaulichen Ziele umgesetzt, wird sich im historischen Kern der Papiermacherstadt so einiges ändern. Vor allem der Verkehr soll aus diesem weitgehend verschwinden.

Genau diese Kontroverse, die von vielen unterschiedlichen Interessen und Bedürfnissen geprägt ist, hat aber in der Vergangenheit stets dafür gesorgt, dass sich letztlich nichts geändert hat. Pläne für eine Fußgängerzone etwa, sind in Gernsbach ja nicht neu. Jetzt aber hat sich der Gemeinderat auf ein Konzept verständigt, dessen Umsetzung nun Zug und Zug tatsächlich erfolgen soll – zumal der Gesamtplan zusammen mit der Bürgerschaft erarbeitet wurde und von breiter Zustimmung geprägt sei, so Reuß.

Mühlgrabenweg wird zur Einbahnstraße

In einem ersten Schritt soll der Färbertorplatz bis 2026 als Parkfläche für Besucher der Altstadt etabliert und der Mühlgrabenweg zur Einbahnstraße (Richtung Färbertor) werden. „Diese ersten Maßnahmen verringern den Verkehr in der Altstadt bereits deutlich“, glaubt Reuß. Im historischen Teil Gernsbachs soll künftig nur noch Anwohner- und Lieferverkehr zulässig sein; für Anwohner bleiben aber Parkmöglichkeiten bestehen, fasste Reuß zusammen. Außerdem soll innerhalb der nächsten vier Jahre zwischen dem Marktbrunnen und der oberen Hauptstraße eine Fußgängerzone entstehen, die mit Pollern und Pflanzen dauerhaft für den motorisierten Verkehr gesperrt bleibt. Während der Durchgangsverkehr dann unter anderem über die Waldbachstraße um die Altstadt herum geleitet wird, ergeben sich in der neuen Fußgängerzone Räume und Aufenthaltsflächen für Gastronomie und Veranstaltungen, so Reuß.

Des Weiteren sieht der Rahmenplan vor, zwischen 2027 und 2031 auf dem Färbertorplatz ein Parkdeck zu errichten. Dort sollen Altstadtbewohner dann ihre Autos abstellen und über einen Steg im obersten Geschoss barrierefrei zu ihren Häusern gelangen. Auf dem Dach des Parkhauses könnten Wohnungen entstehen, mit denen die Investition querfinanziert werden kann. Zu den mittelfristigen Visionen im Verkehrssektor gehören zudem Bürgerbusse vom Bahnhof zur Altstadt und Verbesserungen für Radfahrer.

„Das sind mutige Schritte“, lobte Volker Arntz (SPD) und sprach von hinreichenden Impulsen, die man nun Stück für Stück angehen müsse. Einer der ersten wird wohl die Einrichtung einer „Arbeitsgruppe Verkehrspolitik“ sein, schließlich dürften dort die größten Hindernisse auf dem Weg zur Aufwertung liegen. Mindestens 20 Jahre werde im Gemeinderat schon darüber diskutiert, „ohne dass wir eine maßgebliche Verbesserung hinbekommen haben“, blickte Uwe Meyer (Freie Bürger) selbstkritisch zurück – und hoffnungsvoll voraus: „Wir wollen eine große Lösung der Verkehrsberuhigung, alles andere wäre inkonsequent.“ Auch Stefan Freundel (CDU) nannte die Verkehrsberuhigung in der Altstadt ein Muss, kritisierte aber die Vorgehensweise bei der Aufstellung des Rahmenplans: „Sind die Einzelhändler und Gastronomen befragt worden?“

Parkdeck könnte über Wohnungen querfinanziert werden

Auch Dr. Ernst-Dieter Voigt (parteilos) äußerte Bedenken gegenüber des vorgelegten Konzepts von Citiplan: Für ihn sei die Umwidmung des Mühlgrabenwegs in eine Einbahnstraße nicht überzeugend, „denn für den Gegenverkehr gibt es keine Lösung. Wer vom Färbertorplatz zur Stadtbrücke fahren will, muss einen Weg weit um die Altstadt herum nehmen.“ Nicht ohne Grund sei das Verkehrsaufkommen im Mühlgrabenweg sehr groß, stelle er doch eine gern genutzte Verbindung zwischen Färbertorplatz und Stadtbrücke her. „Er sollte daher weiter doppelspurig geführt werden“, meinte Voigt. Dafür sei er aber an der Einmündung zur Hofstätte zu eng, zudem fehlten dort breite Bürgersteige auf beiden Seiten. „Um Platz zu schaffen, sollte daher das Haus Hofstätte 4, die ehemalige Marien-Apotheke, abgerissen werden“, schlug Voigt vor.

Zudem brachte er ein Parkhaus im Untergeschoss des Silos der Brückenmühle ins Gespräch. „Früher war Gernsbach stolz auf den Werbespruch von der Murgtalperle“, erinnerte Voigt. Leider treffe er heute nicht mehr zu. Mit dem Rahmenplan, der letztlich bei fünf Gegenstimmen aus den Reihen der CDU mehrheitlich angenommen wurde, hofft der Gemeinderat, nun ein Instrument an der Hand zu haben, mit dem der Ruf der Altstadt wieder aufpoliert werden kann.

Auflösung des gordischen Knotens

Bürgermeister Julian Christ begrüßte die Entscheidung: „Mit der Auflösung des gordischen Knotens durch den richtungweisenden Rahmenplan sind jetzt endlich die Weichen für eine Aufwertung unserer historischen Altstadt gestellt. Jetzt heißt es, weiterhin zusammen und im gemeinsamen Dialog die Maßnahmen sukzessive und erfolgreich für Gernsbach umzusetzen.“


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