G-Regeln überfordern Einzelhändler

Rastatt/Baden-Baden (tas) – Egal ob Modehändler, Buchladen oder Haushaltswarengeschäft – überall gilt für den Eintritt die 2G- oder 3G-Regel. Überprüft wird allerdings nur stichprobenartig.

Die Schilder am Eingang weisen auf die 3G-Regel hin, bei der Kontrolle tun sich Einzelhändler allerdings schwer. Foto: Armin Weigel/dpa

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Die Schilder am Eingang weisen auf die 3G-Regel hin, bei der Kontrolle tun sich Einzelhändler allerdings schwer. Foto: Armin Weigel/dpa

Sieben Kundinnen warten in einer Schlange auf das Bezahlen, und trotzdem fragt die Frau an der Kasse des Textildiscounters KiK jeden Weiteren, der den Raum betritt, nach einem der 3Gs. Sie tut das mit einer Engelsgeduld, man merkt ihr aber trotzdem an, dass sie die zusätzliche Aufgabe stresst.
Egal ob Modehändler, Buchladen oder Haushaltswarengeschäft – überall sind die Eingangstüren voll mit Corona-Verhaltensregeln und dem Hinweis, dass der Zutritt nur als Geimpfter, Genesener oder Getesteter möglich ist. Die 3G-Regel – sie ist in Rastatt im Einzelhandel allgegenwärtig. So wie beim Betreten der KiK-Filiale läuft es bei anderen Geschäften am Mittwochmittag allerdings nicht.

Auch am Eingang der Buchhandelskette Thalia weisen Aufsteller und Schilder an der Eingangstür auf die 3G-Regel und Stichprobenkontrollen hin, doch beim Betreten der Filiale fragt niemand nach einem Testnachweis oder dem Impfzertifikat auf dem Handy. Dasselbe beim Modepark Röther. Hier sind die Mitarbeiterinnen in ihre Arbeit vertieft, der ungehinderte Zutritt in den Verkaufsraum ist ohne Probleme möglich.

Dass die Überprüfung der G-Regeln nicht lückenlos und vor allem direkt beim Betreten des Ladens erfolgt, ist den Verantwortlichen beim Handelsverband Baden-Württemberg (HBW) durchaus bewusst. „Die Lage überfordert uns im Einzelhandel komplett“, sagt Hauptgeschäftsführerin Sabine Hagmann. In den Geschäften gebe es in der Regel keine Rezeption, wo der Kunde auflaufe und dann einfach überprüft werden könne.

Aus diesem Grund habe der Verband mit der Landesregierung stichprobenartige Überprüfungen abgesprochen, so wie das beispielsweise im öffentlichen Personennahverkehr üblich ist. Ziel: An den Eingängen sollen keine Warteschlangen entstehen.

Möglichst viele Kunden überprüfen


Das Vorgehen bestätigt das Sozialministerium in Stuttgart. Damit die Kontrollen „praktikabel umgesetzt werden können, ist die Überprüfung durch das Verkaufspersonal oder beauftragte Dritte in den Einzelhandelsgeschäften sowohl im Eingangsbereich als auch im Kassenbereich oder auch vor der Aufnahme von Beratungs- und Verkaufsgesprächen zulässig“, äußert sich Ministeriumssprecher Florian Mader auf Anfrage des BT.

Er schränkt aber ein: „Die Kontrollen haben so zu erfolgen, dass möglichst eine Vielzahl der Kundinnen und Kunden zu ihrem eigenen Schutz und dem Schutz der Mitarbeitenden während ihres Aufenthalts überprüft werden.“ Sprich: Je mehr Überprüfungen desto besser. Mit welcher Methodik die Einzelhändler bei ihren Kontrollen vorgehen, bleibt am Ende aber ihnen überlassen. Weder Thalia noch Modepark Röther äußerten sich auf Anfrage des BT zu ihrem Konzept.

Das Sozialministerium selbst empfiehlt den Einzelhändlern, die gezielte Abstellung von Personal oder Dienstleistern am Eingang des Geschäfts zur Nachweiskontrolle, doch faktisch wird sich nur eine Minderheit einen solchen Aufwand leisten. Hagmann: „Über die letzten 20 Monate hatte die Branche erhebliche Umsatzverluste zu verkraften. Die Händler stehen mit dem Rücken an der Wand.“ Einlass- und Nachweiskontrollen bedeuteten in dieser schwierigen Lage auch noch zusätzlich steigende Kosten. „Viele der Händler fragen sich, ob sie die derzeitigen Einschränkungen überleben werden.“

Hagmann befürchtet, dass sich die Lage noch zuspitzt, denn viele Landkreise haben mittlerweile den Inzidenzwert von 500 überschritten – so auch der Landkreis Rastatt und der Stadtkreis Baden-Baden. Dann reicht ein Test nicht mehr aus, um in Läden, die nicht der Grundversorgung dienen, zu kommen. „3G war schon ein Umsatzschritt von zehn Prozent nach unten“, sagt der Esslinger Modehändler Alexander Kögel. Die Einführung der 2G-Regel im Kreis habe ihn noch mal „30 Prozent gekostet. Ich glaube auch nicht, dass sich das wieder richtig erholen wird.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Tobias Symanski

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Erstellt:
25. November 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 44sec

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