GVI: Lautlos im Murgpark von Gaggenau

Gaggenau (tom) – Ein Tochterunternehmen von König Metall macht mit Videos aus Gaggenau mit seinen elektrobetriebenen Kleinlastern von sich reden.

Im Werbefilm schnurren die Kleinlaster zum Arbeitseinsatz in die städtische Grünanlage in der Innenstadt. Foto: König Metall Group/Kühnmedia

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Im Werbefilm schnurren die Kleinlaster zum Arbeitseinsatz in die städtische Grünanlage in der Innenstadt. Foto: König Metall Group/Kühnmedia

Wer sie im Frühjahr im Murgpark verpasst hat, der hat zurzeit gute Chancen, den kleinen Flitzern auf Facebook zu begegnen. König Metall geht mit seinen Nutzfahrzeugen in die Offensive. Rechtzeitig vor der Fachmesse Nufam in Karlsruhe zeigen die Gaggenauer – beziehungsweise ihr Tochterunternehmen GVI in Malsch –, wie sie den Markt für Kleinlaster revolutionieren wollen.

Das muntere Werbefilmchen soll nicht nur vermitteln, wofür die Nutzfahrzeuge gemacht sind, sondern auch Lust darauf machen, auf „Elektro“ umzusteigen. Denn dafür hat König Metall (KM) ein schlagkräftiges und – wie man nicht müde wird zu betonen – wirtschaftliches Argument: GVI. Diese Abkürzung ist nicht nur die Abkürzung für Gestützte Vakuumisolierungen (Stichwort), sondern auch der Firmenname für das Tochterunternehmen, das mittlerweile in der Durmersheimer Straße im Industriegebiet in Malsch firmiert.

Mehr Reichweite für E-Autos

Wer das Innere der von außen ziemlich unscheinbaren Hallen betritt, der spürt sofort: Die Leute hier brennen für ihr Projekt. Wenn Michael Fischer, Geschäftsbereichsleiter GVI, und Vertriebschef Peter Cappelletti einmal zu erzählen anfangen, dann ist der Vormittag gelaufen. Sie sprudeln vor Begeisterung und können nicht zuletzt auch das: Sogar den Laien überzeugen, dass sie hier etwas „mit Zukunft“ am Laufen haben. Doch sie zielen auf die Profis: Nicht nur das Geschäft mit den gemeindeeigenen Bauhöfen haben sie mit ihren Batteriegehäusen im Visier. Fischer und Cappelletti haben die Großen der Autobranche und deren Elektroautos im Blick. Ein paar nackte Zahlen: über 25 Prozent mehr Reichweite, über 40 Prozent kürzere Ladezeiten, höhere Crashsicherheit. Das sind die Pfunde, mit denen sie Audi, BMW, Daimler oder VW gewinnen wollen. Denn bei aller Euphorie für das Elektroauto: Entscheidend ist die Praxis. Und da sind Ladezeiten und temperaturabhängige Ladezustände immer noch ein Argument gegen und nicht für das Elektroauto. Für den erhofften Aufschwung sieht sich GVI gerüstet: Nicht nur dank der Mutterfirma König Metall und deren Erfahrung und Kapazitäten am Stammsitz Gaggenau, sondern durch genügend Fläche in Malsch. 15 Mitarbeiter sind es dort derzeit auf rund 2.500 Quadratmeter. „Tendenz schnell steigend“, versichert Peter Cappelletti.

Forschung, Entwicklung und Produktion. Alles findet derzeit dort statt. In der Produktion geht es derzeit im Wesentlichen darum, Chassis des chinesischen Herstellers Dongfeng Sokon umzubauen. „Refined in Germany“ lautet das Motto – „veredelt in Deutschland“.

Auch die Ladesäule der Stadtwerke in der Tiefgarage wird in die Dreharbeiten einbezogen.  Foto: König Metall Group/Kühnmedia

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Auch die Ladesäule der Stadtwerke in der Tiefgarage wird in die Dreharbeiten einbezogen. Foto: König Metall Group/Kühnmedia

Die kleinen Nutzfahrzeuge mit dem Namen KM-E von KM-Conversion zeichnen sich insbesondere durch ihre individuellen Aufbauten sowie den Elektro-Antrieb aus. Mit Pritschen, Kippern und mehr sieht man sich für den Einsatz in Parks, Straßenreinigung und weiteren Aufgaben eines städtischen Bauhofs gerüstet: leise, flink und vor Ort emissionsfrei.

Rechtzeitig zur Nufam in Karlsruhe (30. September bis 3. Oktober) wurde für die neueste Generation der E-Laster der Aufbau optimiert. Die neuen, kleineren Batterien finden nun in einem Längsträger-Gehäuse unter dem Pritschenboden Platz. Somit gewinnen Kunden Raum auf der Ladefläche.

Auch ein neues Antriebskonzept wurde entwickelt. Damit ist der Fahrzeugmotor in der Lage, selbst ohne Gangwechsel höhere Geschwindigkeiten zu leisten.

Solar-Kochfeld statt offener Feuerstelle

Die Division GVI der König Metall Group produziert mit dem britischen Unternehmen Caldera Solar-Kochfelder. Unebene Böden, geschlossene Räume, offenes Feuer: Insbesondere in Entwicklungsländern komme es immer wieder zu schlimmen Brandverletzungen bei der Essenszubereitung. Weil zudem fast jedes Material von Papier bis zu Autoreifen im Feuer lande, seien oft Rauchgasvergiftungen zu beklagen.

Die sogenannten Cooker erzeugen hingegen mit Sonnenlicht die für das Kochen benötigte Wärme. Diese wird zu einer Wärmebatterie (Warmstone) geleitet und dort mithilfe der patentierten GVI-Technologie gespeichert. So kann das Essen aufgrund der Vakuum-Isolierung auch Stunden später noch erhitzt werden. Dafür wird der Deckel entweder abgenommen und eine Pfanne oder ein Topf aufgestellt. Alternativ wird der Deckel aufgesetzt, um einen Ofen zu simulieren.

„Der Cooker kann braten, kochen, backen, erwärmen – und alles ohne giftige Rauchgase. Stattdessen nutzt er erneuerbare Energie, ist CO2-neutral und schont so direkt die Umwelt“, beschreibt Nina Zwiebelhofer, Geschäftsführerin der König Metall Group, die neue Lösung. Der Cooker werde zunächst in Kenia durch M-KOPA über das Pay-per-Use-Modell vermarktet. M-KOPA ist eine Finanzplattform, die Menschen ohne Bankverbindung Zugang zu lebensverbessernden Produkten und Dienstleistungen bietet.

Vertriebschef Peter Cappelletti achtet darauf, dass die GVI-Autos ins rechte Licht gerückt werden. Foto: König Metall Group/Kühnmedia

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Vertriebschef Peter Cappelletti achtet darauf, dass die GVI-Autos ins rechte Licht gerückt werden. Foto: König Metall Group/Kühnmedia

Gestützte Vakuum-Isolierungen: Die patentierte Technologie ist wie eine „Thermoskanne“: Dem in einem doppelwandigen Edelstahlgehäuse befindlichen Vakuum werden mikroporöse, druckbelastbare Füllstoffe beigefügt. Wird dem mechanisch hoch belastbaren System ein gut wärmeleitfähiges Gas hinzugefügt oder entnommen, beeinflusst dies die Isolierwirkung. Anwendungsbereiche sind Elektromobilität, Logistik, Medizin oder Bauwesen, wo die Temperatur im Kern konstant aufrechterhalten werden muss. GVI setzt also leichtbaufähige Gehäuse für Lithium-Ionen-Akkus um. Die temperaturempfindlichen Akkus werden über längere Zeit komplett von Hitze oder Kälte abgeschottet. Das steigert die Lebensdauer und mündet in kürzeren Ladevorgängen bei gleichzeitig mehr Reichweite. Denn die Batterien arbeiten in ihrem „Wohlfühlbereich“. Daneben gilt auch eine längere Lebensdauer der Batterien als Pluspunkt.

Wesentlicher Nebenaspekt ist die erhöhte Sicherheit: Aus dem Gehäuse treten selbst bei einer Beschädigung der Batteriezellen keine schädlichen Flüssigkeiten aus.

Die Division von König Metall GmbH & Co. KG ist in Kooperation von TEB – Technologie, Entwicklung & Beratung entstanden. Sie hatte bislang ihren Sitz in Ittersbach bei Karlsbad auf rund 1.100 Quadratmetern.

Weiterer Bericht zu hocheffizienten Batterielösungen.

Hier geht es zu Homepage von GVI.


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