Gaggenau: Gerlinde Stolle feiert

Gaggenau (tom) – Sie macht Politik, sie macht Theater, sie macht Fastnacht: Gerlinde Stolle. Nun wird sie 70 Jahre alt.

Da wird es sogar dem „Mann am Klavier“, Andreas Paul, ein bisschen blümerant: Gerlinde Stolle überrascht den Fraktionsvorsitzenden der CDU im Gemeinderat bei der Grokage-Fremdensitzung 2019 in der Jahnhalle Gaggenau. Foto: Jörg Schumacher

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Da wird es sogar dem „Mann am Klavier“, Andreas Paul, ein bisschen blümerant: Gerlinde Stolle überrascht den Fraktionsvorsitzenden der CDU im Gemeinderat bei der Grokage-Fremdensitzung 2019 in der Jahnhalle Gaggenau. Foto: Jörg Schumacher

„Man will es gar nicht glauben, dass man siebzig geworden ist – aber die Alternative wäre ja auch nicht gut.“ So feiert sie halt am 17. Oktober den runden Geburtstag und wer sie kennt, der darf beruhigt feststellen: Ihr freches Mundwerk wird Gerlinde Stolle auch mit siebzig Lebensjahren nicht ablegen.

Für die SPD sitzt sie im Gemeinderat und ist im Ortsverein aktiv, bei der Grokage zeigt sie sich im Künstlerischen Team mitverantwortlich für die Programme. Ihre Leidenschaft, das Theaterspiel, lebt sie bei Letzterem in vollen Zügen aus.

„Aufmüpfig“, „Ulknudel“. Sie wundert sich nicht über diese Attribute, doch spiegeln sie nur einen Teil von ihr. Denn wer Gerlinde Stolle näher kennt, der weiß, dass sie sich über viele Dinge viele Gedanken macht, manchmal vielleicht sogar zu viele. Sie nimmt die Dinge gar nicht so locker, wie es scheint. „Ich bin ein Beobachter“, sagt sie über sich selbst, „ob Politik, Theaterspielen oder Grokage-Programm, ich bin immer am ,Hirnen‘ – und manchmal kommt ja auch was Gescheites heraus.“

Humor und Kampfgeist: Das berühmte „Blatt vor dem Mund“, es wurde sicher nicht für Gerlinde Stolle erfunden. Auch wenn es sogar ihr zuweilen die Sprache verschlägt, zum Beispiel, wenn sie über die Abwärtsentwicklung ihrer Partei sinniert. Mitglied der SPD ist sie seit 1982. „Damals wurden die ,Jungen SPDler‘ gegründet“, erinnert sie sich. „Die SPD-Zeitung ,Schnitz‘ wurde herausgebracht. Unter meiner Verantwortung. Eine spannende und kreative Zeit. Jede Ausgabe war Abenteuer pur.“ Nicht nur Freunde hat sie sich damals mit diesem Blättchen gemacht – vor allem nicht bei lokalen Granden ihrer Partei. 1991 kam sie als Nachrückerin in den Gemeinderat. 2009 scheiterte sie knapp und rutschte dann als Nachrückerin doch hinein, so war es noch einmal 2015. Das scheint typisch zu sein: „Die, wo d’Gosch uffmache“, werden zwar gebraucht – die Wählergunst gewinnen meistens andere.

Grandios-groteske Aufführungen

Als Nachfolgerin von Paul Rodenfels übernahm Stolle 2010 den Vorsitz des SPD-Ortsvereins. Sieben Jahre lang verrichtete sie diese Kärrnerarbeit. Ob man als geborene Rebellin sich die Bürde der Führungstätigkeit auferlegen sollte, darüber wird sie auch oft nachgedacht haben.

1950 in Baden-Baden geboren, verheiratet, ein Sohn. Lehre im Schreibwarengeschäft ihrer Mutter. Von 1986 bis zur Rente war sie Verwaltungsangestellte bei der Agentur für Arbeit. „Ungefähr zur gleichen Zeit wie in die SPD bin ich in die Theaterklasse an der Schule für Musik und darstellende Kunst eingetreten“, erinnert sie sich. Aus der Theaterschule heraus hat sie eine eigene Gruppe gegründet, um satirische Alltagsszenen zu schreiben. Es entstanden Aufführungen im heimischen Dachgeschoss – oder eben grandios-groteske Stücke bei den Fastnachtssitzungen der Grokage, die durchaus schon zu kleineren Nachbeben im Gaggenauer Rathaus sorgten.

„Stücke und Szenen selbst zu entwickeln macht mir wirklich unendlich viel Spaß“, sagt Gerlinde Stolle. Deshalb nimmt es nicht wunder, dass sie mit ihren Mitstreitern Peter Mann, Paco Palma Diaz und Gerd Pfrommer alles daran setzt, dass es auch im Corona-Januar 2021 Fastnacht in der Jahnhalle gibt – nicht als „Sitzung“, aber mit zwei Comedy-Abenden am 22. und 23. Januar. Schließlich wäre es alles andere als akzeptabel, sich aus Furcht vor einem Virus die Fastnacht verbieten zu lassen!

Zu ihrem 60. Geburtstag zog sie ein Fazit, das auch zehn Jahre später Gültigkeit hat: „Irgendwie passt alles zusammen, weil Politik auch manchmal ein einziges Theater ist.“


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