Gaggenau: „Handel ist kein Infektionsträger“

Gaggenau (tom) – Harry Schneider, Mit-Geschäftsführer des City-Kaufhauses, und auch Friseurin Tanja Döppel hoffen auf ein baldiges Ende des Lockdowns.

Der Frühling hält Einzug im City-Kaufhaus, doch Geschäftsführer Harry Schneider darf die neue Ware nicht verkaufen. Foto: Thomas Senger

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Der Frühling hält Einzug im City-Kaufhaus, doch Geschäftsführer Harry Schneider darf die neue Ware nicht verkaufen. Foto: Thomas Senger

Breuninger ist einer der Großen der Branche. Und auch dieses Textilhandelsunternehmen muss geschlossen bleiben. Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim hat einen Eilantrag der Breuninger GmbH & Co. abgelehnt. Die Einschränkungen zum Infektionsschutz seien weiterhin verhältnismäßig, argumentierten die Mannheimer Richter in ihrem Beschluss. Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland sei insgesamt noch als sehr hoch einzuschätzen. Öffnen dürfen hingegen zum 1. März Friseurbetriebe. Das BT hat sich in der Gaggenauer Innenstadt bei zwei betroffenen Unternehmen umgehört.

Weiter im Zwangs-Lockdown: Harry Schneider ist Mit-Geschäftsführer des City-Kaufhauses Gaggenau – eines der großen Einzelhandelsunternehmen im Murgtal mit rund 60 Beschäftigten. Wie er hatten viele Einzelhändler hoffnungsvoll auf den Eilantrag von Breuninger geblickt. Am Tag nach der Urteilsverkündung ist Schneider noch immer fassungslos: „Dieses Urteil verstärkt das weitere Sterben in den Innenstädten.“ Bereits am 9. Februar hatten Einzelhändler aus Mittelbaden von der Politik eine verlässliche Perspektive verlangt, wann sie ihre Betriebe wieder öffnen dürfen – dieses Ziel ist in weite Ferne gerückt. „Da kommt bei mir die blanke Wut hoch“, schimpft Schneider und betont einmal mehr, wie gut die Einzelhandelsgeschäfte mit ihren Hygienekonzepten auch unter Pandemie-Bedingungen für die Sicherheit von Kunden und Mitarbeitern sorgen könnten. „Der Einzelhandel ist kein Infektionsträger“, betont Schneider einmal mehr und verweist zusätzlich auf sinkende oder zumindest stagnierende Inzidenzzahlen.

Die neue Ware kommt herein

„Wir als Händler brauchen dringend eine Perspektive der Öffnung – und zwar sofort. Denn wir wissen nicht, wie wir die neue Ware bezahlen sollen.“ Schließlich sind die Lager voll mit Winterware, und die Frühlingskollektionen kommen jetzt herein.

Ab 1. März geöffnet: Tanja Döppel ist Inhaberin von Cut-it Haarstudio in der Hauptstraße in Gaggenau. Die neue Regelung für Friseure kann sie nicht zufriedenstellen. „Die Grundprobleme sind doch damit nicht gelöst“, sagt sie und verweist auf die vielen anderen Betriebe, die geschlossen bleiben müssen. „Dabei geht doch alles Hand in Hand: Friseurbetriebe, Cafés, Restaurants, Einzelhändler. Nach dem Friseur geht man noch ins Café oder eine Kleinigkeit essen, dann macht man einen Einkaufsbummel.“ Doch nichts von alledem ist möglich – „wir leben weiter in einer Geisterstadt“. Nicht vergessen will Döppel die Kosmetik- und Nagelstudios: „Auch sie dürfen nicht öffnen, und das halte ich nicht für richtig.“

Für die sogenannten körpernahen Dienstleistungen habe es schon vor dem zweiten Lockdown funktionierende Hygiene- und Abstandskonzepte gegeben, „alles war im grünen Bereich“. Ab 1. März gelte nun in Friseurbetrieben die Zehn-Quadratmeter-Regel pro Person. Die Folge für Tanja Döppel: Ich habe zwölf Kundenplätze, zahle also für zwölf Plätze Miete, kann aber maximal fünf Plätze belegen.“ Denn Kunde plus Friseurin, das ergeben bereits 20 Quadratmeter. Somit muss Tanja Döppel abends länger geöffnet haben, um wenigstens so eine nennenswerte Zahl von Kunden betreuen zu können. Aber: „Wenn man jeden Tag fünf Stunden länger öffnet, dann sind das fünf Stunden mehr Energiekosten, die sich aufsummieren.“ Und dann habe man noch Spätzuschläge für die Mitarbeiter zu zahlen, gibt sie zu bedenken.

Darüber hinaus sind abendliche Öffnungszeiten längst nicht für alle attraktiv, betont Döppel und fragt: „Welche Kundin will um 20 Uhr noch aus dem Haus? Und welche Mitarbeiterin und Kundin will um 22 Uhr im Dunkeln alleine durch leere Straßen nach Hause gehen?“

Cut-it-Friseurmeisterin Tanja Döppel: „Die Grundprobleme sind nicht gelöst.“ Foto: Thomas Senger/Archiv

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Cut-it-Friseurmeisterin Tanja Döppel: „Die Grundprobleme sind nicht gelöst.“ Foto: Thomas Senger/Archiv

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BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
19. Februar 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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