Gaggenau: Hobby-Schauspieler glänzen

Gaggenau (refra) – An drei ausverkauften Abendvorstellungen präsentierte die Theatergruppe der Schule für Musik und darstellende Kunst einen besonderen Einblick in die Bühnenwelt.

Dorothee Bartenschlager (links) und Marion Wolf überzeugen in der Szene „Die Diva“. Das Publikum spart nicht mit verdientem Applaus für alle Akteure. Foto: Regina Frammelsberger

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Dorothee Bartenschlager (links) und Marion Wolf überzeugen in der Szene „Die Diva“. Das Publikum spart nicht mit verdientem Applaus für alle Akteure. Foto: Regina Frammelsberger

Unter der Leitung von Martin Rheinschmidt gelang es den acht Schauspielern, die Zuschauer mit einer facettenreichen Umsetzung der Komödie „Gretchen 89 ff“ zu beeindrucken.

Das Theaterstück von Lutz Hübner dreht sich um eine Szene aus Goethes „Faust“ – die Kästchenszene von Seite 89 und folgenden des Reclamheftes –, die immer wieder auf unterschiedliche Weise dargestellt wird.

Zunächst präsentierte Anouk Wanke den entsprechenden Monolog von Gretchen einmal so, wie man ihn als Zuschauer erwarten würde. Dann folgten zehn rasante Szenen- und Rollenwechsel, die Darsteller und Regisseur in den Proben zeigten und den Zuschauern einen teils amüsanten, aber auch erschreckenden Einblick hinter die Kulissen gewährten.

Als überzeugender Regisseur der Sorte „Schmerzensmann“ versuchte Andrea Maria Winter der Schauspielerin klarzumachen, dass sie hier an ihre Grenzen gehen müsse und sie den Irrsinn Gretchens spüren wolle.

Mehrfachrollen sehr gut gemeistert

Ganz anders verhielt es sich in der Szene, in der Isolde Kleinstück den Regisseur der Sorte „Alter Haudegen“ darstellte. Schauspielerin Marion Wolf hatte keine Chance, ihren Text einmal zu Ende zu sprechen, weil sie immer wieder unterbrochen wurde: „Hab‘ ich Ihnen schon von Hamburg erzählt?“

Auch in der nächsten Szene nahm es der Regisseur, diesmal treffend von Christine Gerstner gespielt, nicht so genau mit der Probe. Er war eher an der Darstellerin als Person interessiert. Schauspielerin Dorothee Bartenschlager verließ mit diesem „Tourneepferd“ als Regisseur fluchtartig die Bühne. Für viel Lacher sorgte das nächste Spielerduo in der Szene „Der Streicher“: Angelika Mantar überlegte in ihrer Rolle als Regisseur nach jedem Satz von Torben Soyka ganz genau: „Brauchen wir das?“, bis der Monolog auf ein amüsantes Minimum gekürzt war. Völlig absurd wirkte die Szene vom Regisseur des Typs „Freudianer“, der in der Darbietung eine „Unterdrückung der weiblichen Sexualität“ spüren wollte. Mit einer „Dramaturgin“ als Regisseur wurde die Szene in allen Einzelheiten psychologisch gedeutet und machte dem Akteur die gewünschte Figurengestaltung schwer.

Doch auch die Regisseure hatten mit den Darstellern zu kämpfen: „Die Anfängerin“ wollte nach jedem Satz wissen, ob sie gut war und ließ sich nicht von eigenen Improvisationsversuchen abbringen. „Die Diva“ wiederum hielt nichts von modernen Interpretationen und war sich zu gut für die Benutzung einfacher Requisiten. Während die Theaterfiguren sich oft sehr wichtig nahmen und ihre Person in den Vordergrund stellten, zeigte die Szene „Requisiteurin“ eine am Schauspiel wenig interessierte Regisseurin; sie beschäftigte sich lieber mit der Gestaltung der Utensilien.

Das Stück thematisierte somit die Eigenarten der unterschiedlichsten Charaktere und forderte von den Gaggenauer Schauspielern eine personifizierte Darstellung . Mit passenden Zuweisungen mehrfacher Rollen und dem Tragen charaktertypischer Kleidung ist es der Theatergruppe gelungen, diese Herausforderung perfekt zu meistern. Alle Akteure bewiesen mit treffendem Einsatz von Gestik und Mimik und dem perfekten Ausdruck der Sprechtexte ihr eigenes Talent zur Schauspielerei. Die Vorstellung war rundum gelungen und in allen Figuren überzeugend gespielt, sodass die Zuschauer mit viel Applaus den abschließenden Worten der „Hospitantin“ zustimmten: „Theater ist einfach toll“.

Ihr Autor

Regina Frammelsberger

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Erstellt:
24. Oktober 2021, 16:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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