Gaggenau: Lolli-Test bewährt sich

Gaggenau (BT) – Eine positive Zwischenbilanz der PCR-Pool-Tests an Kindergärten ziehen die Stadt Gaggenau, Initiator Dr. Florian Konrad, das beteiligte Labor in Karlsruhe und die Erzieherinnen.

Lolli-Test: Mehrere Wattestäbchen werden zusammen einem PCR-Test unterzogen. Foto: Liliane Erbesdobler/Stadt Gaggenau

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Lolli-Test: Mehrere Wattestäbchen werden zusammen einem PCR-Test unterzogen. Foto: Liliane Erbesdobler/Stadt Gaggenau

Die Tests werden seit April angeboten. „Wir haben hier für einige andere Gemeinden Vorarbeit geleistet und waren quasi die Pioniere“, freut sich die Stadtverwaltung.

Die Testung sei für die Kinder mittlerweile längst Routine, berichteten die Leiterinnen der städtischen Kindergärten in Hörden, Freiolsheim, Oberweier, der Murgwichtel sowie der evangelischen Kindertagesstätte.

Wie funktionieren die Tests? Die meisten Kinder führten den Lolli-Test bereits selbstständig durch, die Kleineren werden dabei von Eltern oder pädagogischen Fachkräften unterstützt. Die Kinder „lutschen“ einige Sekunden an dem Wattestab, die dann alle pro Gruppe gesammelt und in einer Sammelladung („Pool“) an das Labor gegeben werden. PCR-Tests gelten als zuverlässiger als die üblichen „Nasenbohrer“-Tests; sie sind aber teurer. In einer Sammelprobe hingegen sind die Kosten überschaubar. Wenn es ein positives Ergebnis gibt, müssen alle Kinder einer Sammelprobe nochmal einzeln getestet werden. Dies war aber bislang nicht der Fall: Bislang gab es kein positives Testergebnis, sodass die Einrichtungen stets im Laufe des Tages den Eltern über die Bürgerapp der Stadt Entwarnung geben konnten. „Das gibt uns als Einrichtung, aber auch den Eltern Sicherheit und ein gutes Gefühl“, beschreiben die Erzieherinnen die Vorteile des schnellen und unkomplizierten Verfahrens.

Auch Grundschulen sollen mitmachen

Gerade, weil der Mindestabstand in der Kinderbetreuung nicht eingehalten werden kann und so eine höhere Ansteckungsgefahr besteht, würden die PCR-Tests das Sicherheitsgefühl erhöhen. Das Angebot, zweimal pro Woche zu testen, werde je nach Einrichtung von bis zu 80 Prozent der Eltern sehr dankbar angenommen.

In der evangelischen Kindertagesstätte wurde es in einer Gruppe ausprobiert. „Die Beteiligung war sehr gut“, berichtet Leiterin Regina Eisele. Dank einer guten Vorbereitung und der Kinder, die das „Lutschen“ längst als selbstverständliches Ritual ansehen, habe die Testung keinerlei Auswirkungen auf den Kindergartenalltag.

Wie geht es weiter? Die Stadt will an dem PCR-Pool-Test auch nach den Sommerferien festhalten. „Er ist effektiv und bietet mehr Sicherheit als die Schnelltests“, urteilt Oberbürgermeister Christof Florus. Gerade mit Blick auf die Deltavariante und die Tatsache, dass nach der Urlaubszeit ein erhöhtes Risiko bestehe, dass das Virus mit ins Land einreist, seien die Testungen wichtig.

Florus kann sich gut vorstellen, dass auch in den Grundschulen der PCR-Test zum Tragen kommt, und freute sich über die Zusage des Labors für eine weitere Zusammenarbeit. Er hofft zudem, dass auch die anderen Kindergartenträger mit einsteigen. Zumal das Land in Aussicht gestellt habe, jetzt auch die Testungen in den Kindergärten finanziell zu unterstützen.

Vorbild für andere Gemeinden

Der Träger der katholischen Kitas hat auf eine andere, eigene Teststrategie in seinen Betreuungseinrichtungen gesetzt. Auch diese wurde mit bis zu 80 Prozent seitens der Elternschaft für ihre Kinder in Anspruch genommen.

Lob gab es für die Stadt vom Labor Volkmann in Karlsruhe. Gaggenau sei eine der ersten Städte gewesen, die den Pool-PCR-Test eingesetzt habe und so vielen anderen Gemeinden Vorbild gewesen. Die logistische Abwicklung sei in Gaggenau sehr gut durchdacht, berichtete das Labor; andere Kommunen seien an der Logistik gescheitert.

Den Erfolg der Gaggenauer Teststrategie in den Kitas machte Abteilungsleiterin Liliane Erbesdobler an der Erprobung im Freiolsheimer Kindergarten fest. „Wir konnten durch die Probezeit dort unser Konzept optimieren.“ „Ohne Dr. Florian Konrad wäre die Testung auf diese Weise nicht zustande gekommen“, dankte Oberbürgermeister Florus dem in Bad Rotenfels wohnenden Kinderarzt für seine Hilfsbereitschaft und sein bürgerschaftliches Engagement für die jüngsten Bürger der Stadt.

Noch keine Einigung mit der Kirche

Im Streit um die Kosten für die PCR-Tests ist noch keine Lösung gefunden worden. Bislang weigert sich die katholische Verrechnungsstelle, die Kosten für die Tests an katholischen Kindergärten zu übernehmen. Sie verwies kürzlich darauf, dass für die sieben katholischen Kindergärten im Stadtgebiet pro Monat über 25.000 Euro anfallen würden. Schließlich handele es sich teilweise um Einrichtungen mit sehr vielen Kindern. Derzeit werden Tests zu 68 Prozent vom Land finanziert. Über die restlichen 32 Prozent werde man sich einigen können, stellt die Stadt Gaggenau eine Teilübernahme in Aussicht – „aber sicher nicht den ganzen Rest“, wie Sprecherin Judith Feuerer im BT-Gespräch deutlich machte.

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Erstellt:
14. Juli 2021, 08:00 Uhr
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