Gaggenau: OB Florus nimmt an Demonstration teil

Gaggenau (tom) – Einzelhändler haben am Montagnachmittag gegen die erneute Schließung ihrer Geschäfte demonstriert. Oberbürgermeister Christof Florus unterstützt die Forderungen.

Die Gaggenauer Einzelhändler fordern, dass sie mit ihren funktionierenden Hygiene- und Abstandsregeln ihre Geschäfte öffnen dürfen. Foto: Thomas Senger

© tom

Die Gaggenauer Einzelhändler fordern, dass sie mit ihren funktionierenden Hygiene- und Abstandsregeln ihre Geschäfte öffnen dürfen. Foto: Thomas Senger

Sie hatten laut eigenem Bekunden ordentlich zu tun am Montagnachmittag, um ihre Kunden zu bedienen. Aber Zeit für eine Demo in der Fußgängerzone haben sie sich genommen – denn sie sehen sich in der Existenzkrise. Ab 16. März gelten neue Beschränkungen für Einzelhändler. Dagegen und gegen die anhaltende Perspektivlosigkeit der Corona-Politik haben sie in der Fußgängerzone demonstriert.

Die Aussagen hat Christof Florus, hier mit Ehefrau Jeanette und Schwiegermutter Rosemarie Rieger (87), eigenhändig aufgeklebt. Foto: Thomas Senger

© tom

Die Aussagen hat Christof Florus, hier mit Ehefrau Jeanette und Schwiegermutter Rosemarie Rieger (87), eigenhändig aufgeklebt. Foto: Thomas Senger

Der Einzelhandel darf ab 16. März im Landkreis Rastatt keine Öffnung nach Terminvergabe (Click & Meet), sondern lediglich Abhol- und Lieferdienste anbieten.

Aufruf der Werbegemeinschaft

Einige Betriebe, beispielsweise Lebensmittel- und Getränkeläden, Buchhandel und Gärtnereien, sind davon ausgenommen.

Aufgerufen zu der angemeldeten Demonstration hatte die Werbegemeinschaft Gaggenau – in Absprache mit Einzelhandelskollegen in anderen mittelbadischen Städten, wie Vorsitzende Melitta Strack erläuterte. Unter den Teilnehmern der angemeldeten Demonstration war auch Christof Florus – „als direkt Betroffener und als Oberbürgermeister“, betonte er im BT-Gespräch. Seine Frau Jeanette Florus ist Inhaberin von Schuh Ball, einem Traditionsgeschäft, das in der vierten Generation in Gaggenau ansässig ist.

„Es ist richtig und wichtig, dass der Gaggenauer Einzelhandel heute dieses Zeichen setzt und auf sich und seine prekäre Situation aufmerksam macht“, sagte Florus dem BT, „es fällt auch mir immer schwerer, manche Regelungen nachzuvollziehen“, vor allem dann, wenn sie „den Schein der Ungleichbehandlung“ erweckten.

„Warum müssen wir schließen?“ – Die Ungleichbehandlung empört die Geschäftsleute auch in Gaggenau. Foto: Thomas Senger

© tom

„Warum müssen wir schließen?“ – Die Ungleichbehandlung empört die Geschäftsleute auch in Gaggenau. Foto: Thomas Senger

Florus: „Unsere Einzelhändler haben bereits letztes Jahr, aber auch in der vergangenen Woche gezeigt, dass mit guten Hygienekonzepten und Abstandsmaßnahmen sowie der Begrenzung der Besucher eine eingeschränkte Öffnung möglich ist. In meiner Brust schlägt auch das Herz des Einzelhändlers, der die Notwendigkeit der Öffnungen in vertretbarem Maße sieht.“ Click & Meet wäre auch in Gaggenau weiterhin möglich, so der OB. Nicht zuletzt würden sich so die Kunden auf viel mehr Läden verteilen, als es nun wieder der Fall sein werde. Florus abschließend: „Wir hoffen sehr, dass das Land an dieser Stellschraube nochmals dreht und nachbessert. Ein ständiges ,Auf und zu‘ der Geschäfte verunsichert die Kunden und erschwert den Händlern die Planung für Ware und Mitarbeitereinsatz.“

Am Vormittag demonstrieren Harry Schneider und die Mitarbeiter des City-Kaufhauses gegen die Corona-Politik. Foto: City-Kaufhaus

© pr

Am Vormittag demonstrieren Harry Schneider und die Mitarbeiter des City-Kaufhauses gegen die Corona-Politik. Foto: City-Kaufhaus

Bereits am Vormittag hatten Beschäftigte des City-Kaufhauses auf die Lage aufmerksam gemacht. „Wir sind keine Corona-Leugner!“, stand auf einem großen weißen Blatt Papier im Schaufenster. Auf einem anderen: „Für unsere Kunden und uns bieten wir den bestmöglichen Schutz“ und auf einem dritten: „Unsere Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel!!!!“

„Wir brauchen eine sofortige Ladenöffnung“

„Es reicht! Wir brauchen eine sofortige Ladenöffnung!!“, war die Botschaft von Harry Schneider. Er ist einer der Kaufhaus-Geschäftsführer. Zum wiederholten Male sagte er, dass vielen Betriebe in nächster Zeit die Insolvenz drohe. Denn sie blieben auf ihren bestellten Waren sitzen. Die Folgen für Gaggenau? Sie werden vorerst nur als Frage auf einem Papier formuliert: „Wie sieht Gaggenau im März 2022 aus?“

Neben Dorothea Maisch (Optik Maisch und CDU-Fraktions-Vize im Gemeinderat) hat sich auch Gerd Pfrommer (Fraktionschef der SPD) zur Demo gesellt. Der Städte- und Gemeinderat müsse aktiver werden, forderte Pfrommer im Gespräch mit Florus. Dies geschehe bereits, entgegnete der OB und verwies auf die Rolle der Abgeordneten: Sie seien gefordert, politisch Druck zu machen. Denn die Stadt könne sich weder über Beschränkungen des Gesundheitsamts noch über die Corona-Verordnung des Landes hinwegsetzen. Unterm Strich gebe es nur einen Weg aus der Corona-Krise: „Testen, testen, testen und endlich impfen, impfen, impfen.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

Zum Artikel

Erstellt:
15. März 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 42sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.