Gaggenau: Sportlerehrung abgesagt

Gaggenau (tom) – Eigentlich hätte am Sonntag in der Jahnhalle der Sportlerempfang stattfinden sollen. Doch nun wurde er abgesagt. Der Sportausschuss als Veranstalter sah keine andere Möglichkeit.

Das war 2019: Gertraud Spitschan übergibt beim Gaggenauer Sportlerempfang Renate Kappler den Hanns-Spitschan-Ehrenpreis. Foto: Slobodan Mandic/Archiv

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Das war 2019: Gertraud Spitschan übergibt beim Gaggenauer Sportlerempfang Renate Kappler den Hanns-Spitschan-Ehrenpreis. Foto: Slobodan Mandic/Archiv

Denn OB Florus habe durch die Verschärfung der Bestimmungen eine gesellige Veranstaltung unmöglich gemacht. In einer Rundmail am Mittwochnachmittag rechtfertigte Oberbürgermeister Christof Florus die Verschärfung der Hygienemaßnahmen.
In einer Mitteilung hatte Gerd Pfrommer am Mittwochvormittag die Medien über die Absage informiert. Er ist Vorsitzender des Ausschusses. Schon frühzeitig habe der Sportausschuss in Abstimmung mit der Stadtverwaltung den diesjährigen Sportlerempfang als 2G-Veranstaltung geplant. „Nun hat allerdings die Stadtverwaltung Anfang dieser Woche die Bedingungen zur Durchführung nochmals drastisch verschärft“, berichtete Pfrommer, „der Empfang sollte als 2G-plus-Veranstaltung laufen, dass heißt alle Besucher müssten sich zusätzlich zum Impfnachweis noch testen lassen. Außerdem würde Maskenpflicht für die gesamte Veranstaltung bestehen und jegliche Bewirtung wäre untersagt.“

Folge: „Der Aufwand für alle Beteiligten würde sich durch die zusätzlichen Tests nochmals deutlich erhöhen. Außerdem wäre eine auch nur einigermaßen lockere, ungezwungene Veranstaltung unter diesen Rahmenbedingungen nicht möglich.“ Der Sportausschuss hat sich deshalb in Abstimmung mit den beteiligten Vereinen dazu entschlossen, den diesjährigen Sportlerempfang abzusagen.

Zwar habe der Oberbürgermeister in der Jahnhalle das Hausrecht und könne diese Regeln auch ohne Abstimmung mit dem Sportausschuss festlegen, räumt Pfrommer ein. Er kritisiert aber Florus’ Vorgehen.

„Am Freitag haben wir uns noch mit dem Amt für Gesellschaft und Familie über das Bewirtungskonzept abgestimmt“, berichtete Pfrommer im BT-Gespräch. Und für Dienstagnachmittag war ein Termin angesetzt, bei dem sich alle an der Organisation Beteiligten zusammenfinden wollten. Am Montagmorgen aber habe man dem Ausschuss per Mail mitgeteilt, dass der OB weitere Verschärfungen verfügt habe. Pfrommer: „Das ist für mich nicht die Art der Zusammenarbeit, die ich mir vorstelle. Und es ist nicht die Art des Respekts, den man den Ehrenamtlichen entgegenbringen sollte.“ Zielführend wäre es gewesen, „dass man mit den Beteiligten die Situation bespricht und dann gemeinsam entscheidet.“

So aber blieb dem Sportausschuss nur, die Absagen zu verschicken. Auch an den ehemaligen KSC-Profi Matthias Fritz. Er hätte als Überraschungsgast die Laudatio für Rudi Drützler halten sollen. Denn der Vorsitzende des FV Bad Rotenfels ist Preisträger des diesjährigen Hanns-Spitschan-Preises. Auch Moderator Thomas Riedinger oder Roland Peuker (Merlin-Elektronik) wurden von der OB-Entscheidung überrascht.

Für Irritationen im Sportausschuss sorgt auch eine Argumentation der Stadtverwaltung, wonach „mehrere Vereine“ gefordert hätten, dass der Empfang nicht stattfinden solle. Gerd Pfrommer betont hingegen, dass auf seine Nachfrage hin lediglich ein Vereinsvorsitzender sich für eine Absage ausgesprochen habe – dies aber als seine persönliche Meinungsäußerung verstanden wissen wollte. Darüber hinaus habe sich nur eine Abteilung eines Vereins gegen den ursprünglich geplanten Empfang ausgesprochen.

„Wenn argumentiert wird, dann möge man dies doch bitte mit Fakten hinterlegen und nicht herumflunkern“, sagt Pfrommer dazu in Richtung Rathausspitze.

In diesem Jahr hätten Vereine aus Selbach und Ottenau beim Programm des Empfangs mitwirken sollen. Manfred Striebich ist Vorsitzender der SV Ottenau. Er sagte auf BT-Anfrage: „Der OB hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt. Das ist nicht die optimale Kommunikation. Ich kann den Unmut von Gerd Pfrommer verstehen.“ Andererseits gebe es steigende Corona-Zahlen und Empfehlungen von Bund und Land, nicht notwendige Veranstaltungen eher abzusagen. „Und Geselligkeit wäre unter den verschärften Auflagen eh nicht möglich gewesen.“

Striebich regte an, den Empfang in Frühjahr oder Sommer zu verlegen, wenn die Infektionszahlen niedriger sein würden. Er verwies auf die Anregung von Thomas Riedinger, dafür dann die Tribüne im Traischbachstadion zu nutzen. Dort haben ja bereits Gottesdienste oder der Bezirkstag des Südbadischen Fußballverbands stattgefunden.

Darüber wird der Sportausschuss noch befinden. Gerd Pfrommer, er ist auch Vorsitzender der SPD-Fraktion im Gemeinderat, betont derweil abschließend: „Es herrscht mittlerweile parteiübergreifend der Eindruck, dass vom Herrn Oberbürgermeister nur noch per Dekret regiert wird. Das nimmt die Motivation.“

Florus nimmt Stellung

In einer Rundmail nahm Oberbürgermeister Christof Florus am Mittwochnachmittag Stellung zur Absage des Sportlerempfangs. Hier die Mail im Wortlaut:

„Leider hat sich abgezeichnet, dass sich die pandemische Lage nicht entspannen, sondern ganz im Gegenteil sogar noch verschlimmern wird. Schon am vergangenen Montag haben die Medien berichtet, dass die Corona-Regeln im Laufe dieser Woche verschärft werden sollen. Es wurde unter anderem gemeldet, dass in manchen Bereichen (unter anderem auch auf Weihnachtsmärkten) die 2G-plus-Regel eingeführt werden soll. Aus diesem Grund haben wir bereits am Montag entschieden, für den Sportlerempfang 2G+ anzuwenden und auf durchgängige Maskenpflicht zu bestehen. Die seit heute geltende Corona-Verordnung schreibt 2G+ vor und hat damit unsere Entscheidung bestätigt.

Die vom Sportausschuss zitierte lockere und ungezwungene Veranstaltung hätten auch wir uns gewünscht, die jetzt herrschende dramatische Lage lässt dies aber leider nicht zu. Außerdem wären beim Sportlerempfang Kinder- und Jugendgruppen beteiligt gewesen, die des besonderen Schutzes bedürfen.

Wir bedauern sehr, dass der Sportlerempfang verschoben werden muss, zumal bereits alle Vorbereitungen getroffen waren. Wir sind aber sicher, dass es die richtige Entscheidung war, den Sportlerempfang ganz abzusagen.“

Vertretung von 32 Vereinen

Der Sportausschuss Gaggenau – vertritt derzeit 32 Sportvereine der Gesamtstadt mit insgesamt rund 15.000 Mitgliedern. Er sieht sich als Sprachrohr bei der Lösung und Koordination sportlicher Aufgaben und Fragen von Sportvereinen und Schulen. Er ist Verbindungsorgan zwischen seinen Mitgliedern und der Stadtverwaltung.

Viele Ehrungen waren geplant

Der Sportausschuss wollte am Sonntag, 28. November, ab 11 Uhr die erfolgreichsten Sportler des Jahres sowie verdiente Vereinsmitarbeiter ehren. In diesem Jahr stehen über 100 Sportler und Mitarbeiter auf der Ehrungsliste. Fünf Sportler sollten die Ehrung in Gold. Insgesamt zwölf Mitarbeiter darüber hinaus für den ehrenamtlichen Einsatz in einem Zeitraum von über 30, 40 oder sogar 50 Jahren mit Gold, außerdem standen auch bei den Mitarbeitern noch eine Reihe von Ehrungen in Silber und Bronze auf dem Programm.

Umrahmt werden sollten diese Ehrungen von der Verleihung der Jugendförderpreise durch die Firma Protektor Maisch. Als Abschluss und Höhepunkt der Sportlerehrung war die Übergabe des Hanns-Spitschan-Preises an Rudi Drützler geplant. Die Veranstaltung sollte mit mehreren Showeinlagen des TB Selbach sowie der Sportvereinigung Ottenau aufgelockert werden.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
24. November 2021, 15:05 Uhr
Lesedauer:
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