Gaggenau: Stadträte ärgern sich über den OB

Gaggenau (BNN) – Die Pandemie dominiert wieder das Tagesgeschehen. Das zeigt sich auch im Gaggenauer Gemeinderat deutlich.

Die PCR-Tests sind sensibler als herkömmliche Schnelltests. An Gaggenauer Grundschulen erfolgen sie als Lolli-Tests in Form von Pooltestungen. Foto: Thomas Senger

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Die PCR-Tests sind sensibler als herkömmliche Schnelltests. An Gaggenauer Grundschulen erfolgen sie als Lolli-Tests in Form von Pooltestungen. Foto: Thomas Senger

Nicht nur die Themen drehen sich um Corona – fast alle Stadträte tragen während der Sitzung wieder Maske, obwohl es noch nicht wieder Pflicht ist. Und der OB kassiert harsche Kritik für die Teilabsage des Weihnachtsmarkts.

Corona ist auch in Gaggenau wieder zum Stadtgespräch geworden. Nach wochenlanger Pause sah sich Ordnungsamtsleiter Dieter Spannagel in der Gemeinderatssitzung am Montagabend erstmals wieder dazu gezwungen, auf die aktuelle Corona-Situation in der Benzstadt einzugehen. Gleichzeitig erhielt Oberbürgermeister Christoph Florus ordentlich Schelte aus den Reihen der Stadträte für die coronabedingte Teilabsage des Weihnachtsmarkts.

Wieder Corona-Sachstandsbericht

„Ich hatte eigentlich gedacht, dass wir keinen Sachstandsbericht mehr geben müssten“, so Spannagel, „aber die Zahlen haben uns eingeholt.“ Was Spannagel nicht nur mit Zahlen, sondern auch mit Grafiken eindrücklich untermauerte. Demzufolge lag die 7-Tage-Inzidenz für den gesamten Landkreis Rastatt am 20. November bei 481,3, im Stadtkreis Baden-Baden bei 485,1 und in Gaggenau immerhin bei 456,7.

Zwar ist die 7-Tage-Inzidenz nicht mehr maßgeblich für die Corona-Regeln, dennoch müsse im Landkreis mit der neuen Corona-Verordnung, die am heutigen Mittwoch in Kraft tritt, mit Verschärfungen gerechnet werden. Zusätzlich zum bereits geltenden Stufensystem soll eine zweite Alarmstufe eingezogen werden, die bei einer Intensivbettenbelegung von mehr als 450 greift und 2G-plus auslöst.

Zu Wochenbeginn lag die Auslastung der Intensivstationen in Baden-Württemberg bei 457 bei einer Inzidenz von 454,1. Während der dritten Welle, so Spannagel, habe die Bettenbelegung zeitweilig bei 627 gelegen, während die Inzidenz bei maximal 197,4 landesweit lag. „Das ist sicherlich ein Indikator, dass viele Erkrankte einen milderen Verlauf haben“, sagte der Ordnungsamtsleiter.

„Adventsmarkt nützt dem Einzelhandel nichts“

Pooltests: Labor kommt nicht hinterher

Infektionen gibt es aber nach wie vor auch in Gaggenau – und da auch vermehrt an den Schulen. Hier waren es in den ersten beiden Wochen der PCR-Pooltestungen je drei positive Pooltests pro Woche, wie OB Florus erläuterte. Und das nach wie vor mit ärgerlichen Folgen für die betroffenen Eltern und deren Kinder. „Leider läuft es immer noch etwas chaotisch“, räumte Florus ein. Die Stadt sei nach wie vor in Gesprächen mit dem Labor, dass die ursprünglichen Zusagen zur schnellen Auswertung aufgrund der gestiegenen Testrate nicht einhalten kann. „Unser Ziel ist, dass maximal ein Schultag wegfällt“, so der OB.

Susanne Detscher (Grüne) schlug vor, dem Vorbild anderer Städte zu folgen, wo die Kinder an zwei Teststäbchen pro Testtag lutschten. „Eins kommt in den Pool, eins wird aufbewahrt, für den Fall, dass es ein positives Ergebnis gibt“, so Detscher. „Das erspart den Eltern den Aufwand der Nachtestung.“ Überlegungen in diese Richtung habe es auch bei der Stadt gegeben, so Florus. „Aber das Labor kann vorab nicht so viele Proben lagern.“

Enttäuschung über Teilabsage

Kritik für ihre Corona-Strategie musste die Stadtspitze aber nicht nur für die anhaltenden Probleme bei den Pooltest-Auswertungen einstecken. Auch für die Teilabsage des Weihnachtsmarktes gab es harsche Worte aus den Reihen des Plenums, etwa von Heinz Adolph. „Sie sind vom Zusage- zum Absage-OB geworden“, wetterte der FWG-Stadtrat. Zwar spreche die Situation derzeit für die Marschrichtung der Verwaltung, doch sei der Gemeinderat bei dieser „so einschneidenden Maßnahme für Vereine, Einzelhändler, Bürger und Beschicker“ nicht einbezogen worden. Es habe „Sprachlosigkeit und große Enttäuschung“ geherrscht, sagte auch Christina Palma Diaz (CDU).

Die düstere Prognose Adolphs – „Die Innenstadt wird wieder totgeschlagen“ – wollte Florus dann aber nicht stehen lassen: „Der Adventsmarkt nützt dem Einzelhandel nichts.“ Die Entscheidung sei zum „Schutz der Bürger“ getroffen worden und man habe sie nicht leichtfertig gefällt. Man habe sich bewusst gegen Glühweinstände und für ein offenes Konzept oder Umzäunung und Kontrollen entschieden. „Ein Verweilen kann und will ich als OB nicht erlauben“, betonte Florus, der zudem deutlich machte: „Frequenzzerstörer im Einzelhandel ist die Pandemie, nicht der Weihnachtsmarkt.“

Pooltest auch bei kirchlichen Kindergärten

Gaggenau (tom) – Nach den Herbstferien wurde in den Grundschulen mit der PCR-Pooltestung begonnen, berichtete OB Florus im Gemeinderat. In beiden Wochen habe es jeweils drei positive Pool-Tests gegeben. „Dank der hohen Sensibilität der Tests, die bereits bei sehr geringer Viruslast anschlagen, konnten so frühzeitig Infektionsketten unterbrochen werden“, versicherte Florus. „Allerdings verlief der Start etwas holprig“, räumte er ein, „das Labor, mit dem wir zusammenarbeiten, hat Kapazitätsprobleme, sodass die Testergebnisse teilweise zu spät bei den Schulen eingingen. Dies sorgte verständlicherweise für Unmut bei den Eltern und der Lehrerschaft. Wir sind deshalb im Gespräch mit dem Labor, um das Konzept zu überarbeiten und zu optimieren.“ Ziel sei es, dass bei positivem Poolergebnis maximal ein Schultag für Nachtestung und Ergebnisermittlung wegfällt.

Florus weiter: „Wir werden das optimierte Vorgehen mit den Schulen besprechen und hoffen, dass die Schulen weiterhin mit PCR-Pool-Tests arbeiten.“ Schließlich sei ein Vorteil der Pooltestungen weiterhin, dass Infektionen frühzeitig erkannt werden, bevor diese virulent werden. Bei Schnelltest komme es hingegen auch vermehrt zu fehlerhaften Auswertungen, sodass bei ihnen die Zuverlässigkeit geringer sei und damit zu befürchten, dass Klassen öfters in Quarantäne müssen.

„Werden mittlerweile Tests in den kirchlichen Kindergärten durchgeführt oder immer noch nicht?“, fragte Stadträtin Christina Palma Diaz (CDU) mit Blick auf die kirchlichen Einrichtungen in der Gesamtstadt. Liane Erbesdobler antwortete in ihrer Eigenschaft als Leiterin der städtischen Abteilung Schulen und Betreuung: Nach den Sommerferien sein alle Kitas in Gaggenau in die PCR-Pooltests eingestiegen mit Ausnahme der Kinderkrippe Sternchen. Dort werde nach wie vor auf freiwilliger Basis getestet. Doch sei die Resonanz ebenfalls groß.

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