Gaggenau: Streit um einen Apfelbaum

Gaggenau (tom) – Den unerlaubten Rückschnitt eines Apfelbaums auf einem ihrer Grundstücke will die Stadt nicht hinnehmen. Sie fordert Schadenersatz.

Wenn die Motorsäge erstmal knattert, ist ein Baum auch schnell gefällt. Symbolfoto: Thomas Senger/Archiv

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Wenn die Motorsäge erstmal knattert, ist ein Baum auch schnell gefällt. Symbolfoto: Thomas Senger/Archiv

„Des muss endlich weg!“, grantelte ein Gaggenauer über einen Apfelbaum. Er fühlte sich von dessen Ästen bedroht, die über die Grenze zu seiner eigenen Obstbaumwiese ragten. Dann griff er zur Motorsäge – sehr zum Ärger der Eigentümerin des Nachbargrundstücks. Sie heißt Stadt Gaggenau und konterte mit einer Schadenersatzforderung über 1.655,52 Euro. Der Fall könnte vor Gericht verhandelt werden.

„Der war doch schon fast tot!“, argumentiert der Gaggenauer. Nur durch seinen radikalen Rückschnitt im Winter hätte der seit Jahren ungepflegte und dürre Baum vielleicht noch eine Überlebenschance gehabt. „25 Jahre nichts machen, und dann kommen die hinterher mit Schadenersatz“, ereifert er sich. „Wenn da ein Baumgutachter kommt, der zeigt denen den Vogel. Ich zahle nichts, dann kommt das vor Gericht.“

Im Gaggenauer Rathaus sieht man den Sachverhalt durchaus anders. Der Bürger habe „dieses Frühjahr auf fremden Grundstücken Obstbäume mit der Motorsäge abgeschnitten, weil er der Meinung ist, dass die Mistel auf den Bäumen den Streuobstbestand gefährden. Unter anderem war er auf einem städtischen verpachteten Grundstück zugange.“

„Der Baum war nicht mehr zu retten“

Die Pächter dieses Grundstücks haben sich daraufhin bei der Liegenschafts-Abteilung gemeldet. Dadurch sei man auf die Holzarbeiten aufmerksam geworden. Nach einigen Telefonaten habe man den Verursacher ausfindig gemacht: „Er wurde von uns angeschrieben und er hat eine Schadwertermittlung erhalten. Der alte Obstbaum auf unserem Grundstück war nach der ,Motorsägen-Behandlung‘ nicht mehr zu retten, wir mussten ihn inzwischen entfernen.“

Nun ist das Verhältnis zwischen dem Gaggenauer Bürger und der Stadtverwaltung schon seit Jahren nicht ungetrübt, und es scheint, als ob die Schadensersatzforderung der vorläufige Höhepunkt des Konflikts sein könnte.

Vom Amtsgericht Stuttgart kam im Sommer die Forderung der Stadt Gaggenau wegen „Schaden aus Rückschnitt eines Apfelbaumes“. Mittlerweile sind Mahnkosten aufgelaufen sowie „Zinsen von 5,000 Prozentpunkten über dem jeweils gültigen Basiszinssatz aus 1.655,52 Euro“ ab dem 16. Juli. Mitte November betrug die zu zahlende Gesamtsumme somit rund 1.687 Euro.

Der Gaggenauer will sich davon nicht beirren lassen, er hat Widerspruch eingelegt. Dies wiederum lässt die Stadt unbeeindruckt: Denn im Mahnbescheid – er kam vom Amtsgericht Rastatt heißt es: „Für den Fall eines Widerspruchs hat der Antragsteller die Durchführung des streitigen Verfahrens beantragt.“ Es deutet derzeit einiges darauf hin, dass der Fall im nächsten Jahr vor dem Amtsgericht Rastatt verhandelt wird.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
29. Dezember 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
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