Gaggenau: „Umzug nicht alternativlos“

Gaggenau (tom) – Die Fraktionen im Gaggenauer Gemeinderat kritisieren erneut die Standort- und Informationspolitik der Sparkasse.

Der Sparkassenturm am Bahnhofplatz in Gaggenau. Am Beratungsangebot soll nicht gespart werden. Foto: Thomas Senger

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Der Sparkassenturm am Bahnhofplatz in Gaggenau. Am Beratungsangebot soll nicht gespart werden. Foto: Thomas Senger

Die Zahlen und betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten für eine Zentralisierung wollten die Gemeinderäte am Montagabend nicht infrage stellen. Wohl aber die Standortentscheidung der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau: Die geplante Verlagerung von rund 75 Arbeitsplätzen aus dem Sparkassenturm in einen Neubau in der Rheinstraße in Baden-Baden wird vom Gemeinderat nach wie vor nicht akzeptiert.

Insbesondere SPD-Fraktionschef Gerd Pfrommer zeigte sich kämpferisch: „Der Standort Gaggenau ist aus vielerlei Gründen gar nicht schlecht. Klares Ziel von uns ist, so viel wie möglich an Arbeitsplätzen in Gaggenau zu halten.“

Vor der Fraktionsrunde hatte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Lothar Volle, allgemeinwirtschaftliche und sparkassenspezifische Hintergründe vorgetragen. Diese führten zu dem Beschluss des Verwaltungsrats mit folgenden drei Schwerpunkten:

Konzentration der Verwaltungseinheiten an einem Standort.

Ergänzungsbau auf vorhandenem eigenen Grundstück in der Rheinstraße in Baden-Baden.

Anschlussnutzungskonzept für den Sparkassenturm in Gaggenau, insbesondere als Wohnraum.

Gerd Pfrommer machte in der Fraktionsrunde deutlich: „Wir haben grundsätzlich den Eindruck, dass der Umzug der Verwaltungsbereiche nicht alternativlos war und nicht alternativlos ist.“ Eine betriebswirtschaftliche sinnvolle Konzentration könne, aber müsse nicht zwangsläufig in Baden-Baden sein. Direkt neben dem Sparkassenturm in Gaggenau entstünden entlang der Bahnlinie attraktive Gebäude, die auch für eine Anmietung mit Kaufoption für die Sparkasse gut wären. Deren verkehrsgünstige Lage direkt am Bahnhof sei „bei einer mittelfristig nicht auszuschließenden weiteren Fusion“ ein deutlicher Vorteil gegenüber einer Verwaltungszentrale in der Rheinstraße.

„Wo ist der Vorteil für Gaggenau?“

Eine transparente Diskussion über dieses Thema habe nicht stattgefunden, monierte Pfrommer.

Für die CDU sagte Fraktionsvize Dorothea Maisch: Zwar habe der Gemeinderat keinen Einfluss auf operatives Geschäft und unternehmerische Entscheidungen der Sparkasse. „Aber wir sind gewählt, um die Interessen Gaggenaus zu vertreten.“ Digitalisierung sei ortsunabhängig, der drohende Bedeutungsverlust für Gaggenau sei hingegen real. „Wo ist der Vorteil für Gaggenau?“, hinterfragte sie die Absicht der Sparkasse.

Der bereits erfolgte Verkauf des Abrisskandidaten Sparkassenparkhaus am Bahnhof habe Tatsachen geschaffen – hätte der Gemeinderat früher von den Verlagerungsabsichten der Sparkasse gewusst, hätte man rechtzeitig auch diese Planungen hinterfragen können. Schließlich wäre nach dem Abriss des Parkhauses für die Sparkasse eine Erweiterungsfläche wie in Baden-Baden auf „vorhandenem eigenen Grundstück“ da gewesen.

Mit ihrer Einlassung richtete Maisch indirekt das Augenmerk auf den Zeitpunkt, wann man in der Gaggenauer Kommunalpolitik von den Verlagerungsabsichten wusste – und wann danach der Gemeinderat davon erfuhr.

In die gleiche Richtung argumentierte Dr. Heike Röhlen (Grüne): „Es war wohl ein strategischer Fehler mit dem Parkplatzgebäude.“ Dies sollte eine Lehre sein, „dass künftig in der Stadtentwicklung nicht nur Wohnen eine Rolle spielt, sondern auch Arbeitsplätze.“

Alexander Haitz (FDP) kritisierte ebenfalls, dass der Gemeinderat lediglich über bereits getroffene Entscheidungen informiert werden sollte: „Die Frage ist doch auch: Wie und auch wann sage ich es meinem Kinde?“ So hatte auch Jan Stenger (FWG) argumentiert: Der Gemeinderat werde „abrupt vor vollendete Tatsachen gestellt, das ist nicht schön.“

Rosalinde Balzer (CDU) bezweifelte, dass die Verlagerung von Arbeitsplätzen in den Stab- und Marktfolgebereichen nicht auch langfristig Verschlechterungen für die Kunde mit sich bringen werde.

Blick vom Sparkassen-Hochhaus zum Merkur. Vom zweiten bis zum sechsten Obergeschoss sollen ab 2024 Mieter die Aussicht genießen können. Im ersten Obergeschoss soll ein „Digitales Kompetenzcenter“ eingerichtet werden. Foto: Conny Hecker-Stock

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Blick vom Sparkassen-Hochhaus zum Merkur. Vom zweiten bis zum sechsten Obergeschoss sollen ab 2024 Mieter die Aussicht genießen können. Im ersten Obergeschoss soll ein „Digitales Kompetenzcenter“ eingerichtet werden. Foto: Conny Hecker-Stock


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