Gaggenau: Viel Geld für 300 Meter Geländer

Gaggenau (tom) – Ein Fuß- und Radweg zwischen Michelbach und Gaggenau wird für rund 220.000 Euro gesichert.

Seit Monaten ist der Untere Heilweg aus Sicherheitsgründen gesperrt. Rechts führt von der Wiesentalhalle ein geteerter Verbindungsweg ebenfalls nach Gaggenau. Foto: Thomas Senger

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Seit Monaten ist der Untere Heilweg aus Sicherheitsgründen gesperrt. Rechts führt von der Wiesentalhalle ein geteerter Verbindungsweg ebenfalls nach Gaggenau. Foto: Thomas Senger

Es ist ein teures Stück Weg, das sich die Stadt Gaggenau leistet. Auf einer Länge von rund 300 Metern bekommt der Fußweg Untere Heil bei der Wiesentalhalle ein neues Geländer. Die Gesamtkosten summieren sich auf gut 220.000 Euro. Das verzinkte Geländer soll Anfang Juni montiert werden. Bis Ende Juli sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein.

Wie kommt dieser Betrag zustande? Der Weg zwischen der Wiesentalhalle in Michelbach und der Körnerstraße in Gaggenau werde insbesondere von Schülern und Spaziergängern genutzt, argumentierte die Stadtverwaltung in ihrer Begründung. Der Weg ist aber seit mehreren Monaten gesperrt – zum einen wegen der Gefahr von Astbruch, zum anderen, weil die bis dato vorhandene Absturzsicherung nicht mehr stabil war. An der steilen Böschung waren die alten Betonfundamente samt Geländer abgerutscht.

In einer der jüngsten Sitzungen des Michelbacher Ortschaftsrats hatte Ortsvorsteher Ralf Jungfermann verkündet, dass die Kosten für die Erneuerung des Geländers rund 96.000 Euro betragen. Dies sind allerdings nur die Kosten für das Geländer an sich. Das Gesamtprojekt bringt aber weitere Ausgabenposten mit sich, wie die Stadtverwaltung nun auf BT-Anfrage bestätigt hat.

Größter Batzen sind die Vorarbeiten

Der Einbau von Fundamenten und Verankerungen summiert sich nach Angaben der Stadt auf weitere 103.500 Euro.

Genau 62 Fundamente im Abstand von circa fünf Metern wurden gesetzt. Um ein erneutes Abrutschen zu verhindern, wurden die neuen Fundamente im Boden oder Fels verankert. Durchschnittlich 1.669 Euro kostet also ein einzelnes Fundament der Flächenmaße 30 auf 30 Zentimeter. „Wegen der räumlichen Enge war viel Handarbeit erforderlich“, gibt die Stadtverwaltung angesichts dieser Beträge zu bedenken, „wenn überhaupt, konnten nur recht kleine Fahrzeuge eingesetzt werden.“

Eins der neuen 62 Beton-Fundamente. In diesen wird das neue Geländer montiert. Foto: pr

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Eins der neuen 62 Beton-Fundamente. In diesen wird das neue Geländer montiert. Foto: pr

Die noch bevorstehende Wiederherstellung des Wegs beläuft sich laut Stadt auf „mindestens 10.000 Euro“. Auf mindestens 500 Metern soll der Weg neu geschottert werden.

Weitere, kleinere Kostenpunkte

Bodenerkundung: 300 Euro.
Absperrung: 200 Euro.
Mäharbeiten: 1.000 Euro.

Geländerdemontage: 5.000 Euro.
Hinzu kommen Kosten für Baumfällungen sowie Ingenieur-Leistungen für Planungen und Statik in Höhe von rund 5.000 Euro.

Für Michelbachs Ortsvorsteher Ralf Jungfermann sind die Ausgaben auch in dieser Höhe gerechtfertigt. „Der Weg wird extrem viel von Schülern genutzt“, betont er im BT-Gespräch. Der vorhandene Radweg entlang der L613 nach Gaggenau sei hingegen weniger attraktiv.

Den Tagestourismus im Blick

Und auch der oberhalb des Wegs verlaufende geteerte Verbindungsweg, der eigentliche Heilweg/Rebweg zwischen Gaggenau und Michelbach, sei für Schüler und auch Fußgänger wenig geeignet, da er doch relativ stark von Pkw befahren werde. „Da haben die Eltern Angst“, gibt der Ortsvorsteher zu bedenken. Die Notwendigkeit, das Geländer des derzeit gesperrten Wegs zu erneuen, sei gegeben. Da der Hang immer wieder „arbeitet“, musste jedes der 62 Beton-Fundamente tief in die steile Böschung und im anstehenden Fels verankert werden.

Ein altes Fundament. Foto: pr

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Ein altes Fundament. Foto: pr

Das künftige Geländer wird höher als das bisherige sein: Mit 1,30 Meter entspricht es den Anforderungen für einen Radweg.

Mit Blick auf den Tagestourismus werde der demnächst wieder nutzbare Weg künftig an Bedeutung gewinnen, versichert der Ortsvorsteher. Ziel sei schließlich die Vernetzung bestehender Wanderwege, sagt er mit Blick zum Beispiel auf den historischen Grenzweg zwischen Württemberg und Baden. Dieser beginnt derzeit am anderen Ende von Michelbach, am Gumben.

Künftig werde es also attraktiver, vom Gaggenauer Bahnhof bis nach Michelbach hinein zu wandern. Auch der Pilgerweg sei in diesem Zusammenhang zu nennen.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
16. Mai 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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