Gaggenau: Weder Programm noch Glühwein

Gaggenau (BT) – Die Stadtverwaltung schränkt das Angebot auf dem Adventsmarkt drastisch ein. Vor dem Rathaus wird es kein Bühnenprogramm geben.

Wie ein Bild aus einer anderen Welt: der Adventsmarkt 2018. Doch in diesem Jahr sind Geselligkeit und ein Gläschen Alkohol verpönt. Am Freitag, 26. November, soll der Adventsmarkt eröffnet werden. Er dauert bis einschließlich Sonntag, 12. Dezember. Foto: Reinhold Bauer/Archiv

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Wie ein Bild aus einer anderen Welt: der Adventsmarkt 2018. Doch in diesem Jahr sind Geselligkeit und ein Gläschen Alkohol verpönt. Am Freitag, 26. November, soll der Adventsmarkt eröffnet werden. Er dauert bis einschließlich Sonntag, 12. Dezember. Foto: Reinhold Bauer/Archiv

Die Nachricht sorgte für ungläubiges Kopfschütteln bei all denen, die sich seit Monaten auf ihre Mitwirkung beim Adventsmarkt vorbereitet und gefreut hatten:

Verzichtet wird auf das Budendorf auf dem Marktplatz. Dort wollte die Stadt eigentlich einen abgegrenzten Bereich schaffen, zu dem je nach Corona-Stufe Personen mit 3G oder 2G Zutritt gehabt hätten. Sie hätten dort ein abwechslungsreiches Essens- und Getränkeangebot vorgefunden. Zudem wäre in diesem abgegrenzten Bereich auch die Bühne gewesen mit einem täglich wechselnden Programm. Gemütlichen Abenden mit Freunden und Glühwein wäre so nichts entgegengestanden.

Eigentlich sollte in diesem Jahr wieder ein Adventsmarkt ausgerichtet werden, nachdem er 2020 wegen Corona abgesagt werden musste. Am Freitag teilte die Stadt Gaggenau jedoch offiziell mit, dass wegen der aktuellen Situation der Corona-Krisenstab des Rathauses eine Teilabsage des Adventsmarkts beschlossen hatte. „Die Entscheidung ist uns absolut nicht leichtgefallen. Sie schmerzt auf der einen Seite, auf der anderen Seite ist eine Durchführung wie geplant nicht zu verantworten“, wird Oberbürgermeister Christof Florus zitiert. Bei den derzeit „fast schon explodierenden Corona-Zahlen“ könne nicht mit gutem Gewissen zu Veranstaltungen eingeladen werden, bei denen Alkohol ausgeschenkt wird und die Menschen länger beieinanderstehen, um Kulinarisches und Kulturelles zu genießen.

Weihnachtliches Kunsthandwerk

In den Hütten auf dem Sandplatz, die bereits errichtet wurden, bieten Kunsthandwerker und Privatpersonen wie geplant Dekorationsartikel, Selbstgemachtes und Weihnachtliches an.

„Wir wissen, dass sich viele schon darauf gefreut haben, wieder etwas Normalität zurückzubekommen. Aber die Realität hat derzeit leider wenig mit der bekannten Vor-Corona-Normalität zu tun“, meint Florus. Enges Zusammensein widerspreche allen anderen geltenden Corona-Vorgaben. Gerade Familien, deren Kindern in den vergangenen eineinhalb Jahren vieles abverlangt wurde, sei nicht zu vermitteln, warum es einerseits strenge Regeln zur Eindämmung der Pandemie gibt und andererseits dann Veranstaltungen dieser Art. Einfach habe man sich die Entscheidung im Rathaus nicht gemacht, betont Pressesprecherin Judith Feuerer.

Sicher sei, dass der „kleine Adventsmarkt“ durch einzelne Imbissangebote in der Innenstadt ergänzt werden soll und in der Stadt weihnachtliches Flair herrschen werde.

Kritik und Zustimmung aus dem Gemeinderat

Widerstand zwecklos: Die Entscheidung über das Programm des Adventsmarkts fällt nicht in die Kompetenz des Gemeinderats. Gleichwohl gab es bei Bekanntgabe harsche Kritik aus den Fraktionen. Das BT hat sich umgehört:

Gerd Pfrommer, SPD-Fraktionschef: „Die Stadtverwaltung hat mit viel Herzblut und Sachverstand ein tragfähiges Konzept für den diesjährigen Adventsmarkt entwickelt. Ich kann deshalb nicht nachvollziehen, warum die Verwaltungsspitze plötzlich kein Vertrauen mehr in die eigene Planung hatte und das Konzept in einer Ad-hoc-Aktion geschreddert hat. Diese Entscheidung ist bitter für die Bürger und vor allem bitter für den Gaggenauer Einzelhandel. Die Stadt Baden-Baden zeigt uns gerade – übrigens unter Einbeziehung des dortigen Gemeinderats – wie man auch in diesen Zeiten einen Weihnachtsmarkt verantwortungsvoll organisieren kann. Es wäre besser gewesen, wenn man auch bei uns mehr Mut, mehr Vertrauen in die eigenen Konzepte gehabt und darüber hinaus den Gemeinderat in die Entscheidungsfindung eingebunden hätte.“

Andreas Paul, CDU-Fraktionschef: „Ich halte das für ein ganz, ganz schlechtes Signal. Warum dieses vorauseilende Einknicken? Warum geht das in Baden-Baden, dass die ein 2G-Konzept hinkriegen, und bei uns nicht? Das ganze Jahr über heißt es: ‚Lasst euch impfen, dann wird alles normal.‘ Nun haben wir ein gebrochenes Versprechen. Sollen wir uns Jahre daheim einsperren lassen? Jeder kann sich impfen lassen. Wer das nicht will, der schließt sich halt selber aus.“

Jan Stenger; FWG-Fraktionschef: „Der OB hat so entschieden; ich kann das schon nachvollziehen. So, wie das Virus im Moment um sich greift, denke ich nicht, dass eine Großveranstaltung durchführbar wäre. In der Alarmstufe, die sicher kommen wird, wird 2G gelten. Kontrolle und Abstandsregeln einzuhalten, wird da nicht möglich sein.“

Eric Peplau, Grüne: „Wir Grünen halten diese Entscheidung für absolut angemessen angesichts einer aus dem Ruder laufenden Entwicklung. Viele Fragen bezogen auf Infektionsverläufe sind immer noch ungeklärt, aber eines dürfte sicher sein: Kaum kontrollierbare Menschenansammlungen auf engem Raum mit oder ohne 2G- oder 3G-Regelung befeuern die steigende Infektionsrate. Daher ist der Stadt für ihre wahrgenommene Verantwortung zum Wohl und Gesundheit der Bürger entschieden zu danken.“

Armin Kellert (AfD): „Lasst den Adventsmarkt stattfinden. Wir haben keine Pandemie, sondern eine Pandemie des maroden Gesundheitssystems. Ich würde die Maßnahmen verstehen, wenn hier die Pest und Cholera wüten würden. Aber Corona ist nicht schlimmer als eine Grippe. 2G ist verfassungswidrig. Das Ausschließen von Menschen aus dem öffentlichen Leben geht in Richtung Diktatur.“

Alexander Haitz (FDP): „Ich verstehe die Bedenken, aber ich habe mich eigentlich auch auf den Adventsmarkt gefreut. Ich hätte mir gut vorstellen können, dass man das Programm unter den geplanten Sicherheitsbedingungen durchzieht. Bin mal gespannt, was Baden-Baden macht.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
12. November 2021, 20:24 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 25sec

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